Drogenabhängigkeit
und Kuscheltherapien
Ich kam im jugendlichen Leichtsinn in die Drogenszene. Ich wunderte mich
damals schon, wie man mit uns "Drögelern" umgeht. Wir wurden
verhätschelt, denn die Umwelt und nicht wir sind an unserem Elend schuld.
Ich fand das damals schon schräg und ans Aufhören dachte ich schon
gar nicht, warum auch. Als man in Zürich immer härter gegen die
Drogenszene vorging und es immer unbequemer wurde, änderte sich meine
Meinung. Eigentlich hatte ich schon lange genug von den Drogen, machte aus
Gewohnheit weiter. Mir hat es geholfen auszusteigen, dass es immer unbequemer
auf der Gasse wurde! Wenn ich dann höre, dass es Leute gibt, die ein
Häuschen im Grünen mit Garten für die Langzeitsüchtigen
zum "Altersheim" machen wollen, kommt mir die Galle hoch! Ich habe
erfahren, dass man mit Süchtigen kein Mitleid haben darf. Ausserdem gibt
es Bürger, die ihr Leben lang hart arbeiten und sich dennoch kein Häuschen
im Grünen leisten können. Übrigens musste ich mich damals nahezu
täglich dagegen wehren, dass ich ins Heroinprogramm gesteckt wurde. Dieses
wollte ich nicht, weil es weitere Abhängigkeit bedeutet hätte. Ich
kann aus eigener Erfahrung und mit gutem Gewissen sagen, dass man Süchtigen
gegenüber hart sein muss und ihnen das Leben so unbequem wie möglich
machen muss. Ich bin übrigens seit genau zehn Jahren drogenfrei und stolz
darauf, es selbst und ohne (Kuschel-)Therapie geschafft zu haben.
Kathrin Molinari, Esslingen
ZH