Harmos ist gescheitert
Harmos wurde in einigen Kantonen in Kraft gesetzt, schweizweit aber nicht, da viele Kantone Harmos abgelehnt haben. Von einer Einheit kann zu Recht nicht gesprochen werden. Das Gegenteil ist eingetreten. Im Bildungsbereich herrscht ein heilloses Durcheinander. Im Bildungsturbo-Kanton Zürich mussten auf Druck der Lehrpersonen und der Schulbehörden laufend Anpassungen vorgenommen werden. Der integrative Unterricht - wie er in Harmos vorgesehen war - musste fallengelassen werden. Eine wissenschaftliche Studie zur Basisstufe (Kindergarten und 1./2. Klasse) belegt, dass bei Kindern nach dem 2. Schuljahr keine Unterschiede bestehen, ob sie eine Basisstufe oder einen Normalkindergarten und 1./2. Klasse besucht haben. Was bleibt, sind lediglich Mehrkosten bei der Basisstufe. In der Harmos-Kontrollbürokratie laufen die Lehrpersonen in Scharen davon. Von besserer Unterrichtsqualität keine Spur. Der Kanton Bern hat sich von der Früheinschulung ganz verabschiedet. Das Durcheinander bei den Fremdsprachen ist perfekt: Die Ostschweiz bleibt beim Frühenglisch, Zürich beginnt damit im 2. Schuljahr, Thurgau, St. Gallen und Schaffhausen ab dem 3. Schuljahr. Bern und Umgebung bleiben beim Frühfranzösich. Die Hochdeutschpflicht für den Kindergarten steht bereits in vielen Kantonen wieder zur Diskussion. Wo ist da die Gleichheit, die Mobilitätshindernisse abbauen sollte, wie dies der Regierungsrat unaufhörlich behauptet?
Nebenbei: Der Thurgau ist Harmos nicht beigetreten.
Die Blockzeiten mögen für einige Eltern von Vorteil sein, für die Kinder aber sicher nicht. Erst- und Zweitklässler am Vormittag während 3 ½ bis 4 Stunden und wöchentlich nur noch an einem Nachmittag unterrichten, ist pädagogisch unverantwortbar. Ein Blick über den Grenzzaun zeigt, wo dieses Schulsystem hingeführt hat, in ein erschreckendes Schulniveau bis hin zu den Bachelorabschlüssen an den Hochschulen.
Der Bildungsartikel in der Bundesverfassung sieht lediglich organisatorische Angleichungen ( Schulpflicht, Schuldauer, Stufenübertritte, gegenseitige Zeugnisanerkennung) vor. Harmos ist Bildungsideologie, Bildungszentralismus, Bildungsbürokratie. Deshalb ja zur Initiative „Schaffhausen ohne Harmos“.
Prof. Hugo E. Götz, Hüttwilen