Brieftauben zur Krisenbewältigung

Durch eine Indiskretion bin ich in den Besitz des jüngsten Entwurfs des Armeeberichts gelangt. Nein, ich meine nicht jene bekannte Version, die von Sicherheitspolitikern aller Couleurs bereits arg zerzaust wurde, sondern eine ganz neue. Was mich darin am meisten erstaunt hat, ist folgender Satz: «Die Armeeführung gedenkt, den 1997 definitiv aufgelösten militärischen Brieftaubendienst wieder einzuführen».

Eine solch revolutionäre Kehrtwende in der schweizerischen Militärpolitik veranlasste mich zu Rückfragen beim VBS. Dort sagte man mir nach langem Zögern unter der Hand, die Wiedereinführung der Brieftauben erfolge auf ausdrücklichen Wunsch des Bundesrates.

Auf meine Zusatzfrage nach dem Grund, erklärte man mir, man habe im Bundesrat die offizielle damalige Definition der Armeeführung für Brieftauben gelesen. Es handle sich dabei nämlich um «selbstreproduzierende Kleinflugkörper auf biologischer Basis mit fest programmierbarer Rückkehr aus allen beliebigen Richtungen und Distanzen». Da habe man sich gedacht, mit den Brieftauben liessen sich die antagonistischen Forderungen nach vermehrter Friedenspolitik und von Tiger-Ersatz elegant unter einen Hut bringen. Zudem halte sich der Anschaffungspreis in den Limiten des gegenwärtigen Sparprogramms.

So konnte ich durch eine weitere Indiskretion erfahren, geschehe dies auch im Zuge der geplanten Regierungsreform. Auf meine Frage, ob die Tauben denn anstelle der zusätzlichen Staatssekretäre eingeführt werden sollten, antwortete man mir mit einem klaren Nein.

In Tat und Wahrheit sollen die Brieftauben die abgebrochene Kommunikation zwischen den einzelnen Mitgliedern des Bundesrates sicherstellen. Denn dazu seien sie angesichts ihrer «programmierbaren Rückkehr aus allen beliebigen Richtungen und Distanzen» besonders geeignet.

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