Soll der Bundesrat durch das Volk gewählt werden?
Die entsprechende Volksinitiative ist zwar ein Schritt in die richtige Richtung. Wer jedoch glaubt, diese Initiative alleine wäre eine Garantie dafür, dass in Zukunft auch tatsächlich nur noch fähige Leute im Bundesrat sitzen, macht sich meines Erachtens Illusionen. Heute ist es leider so, dass bei der Auswahl der Kandidaten Kriterien wie Partei-, Kantons- oder Geschlechtszugehörigkeit oberste Priorität gemessen. Demgegenüber wird die an sich entscheidende Frage, nämlich die, ob jemand das Anforderungsprofil für das ständig anspruchsvoller werdende Amt des Bundesrates überhaupt erfüllt, geflissentlich in den Hindergrund gedrängt. Solange wir dies nicht ändern, werden wir uns auch in Zukunft über Bundesräte ärgern müssen, welche mit ihren Aufgabenbereichen heillos überfordert sind. Ob diese Personen nun ursprünglich vom Volk oder vom Parlament in ihr Amt gewählt wurden, ist daher bedeutungslos. Zumindest mit einem Missstand kann die Initiative jedoch endgültig aufräumen. Die „Nacht der langen Messer", dieses widerliche und primitive Schmierentheater in der Nacht vor den Bundesratswahlen, wo sich die Mitglieder des Parlaments in einschlägigen Bars der Berner Altstadt treffen, um Intrigen auszuhecken und ungeniessbare Süppchen zusammenzubrauen (pardon: um die Wahlstrategie zu besprechen), würde endlich dort entsorgt, wo sie schon lange hingehört, nämlich auf die Müllhalde der Schweizer Politgeschichte. Dies allein ist schon Grund genug, um die oben erwähnte Initiative zu unterstützen.
Markus Brütsch, Unterageri, ZG