Ist das Glarnerland zum Müllhaufen geworden?

Diese Frage muss man sich stellen, wenn man im Hauptort aus dem Zug steigt und in den «Volksgarten» blickt. Vis-à-vis der beiden Erstklasshotels «Glarnerhof» und «Stadthof», ist der berühmte und beliebte Erholungsgarten Tag für Tag voller Abfälle, Flaschen, Papier, Plastikbecher, Blechdosen und was weiss der Himmel noch was. Obwohl der Reinigungs- und Reparaturdienst der Stadt sich alle Mühe gibt, Tag für Tag den Dreck zu entsorgen, sieht es abends, in der Nacht und vor allem am Wochenende grauenhaft aus. Da das Personal des Werkhofes an den Samstagen und Sonntagen frei hat, wie jeder andere Bürger, wissen vor allem junge Leute nichts Besseres, als ihre ganzen Abfälle liegen zu lassen.

Kürzlich ist mir zu Ohren gekommen, dass zwei Jugendliche die sich auf der Linthbrücke befindenden Blumenkübel jeweils in die Linth gekippt haben. Glücklicherweise hat man diese nach langer Zeit bei der Tat ertappt, und sie konnten zur Verantwortung gezogen werden. Dabei hatte sie der zuständige Beamte vor die Wahl gestellt, entweder an einem Samstag eine Arbeit im Forst zu machen oder er würde eine Strafanzeige einleiten. Die Eltern der beiden Jugendlichen entschieden, dass ihre Zöglinge nicht für eine solche Arbeit herangezogen werden dürfen und so kam es zu einer Strafanzeige. Sie hatten sich allerdings zu früh gefreut: denn der eine wollte eine Lehrstelle bei der Glarner Kantonalbank und der andere bei den Schweizerischen Bundesbahnen antreten. Nachdem jedoch die Direktoren in das Vorstrafenregister Einsicht genommen hatten, wurde ihnen eine Absage erteilt. Der schöne Traum war aus. Vielleicht machen diese heute eine Handwerkerlehre, oder vielleicht arbeiten sie heute auf dem Bau als Handlanger.

So sollte man auch jene Maturanden bestrafen, die Mitte März 2009 die ganze Nacht auf den Strassen der Hauptstadt unsicher machten, brüllten und tobten und besoffen und kreischend Flaschen mit Schnaps, Bier und Kistenweise Wein tranken und in alle Vorgärten und auf dem Trottoir Abfälle hinterliessen. Es ging sogar um 04.00 Uhr soweit, dass einer Pflanzenkübel umgestossen, Plakatwände heruntergerissen und Signaltafeln entwendet und dann mitten auf die Hauptstrasse geworfen hatte. Zufälligerweise begegnete mir dann gerade die Polizei, die über den Lärm in erhöhter Bereitschaft war. Ich meldete den Vorfall und so konnte die betrunkene Bande angehalten werden. Als ich dann mit dem Hund wieder auf den Polizeioffizier traf, wo die Delinquenten sich mit einem anderen Polizist stritten, wer wohl am Desaster die Schuld trage, sagte mir der Polizeioffizier ziemlich genervt: «Das ist unsere künftige geistige Elite». Was kann man da noch erwarten? Zwar gab es schon immer Studenten, die ein buntes Leben trieben, weil sie dem Staat oder den Eltern nur noch auf der Tasche liegen. Aber müssen wir in der heutigen Zeit, wo die Wirtschaft am Boden liegt und Hunderttausende von Arbeitslosen brotlos sind, und die Überfremdung unsere schwer verdienten Vorsorge plündert, uns auch das noch gefallen lassen?

Martha Zweifel, Glarus