«Saly Mayers Kampf»

Wenn Sie in der «Schweizerzeit» vom 5. Dezember schreiben, dass Saly Mayer zu Recht als Retter jüdischen Lebens während des Holocaust zu würdigen sei, kann ich nicht anders, als im Interesse der Wahrheit dies in Frage zu stellen.

Tatsache ist, dass Saly Mayer vor und während des Zweiten Weltkrieges der Präsident des «Schweizerischen Israelitischen Gemeindebundes (SIG)» war. Es ist protokolliert, dass er am 18. Dezember 1938 im Israelitischen Gemeindebund sagte: «Es ist unmöglich, Hand zu bieten, dass weiterhin ganze Gruppen illegaler Flüchtlinge in die Schweiz gelassen werden.» Diese Haltung gegenüber den verfolgten Juden im Nazireich vertrat er auch bei den Bundesbehörden.

Unter seiner Leitung beschloss damals der «Schweizerische Gemeindebund» auch gemäss Protokoll: «sich von jeder illegalen Einreise abzugrenzen». Dabei wusste er genau, welches Schicksal Juden in den Vernichtungslagern erwartete.

Im Zusammenhang mit der Flüchtlingspolitik darf nicht vergessen werden, dass St. Gallen ein wichtiger Hafen war, in dem sich viele Verfolgte vor dem Nazionalsozialismus retten konnten. In einem Historikerbericht steht: «Der Leiter der israelitischen Flüchtlingshilfe St. Gallen, Sidney Dreifuss, der Vater der Bundesrätin Dreifuss wurde von jüdischen Flüchtlingen als distanzierter Bürokrat geschildert, der sie spüren liess, dass er sie am liebsten losgeworden wäre.» Er sprach von unerwünschten Elementen unter den Flüchtlingen und von der schweizerischen Polizei, die zu entgegenkommend sei.

Er und Saly Mayer waren es, die nicht mehr Flüchtlinge in unser Boot lassen wollten. Saly Mayer mag viel Geld gesammelt haben, doch wägt dies nicht einen toten Juden in Deutschland auf!

Paul Zürcher, Herzogenbuchsee BE