Nach der Wahl

Die Fernsehstationen haben nach den vergangenen Wahlen ausgiebig aus verschiedenen Parteitreffpunkten über die Nachfeiern berichtet. So erhielt ich auch Einblick in das Treffen der zürcherischen SP. Da stand Regierungsrat Notter seinen Schäfchen gegenüber und schmetterte ihnen die "Internationale" entgegen. Dazu machte er Dirigierbewegungen, so dass sein Liederkranz - unter ihnen auch Frau Galladé - gehorsam mitsang. Diese Szene veranlasste mich zu einem Leserbrief an den "Tages-Anzeiger". Obwohl mein Text recht kurz war, hatte es - bedauerlicherweise, wie mir die Redaktion versichert - keinen Platz dafür. Mein Brief lautete doch nur: "SP-Wahlerfolg? Eben noch haben sich die Genossen mit ihren Versprechen, wie sie sich für das Wohl der Schweiz einsetzen würden, beim Stimmbürger einzuschmeicheln versucht. Schon am Wahlabend zeigten sie aber, wes Geistes Kind sie sind. Da wirkte der Oberproletarier mit Doktor-Titel, im Amt als Zürcherischer Justizdirektor, als Einpeitscher und Vorsänger der ‹Internationalen›! Mit dem ‹Wacht auf, Verdammte dieser Erde,› haben sie sich gegenseitig zugeprostet, sich als Verdammte gegrüsst und so charakterisiert. Ein Verhalten, das ich als ‹dümmer als die Polizei erlaubt› empfunden habe."

Heinrich Werder, Uster ZH