Der neue SRG-Generaldirektor: Ein Erfahrungsbericht

Mitte 2006 sass ich im abfahrtsbereiten Zug nach Bern im Speisewagen. Dieser war relativ stark ausgebucht. Ich war vertieft in meine Lektüre und trank einen Tee. Es kam ein Mann in den Zug, der mich fragte, ob vis-à-vis von mir noch ein Platz frei sei. Selbstverständlich sagte ich. Ich kannte ihn. War es doch jemand, der mir in den Medien schon häufig (und ausnahmslos negativ, da gegen meinen Arbeitgeber gerichtet) aufgefallen war. Wir nahmen das Gespräch auf und ich erkundigte mich nach seiner akademischen Dozententätigkeit in Belgien. Wir führten ein interessantes Gespräch. Er fragte mich, was ich arbeite. Ich teilte ihm ohne jede Provokation sachlich mit, dass ich im Generalsekretariat der SVP arbeite. Der Mann stand ohne sich zu verabschieden auf und verliess den übervollen Wagen. Gestern wurde dieser Mann zum neuen SRG-Generaldirektor gewählt. Gleichzeitig teilte er mit, dass er die Meinungsvielfalt in der Schweiz und insbesondere Art. 93 BV respektiere... Übermässige Glaubwürdigkeit gehört wohl nicht zu den Stärken des neuen SRG-Direktors.

Urs Martin, Fraktionssekretär SVP Schweiz