Unappetitliche Parteistrategie
Mit einer unappetitlichen, schleimigen Parteistrategie hat die CVP bei den eben abgeschlossenen Bundesratsersatzwahlen am 22. Sept. 2010 erfolgreich verhindert, dass die grösste Partei des Landes, die SVP, den ihr zustehenden 2. Sitz in der Landesregierung erhalten hat und hat erst hinterher gemerkt, dass sie sich damit selbst die Zukunft für das so sehnlichst gewünschte 2. Bundesratsamt verbaut hat. Nun soll mit einer zweifelhaften Parteistrategie dieser Fehler korrigiert werden. Man hat zwar schon immer gewusst, dass nichts so verlogen ist wie Politik. Noch nie hat aber eine Partei dies so offensichtlich und öffentlich kommuniziert. Nur um ihren auf lange Zeit verlorenen 2. Sitz zu retten, will die CVP ohne Skrupel gegenüber der Parteiräson eine Fusion mit der kleinsten Bundesratspartei, der BDP eingehen mit dem Ziel, den Schleudersitz von Eveline Widmer – Schlumpf auf Biegen und Brechen zur erhalten und auf ihre Seite zu ziehen. Die Person ist ihr dabei offenbar Wurscht, Da darf es schon auch einmal eine Verräterin mit dem versteckten Dolch im Gewand sein, welche die Parteifarbe wechselt wie ein Chamäleon. Hauptsache die Parteimacht ist gesichert.
Dass ausgerechnet eine Christliche Volkspartei bereit ist ihre Parteigrundsätze zugunsten einer zweifelhaften Strategie über den Haufen zu werfen, ist zwar im Grunde genommen nicht neu, dass aber eine Partei um der Macht willen, die Verlogenheit der Politik so öffentlich kommuniziert, ist wohl eher ein Novum in der schweizerischen Parteipolitik. Ob das allerdings bei den kommenden Gesamterneuerungswahlen ins Parlament bei den Wählerinnen und Wählern gut ankommt, steht auf einem anderen Blatt.
Willy Fasel, Thun BE