In medias res?

Ob das Schreiben eines Leserbriefes noch Sinn macht, wird sich manch einer schon gefragt Der Zeitverlust für die Mühe lohnt sich kaum noch. Die Chance, dass ein Leserbrief veröffentlicht wird, ist äusserst gering und hängt von reinen Zufälligkeiten ab. Ist er zu lang, findet er keine Gnade, und ist er kurz genug, dann hat er unwahrscheinlich Glück gehabt, das Wohlwollen des Zensors zu finden. Wer kennt sie nicht, die stereotypen Antworten der Redaktionen! Wir bedauern; von wegen Platzmangel und so fort. Akkreditierten Hofschranzen wird der rote Teppich ausgerollt und die Spalten geöffnet. Kommen Aussenseiter selten einmal zu Wort, werden in den meisten Fällen stichhaltige Argumentationen - sofern sie nicht in die gleiche Richtung zielen - einfach unterschlagen. Unter den akzeptierten Leserbriefen, die publiziert werden, sind meistens die Befürworter der staatlich gelenkten Regie, in der Mehrzahl zu finden. Eine kleine Minderheit lässt man gnädig zu Wort kommen, damit nicht der Eindruck erweckt wird, die freie Meinungsäusserung werde verhindert.

Die Zeitungsmacher sind zwar sehr interessiert, möglichst viele Leserbriefe zu erhalten, können sie doch daraus das allgemeine Stimmungsbarometer der Volksmeinung ablesen. Sofern es um die Resonanz politischer Entscheidungen geht, befindet sich die vom Hintergrund aus staatlich gelenkte Presse, vor einer Abstimmung eindeutig im Vorteil, Kenner der Politszene wissen sehr genau Bescheid, wie man die Volksmeinung auf eine Zustimmung trimmen kann. Im Bedarfsfall leisten die Agenturen von Public Relation Büros stets honorable Dienste, Der Steuerzahler wird zudem noch angehalten, diese Hilfsdienste selbst zu berappen, Aus dieser einmaligen Sicht, sind Leserbriefe absolut kontraproduktiv zu bewerten. Wer erinnert sich nicht - unter Mao konnten seine Gegner an Plakatwänden ihren Unmut manifestieren, aber riskierten Kerker in Umerziehungslagern. Soweit sind wir ja noch nicht, und muss verhindert werden.

Aldous Huxley hat im vergangenen Jahrhundert die heutige Entwicklung präzise vorausgesagt. Mit der Überhandnahme der elektronischen Nachrichtenverbreitung wurde den Medien die Möglichkeit eröffnet, die staatlich gelenkte Massenbeeinflussung zielstrebig zu fördern. Und sie machten massiven Gebrauch davon. Hinter dem Rücken der Bevölkerung - trotz demokratischer Institutionen und Legimitation - wird die Entmündigung des Souveräns systematisch betrieben. Beinahe unmerklich und in kleinen Schritten wird das Ziel einer totalen Bevormundung des Bürgers in die Wege geleitet. Mit der geplanten Zusammenlegung kleiner Gemeinden in Grossräume, wird deren selbsterhaltende Autonomie zerstört, und der Kontakt unter den Bewohnern ausgeschaltet. Das vom Kommerz beherrschte Parlament leistet im vollen Bewusstsein des Unrechtes, jegliche Helferdienste. Unsere beiden Volks- und Stände-Kammern hätten es ja in der Hand, den Missbrauch des Volkswillen, zu verhindern. Leider ist die Kontrolle der übermächtig gewordenen Verwaltung, den Mandatsträgern völlig aus den Händen geglitten. Der Staat im Staat wurde etabliert. Eine Gewaltenteilung ist deshalb nicht mehr garantiert und illusorisch geworden. Das Volk ist dem süssen Gift von "panem et circenses" erlegen. Jede Dummheit ist gratis zu haben und wird erst noch frei Haus geliefert. Die grossen Tagesblätter sind in Händen von gewollten Verlegern, vielleicht heute noch unter Kontrolle bürgerlicher Observanz mit Ausnahme der Zeitschriften von Ringier aber bald einmal im Besitz von weltumfassenden Zeitungs-Mogulen. Ein Schritt näher zu einer neuen Weltordnung unter einer dominanten Weltregierung. Geheimbünde wie die Illuminaten, denen nur Auserwählte angehören dürfen, verfolgen zielstrebig den Weg der Völker auf die Galeeren. Die Anziehungskraft dieser ordensmässig geführten geheimen Gesellschaften ist gewaltig. "Dabei sein ist alles", und viele Zeitgenossen wissen gar nicht einmal, dass sie bereits aus Unkenntnis im Dienst dieser Machtelite stehen. Von Zeit zu Zeit steigen Geheimberichte dieser Machtzentren von Abtrünnigen an die Oberfläche, welche dann meistens für unglaubwürdig eingestuft und als Phantasieprodukte deklassiert werden. Was nicht sein darf, ist nicht! Im zwanzigsten Jahrhundert werden diejenigen in einer Gesellschaft die eigentliche Macht ausüben, die fähig sind, ihre Sprachregelung in der Gesellschaft durchzusetzen.

Dann ist die Wahl der Begriffe und der Sprache kein Nebenkriegsschauplatz, sondern dann wird der Kampf um die Sprache "zur entscheidenden Schlacht" (Nietzsche). Was das Mass noch ganz voll macht, ist die bis zu den höchsten Würdenträgem grenzenlos angeschwollene Korruption, die jetzt sehr schnell in apokalyptische Dimensionen hinübergleitet. Die Eigendynamik ist kaum noch aufzuhalten. Selbst die UNO ist tödlich davon befallen. Es wird Jahre dauern, bis dieses Völkergebilde - wenn überhaupt noch - wieder sichern Boden unter den Füssen erlangen wird.

Unsere Vorfahren, die alten Eidgenossen beschworen unablässig "haltet Euch fern vor fremden Händeln" und in der Not hilft Euch niemand, ausser der Zusammenhalt im eigenen Volk, Die Staatsmaxime der älteren Schweiz - ihre immerwährende Neutralität - hat sich über Jahrhunderte bewährt, und bis heute nichts an Aktualität eingebüsst. Verheerende Kriege blieben ihr erspart. Wenn die Schweiz ihren eigenen Weg gehen will, so hat dies mit Abschottung nichts zu tun. Wer mit uns Handel treiben will, ist auf der Basis von Konvergenz, stets willkommen. Unsere Souveränität ist wertvoller, als der Massenkonflikt der unterworfenen EU-Nationen. Eine Hoffnung auf ewigen Frieden könnte genauso das Unheil heraufbeschwören wie jene Politiker, die den Menschen das Paradies auf Erden versprechen. Denn das ist der sicherste Weg in die Hölle. Besonnene Männer und Frauen müssen jetzt die Zügel in die Hand nehmen. Schwachstrom-Elemente sind kurz zu schliessen. Wo kein Richter mehr ist, hat auch der Bürger sein Recht verloren. Wann "schnallt" die Masse endlich, was um sie herum sich täglich tut?

Ernst Heimgartner, Reinach BL