Dichtung und Wahrheit

Ich mag Journalisten, die seriös recherchieren, aufzeigen, was eigene Analyse ist und auch erkennen lassen, welchem politischen Lager sie angehören. Simon Thönen, der aus Brüssel für die «Neue Luzerner Zeitung» berichtet, dürfte nicht zu dieser Gattung gehören. In seiner Kolumne und in einem Artikel stempelt er unseren Bundespräsidenten und Finanzminister Hans-Rudolf Merz zum Untüchtigen. Dieser habe ausgerechnet an dem Tag, als man in Brüssel um die schwarze Liste rang, also im dümmsten Zeitpunkt mit dem Gedanken gespielt, das Zinsbesteuerungsabkommen mit der EU zu kündigen.

Woher weiss dies Herr Simon Thönen? Merz habe dies auf Anfrage einer Journalistin mitgeteilt. Wie lautete diese Anfrage, und was genau wurde mitgeteilt? Darüber schweigt Simon Thönen. Wir alle wissen aber als aufmerksame Zuhörer der Ausführungen von Merz längst, dass abgesehen von der Akzeptanz des OECD-Standards auch daran gedacht wird, das Zinsbesteuerungsabkommen mit der EU allenfalls auf weitere Erträge auszudehnen und die Höhe des Zinssatzes mit Blick auf die Gestaltung der Steuern in den verschiedenen EU-Ländern konkurrenzfähig zu machen.

Es fällt auf, dass Korrespondenten, die aus Brüssel berichten, denken Sie nur an den unseligen Christoph Nufer des SF, nicht für ihr Land sondern für die EU schreiben und sprechen. Wollte man diesen Stimmen vertrauen, bliebe der Schweiz nichts anderes übrig, als in den Schoss der EU zu flüchten. Davor mögen uns der Verstand und unsere direkte Demokratie bewahren.


Wolfgang Sidler, Luzern