Reaktionsunfähige Schweiz

An sich ist der Vorfall der vermeintlich von Rechtsradikalen verstümmelten Brasilianerin in Zürich-Seebach ein gefundenes Fressen für die Boulevardpresse und verdient eigentlich keine weitere Beachtung. Und doch ist dieser Fall exemplarisch für die Reaktionsunfähigkeit der Schweizer Politik. Es scheint wahrscheinlich, dass alles eine Lüge einer verzweifelten Frau war. Nachdem die Schweiz auf Grund dieser Lügengeschichte weltweit als rassistisch dargestellt wurde, dürfte man nach den nötigen Abklärungen eigentlich ein energisches Auftreten unserer Regierung erwarten, um den Imageschaden zu korrigieren. Insbesondere unsere diplomatischen Vertretungen hätten die Aufgabe, vorhandene Fakten zu liefern und in den vorverurteilenden Medien entsprechende Gegendarstellungen zu erwirken.

Die erste Reaktion und nüchterne Zurückhaltung der Schweizer Regierung ist grundsätzlich zu begrüssen. Doch da sich vermutlich einige Leute beim EDA über diese globale Verunglimpfung der SVP klammheimlich freuen, wird, auch wenn die Faktenlage dereinst klar ist, wohl nichts passieren. Das «Opfer» wird vergessen und über alles der Mantel des Schweigens – und stillen Akzeptierens – ausgebreitet. Ganz in schweizerischer Manier eben. Diese duckmäuserische Haltung der Schweiz lässt für zukünftige Attacken ausländischer Regierungen und Medien z.B. betreffend Bankkundengeheimnis, Steuerstreit etc. nichts Gutes erahnen. Von einer starken Regierung erwarte ich nüchterne Zurückhaltung, sorgfältiges Analysieren und selbstbewusstes Handeln. Von Letzterem spüren wir seit Jahren nicht sehr viel. Doch hoffentlich lernt man in Bern endlich dazu.

Dr. Nils Leuzinger, Pfäffikon SZ