Unwürdige Geheimbünde

Beim Wahlkampf um den neuen Bundesrat stellt man eine eigenartige Entwicklung fest. Es wird nicht mehr offen gekämpft, sondern verdeckt, im Geheimen. So entstehen so genannte Clubs mit wechselnden und unklaren Beteiligungen, die im Hintergrund tagen, Beschlüsse fassen und dann wieder an die Öffentlichkeit gelangen. Selbstverständlich nimmt in solch engen Gremien ein autistisch undiszipliniertes Denken überhand. Man bemerkt gar nicht mehr, dass man die gleichen Fehler wie die Gegner macht, Begriffe wie Konkordanz, Kollegialität, Fairness etc. nach eigenen ideologischen Definitionen prägt. Man vergisst sogar, dass man noch vor kurzer Zeit selber mit den eigenen Vertretern nach dem gleichen Muster ausgehebelt wurde. Schlimm an dieser Entwicklung in unserem Parlament in Bern ist der mafiöse Charakter dieser Geheimbünde. Eine solche Politik hat unser Land nicht verdient. Wir kämpfen hart für unsere Ansichten, aber mit offenem Visier. Als Bürger unserer Eidgenossenschaft, oder wie man modern sagt «Club Helvétique», ist es daher unser Recht, ja unsere Pflicht dagegen anzukämpfen. Ich habe einmal in einem Buch gelesen: «Was siehst Du den Splitter im Auge Deines Nächsten und bemerkst nicht den Balken im eigenen». Anmerkung: Es war kein Fachbuch für Augenheilkunde.

Dr. G.P. Jenny, Augenarzt, Altstätten SG