Als ich den Artikel von Professor Starbatty («Schwei
zerzeit» Nr. 12) las, kam mir wieder ein Witz in den Sinn: Ein Amerikaner besichtigt einen Industriebetrieb in der damaligen Sowjetunion. Davor stehen drei Autos. Der begleitende Russe sagt stolz: «Dieser Betrieb gehört dem Volk.» «Und wem gehören diese drei Autos?» fragt der Amerikaner. «Der Direktion.» Später ist der Russe auf einem Gegenbesuch in den USA. «Wem gehört dieser Betrieb?» fragt er. «Dem Kapitalisten xy.» «Und wem gehören die vielen Autos?» «Den Arbeitern», antwortet der Amerikaner.

«Das Volk» ist in diesem Falle ein Abstraktum, weil der einzelne Volksangehörige keine Beziehung zu den vielen «volkseigenen» Betrieben haben kann. Auch die Währungsunion ist in diesem Sinn etwas Wirklichkeitsfremdes, Abstraktes, weil sie sich als Solidargemeinschaft betrachtet, in der jedes Mitglied mitverantwortlich ist für das wirtschaftliche Geschehen in den andern Ländern.

Konkret wird es, wenn die Währungsunion zur Haftungsunion wird, wie das Starbatty am Beispiel eines Landes beschreibt, das seine internationale Wettbewerbsfähigkeit verliert: Es kann nicht abwerten – mit schwerwiegenden Folgen. Alle gutgemeinten Ratschläge «von oben» werden abstrakt, wenn man die Voraussetzungen in den betreffenden Ländern betrachtet. Notwendig wären unternehmerisches Denken und entsprechende Initiativen. Aber solches kann nur von einzelnen Menschen verwirklicht werden.

Andreas Dollfus, Zürich

28.06.2018 | 858 Aufrufe