Im Gas-Würgegriff
Zur Zeit versucht man dem Volk in den Zeitungen landab und landauf mit der unglaublichen Überschrift «Komfortable Lage der Schweiz in Sachen Erdgasversorgung» glaubhaft machen, dass die Schweiz weiterhin unbesorgt dem ständig wieder aufflammenden Gasstreit zwischen Russland und dem Rest von Europa zuschauen darf. Eine unehrliche, ja ignorante Feststellung von kurzfristig denkenden «Reportern». Tatsache ist, dass sich dieser Streit seit 2005 jährlich wiederholt und sich mit allen Konsequenzen auf den ganzen Kontinent ausweitet. Die Abhängigkeit von russischem Gas bekommen besonders Deutschland mit 43 Prozent Gasimporten und Österreich mit sogar 63 Prozent Importen zu spüren. Wiederum bezieht die Schweiz zwanzig Prozent ihres Gasbedarfs, welcher jährlich stetig steigt aus Deutschland. Die Jahresmenge würde heute schon einen Zug mit hundertachtzigtausend Zisternenwagen (Vier-Achser) Länge erreichen.
Zudem ist zu berücksichtigen, dass die Schweiz keine eigenen strategischen Gasreserven besitzt, sondern diese in einem deutschen Bunker gelagert sind!
Der Gasstreit hat zur Folge, dass der Preis sich jährlich beinahe um das Doppelte verteuert, obschon die Energiepreise während der letzten Monate bekanntlich sich um mehr als die Hälfte verbilligt haben. Es besteht die grosse Gefahr, dass die Schweizer Bevölkerung unter dem Gas-Streit in Zukunft ebenfalls zu leiden haben wird, obschon selbst in der Schweiz genügend Erdgas im eigenen Boden vorhanden ist und den Eigenbedarf von jeglichem Gasimport während mindestens den nächsten zwanzig bis dreissig Jahren abdecken würde.
Leider wurde die Gas-Förderung in den Achtziger Jahren im Raume Entlebuch wegen Unwirtschaftlichkeit gestoppt. Es gibt namhafte politische und wirtschaftliche «Verantwortungsträger» die sich gegen ein Gasförderungsprojekt im Südtessin stellen, welches die Schweiz von Gasimporten unabhängiger machen würde. Sich heutzutage gegen ein solches Energieprojekt zu sträuben, wäre etwa mit dem vergleichbar, wie wenn unsere Vorfahren vor knapp einhundert Jahren die ersten Staudämme und Wasserkraftwerke verhindert hätten.
Besonders in Krisenzeiten sind innovative Projekte gefragt die wiederum Arbeitsplätze beschaffen und gleichzeitig die Schweiz vom internationalen Gas-Würgegriff unabhängiger machen würden.Theo Biedermann, Cham ZG