Asien oder Irland als Reiseziel?
Kürzlich hat mir ein Verwandter den folgenden Reisebericht aus Irland zugesandt: «Wir waren für zwei Wochen in Irland, im Nordwesten, County Donegal, Ortschaft Ballyshannon. Tolle, grosse Wohnung. Von 36 Einheiten waren gerade mal drei teilweise vermietet. Die Rezession ist massiv! Irland zählt 300'000 leerstehende Wohneinheiten bei sechs Millionen Einwohnern. Alle grossen Banken stehen am Rande des Ruins und erhalten Staatssupport. Die Arbeitslosenrate beträgt dreizehn Prozent. Es fällt auf, dass es viele überdimensionierte Strassen hat, welche alle «part-financed by the European Union» sind (Teilbezahlt von der EU). Hat mich ein wenig an Portugal erinnert. Jedes Museum, jede Bibliothek, alles «part financed by the EU». An völlig ungelenken Orten hatte es Kinderspielplätze, Parkanlagen oder Sitzbänke, und man fragt sich, wie die da hingekommen sind. Doch die Tafel fehlt nirgends: «part financed by the EU»
Hätte die Swisscom im Jahr 2005 die irische Telekom-Gesellschaft Eircom übernommen, so wäre heute wohl an jedem irischen Telephon eine Tafel mit folgender Inschrift angebracht: «part financed by Switzerland». Welcher Bundesrat war es, der im Jahr 2005 im letzten Moment die Übernahme der Eircom durch die staatseigene Swisscom abgewendet hat?
Die amtierenden, fast alle vom Reisefieber befallenen Bundesräte und Bundesparlamentarier wären gut beraten, einmal nach Irland zu reisen. Dieses Reiseziel würde unserem Land mehr nützen als die vielen Interkontinental-Abstecher nach Asien, (Indonesien, Shanghai), Afrika oder Südamerika.
Jean-Pierre Gallati, Wohlen/AG