Von den „Anständigen“ verraten

Die Wut von SP-Präsident Christian Levrat über die unrühmliche Departementsrochade im Bundesrat ist nachvollziehbar und vollkommen verständlich. Allerdings muss er sich auch nicht wundern. Wer mit Verrätern ins Bett steigt, sollte damit rechnen, dass er früher oder später von den vermeintlichen Partnern ebenfalls hintergangen wird. Auf jeden Fall scheint die neue Zusammensetzung unserer Regierung keinesfalls zu einer Beruhigung der Lage geführt zu haben. Wie denn auch? Der Bundesrat wird zurzeit von den vermeintlich Anständigen beherrscht. Es wird aber immer klarer, dass der Anstand dieser Moralprediger bei deren Machterhaltung schnell einmal aufhört. Wer ungemütliche Realitäten ausspricht, erhält den Stempel des Unruhestifters aufgedrückt und wird aus dem braven Gremium rausgeschmissen. Wer seinen Gegnern aber auf anständige Art und Weise skrupellos das Messer in den Rücken rammt, sichert seinen Machterhalt ohne sich etwas vorwerfen zu lassen. Die Medien spielen da natürlich noch so gerne mit und es würde mich nicht wundern, wenn die Mitteparteien vom Schweizer Fernsehen demnächst zu den Schweizern des Jahres gekürt werden. Eines scheint aber nun klar zu sein: Die Mitteparteien kochen lieber ihr eigenes Süppchen und sind lieber unter sich. Die Versprechungen von Pelli, nächstes Jahr die Konkordanz wieder herzustellen, kann man wohl auch getrost vergessen. Er wird sich lieber der CVP anschliessen und zusammen mit einer weiteren ach so netten Partei ohne Bundesratsanspruch eine Koalitionsregierung der freundlichen Mitte bilden.

Andreas Bazzon, Chur