Westliche Ignoranz

Dem Beitrag von Frau Kaiser in «Schweizerzeit» Nr. 24/2009, «Besser für Deutschland, besser für die Schweiz» über die flegelhaften Äusserungen etlicher SPD-Bonzen in Berlin gegen die Schweiz ist völlig zuzustimmen. Kaum jemand dürfte so viele und so bissige Artikel dazu – immer im Vergleich zur Nazizeit – als ich in deutschen und schweizerischen Zeitungen geschrieben haben. Dass das Schweizer Staatsoberhaupt sich indes recht unschweizerisch, fast liebedienerisch bei «Herrn» Steinbrück bedankte, verschwieg die Autorin gewiss nur durch reinen Zufall...

Besondere Zielscheibe des insofern recht überheblichen und herablassenden Beitrags ist Frau Merkel, die sie meines Wissens  nie kennenlernte. Ich begegnete ihr im Sommer 1990 als einer für Freiheit und Demokratie sehr engagierten Frau. Als wir (ich als einer der Mitbegründer der CDU Mecklenburg-Vorpommern von 1946) in meiner alten Heimat unsere CDU aufbauten. Damals, was die Verfasserin wieder «zufällig» verschweigt, hoffte sowohl London als auch Paris, aber ebenfalls manche Schweizer Sozialdemokraten (nicht nur ein Hubacher) auf die weitere Existenz der DDR – und damit auf eine weitere Verweigerung des Selbstbestimmungsrechts der dortigen Menschen. Auf Frage nach meinem politischen Bild vom Westen (die Schweiz ist hier grösstenteils eine Ausnahme) würde ich sofort mit «Arroganz» und «Ignoranz» antworten. Es ist allzu einfach, in westlicher Ignoranz den Umbruch im Osten zu verschlafen und dann in seiner Arroganz noch heute von jedem DDR-Deutschen eine Rechtfertigung über sein Leben zu fordern –obwohl man selber – dazu gehört auch die Autorin – eine Diktatur nie erlebte und ein Leben dort bis heute überhaupt nicht erfassen kann. Der illegale Widerstand, der Volksaufstand, der Sturm auf die Berliner Mauer fanden in der DDR statt – und das stets unter der Gefahr, dabei das eigene Leben zu verlieren.

Was das angeblich fehlende Rückgrat meiner Bundeskanzlerin betrifft, so sei das rechtsstaatlich äusserst bedenkliche Vorgehen gegen ihren überall in der Welt (ausserhalb Berns) beliebten Chef des Strategischen Nachrichtendienstes, Divisionär Peter Regli, erinnert. Er schrieb mir einmal, er hätte sich gefreut, wenn Schweizer Offiziere so für ihn eingetreten wären wie ich – als Ausländer! Vielleicht, Frau Kaiser, setzen sie da einmal an, als anstatt recht unseriöse Urteile abgeben glauben zu können. In alter Liebe und Verehrung der Schweiz! 

Dr. F.W. Schlomann, Königswinter/Deutschland