Warum gläubige Muslime nicht gegen den IS-Terror demonstrieren

Saïda Keller-Messahli, Präsidentin des Forums für einen fortschrittlichen Islam, prangert regelmässig den «Missbrauch» des Islam an – aus aktuellem Anlass insbesondere in Bezug auf den Islamischen Staat (IS). Keller-Messahli‘s dominante Stimme in den Schweizer Medien vermittelt allerdings den falschen Eindruck, der Islam könne auch friedliebend und tolerant ausgelegt werden.

Der aktuelle Freitags-Kommentar der «Schweizerzeit» vom 29. August 2014
von Olivier Kessler, stv. Chefredaktor «Schweizerzeit»

Sie ist das Gesicht des «moderaten» und «fortschrittlichen» Islam in der Schweiz. Schon seit Jahren verkündet Saïda Keller-Messahli einen Reform-Islam, der mit der Schweizer Bundesverfassung und den allgemeinen Menschenrechten konform sein soll. Sie tritt beispielsweise für ein Kopftuchverbot an Schulen ein und bezeichnet die Exponenten des Islamischen Zentralrats (IZRS) als «Extremisten».

In der «SonntagsZeitung» vom 24. August blieb sie ihrer Linie treu: Im Namen der «gemässigten Muslime» verurteilte sie die «Schande im Namen der Religion». Sie meinte damit das barbarische Niedermetzeln von Andersgläubigen durch Muslime im Irak und in Syrien. «Es drängt sich die Frage auf», schreibt sie, «wie es dazu kommen konnte, dass der Islam sich von solchen Menschen missbrauchen lässt.»

Missbrauch des Islam?

Die Gretchenfrage lautet: Wird der Islam tatsächlich von Verrückten «missbraucht», wie Keller-Messahli uns dies glaubhaft machen will? Um diese Frage zu beantworten, müssen vorerst die wesentlichen Manifestationen des weltanschaulichen islamischen Systems beleuchtet werden:

  1. Das unmittelbar vom Engel Gabriel dem Propheten Mohammed übermittelte Wort Allahs ist im Koran niedergeschrieben. Nach seiner Verkündung beansprucht der Koran absolute, zeitlich und räumlich uneingeschränkte Gültigkeit.
  2. Die vorbildhaften Verhaltensweisen des Propheten Mohammed, wie sie in gesammelten Aussagen, Taten, Anweisungen etc. überliefert wurden, sind in der Sunna (Hadithsammlung) festgehalten.
  3. Das aus Koran und Sunna abgeleitete islamische Recht nennt man Scharia. Es wird konkretisiert durch vier sunnitischen und einigen schiitischen Rechtsschulen.
  4. Dazu kommen die dominanten Auslegungsdogmen der Religionsgelehrten.

Interpretation verboten

Die von Allah zu Mohammed gesandten Suren dürfen nicht interpretiert werden. Dies gilt im Islam als Gotteslästerung. Im Koran selbst wird die eigenmächtige Textauslegung gemäss Sure 6, 115, Sure 10, 15 und Sure 33, 60-62 kategorisch ausgeschlossen. Jede Neuerung und Abänderung, die nicht im Einklang mit dem Koran und der Sunna steht gilt deshalb als ketzerisch und verwerflich. Interpretiert werden dürfen lediglich die rechtlichen Aussagen des Korans in einer relativ eng definierten Bandbreite: beispielsweise, ob man einem Dieb nun die linke oder rechte Hand abhacken müsse.

Vom Islam als objektives System zu unterscheiden sind die subjektiven Einstellungen und Verhaltensweisen der einzelnen Muslime. Diese können sich buchstabengetreu an die objektiven Vorgaben von Allah halten – dann nennt man sie orthodox. Sie können diese Vorgaben auch nur teilweise befolgen oder ignorieren, ohne dies nach aussen zu zeigen. Sie können aber auch, wie Keller-Messahli das tut, einen subjektivistisch interpretierten und selbst erfundenen Islam kreieren, der die «anstössigen» und «gewalttätigen» Aussagen einfach ausblendet. Man tut dann so, als wäre dieser «Self-Made-Islam» der «eigentliche» Islam.

Falsche Toleranz gegenüber der Intoleranz

Auch wenn dies vermeintlich gut gemeint ist, tragen diese Verfechter eines «fortschrittlichen» Islam damit zu einem verfälschten Bild des wahren Islam und zu einer falschen westlichen Toleranz gegenüber einer intoleranten Weltanschauung bei. Diese im Namen des Islam auftretenden «moderaten» Kräfte haben wenig mit dem vorgegebenen objektiven islamischen Weltanschauungssystem gemein.

Der aus dem nicht hinterfragbaren Wort Allahs hervorgehende objektive Islam – auf den sich auch die IS-Kämpfer berufen – fordert unumwunden den globalen Herrschaftsanspruch des Islam, die systematische Unterdrückung Ungläubiger und Frauen, die massive Bestrafung von Glaubensabfälligen, die Verfolgung und Unterdrückung Homosexueller und die Durchsetzung des islamischen Herrschaftsanspruchs mittels Missionierung- und Gewaltanwendung (Djihad). Zuwiderhandlung gegen Allah und den Islam muss gemäss Sure 5, Vers 33 mit dem Tod oder Kreuzigung bestraft werden.

Für eine detaillierte Analyse des Korans, der Sunna und der Scharia sei Interessierten an dieser Stelle das Buch von Hartmut Krauss mit dem Titel «Der Islam als grund- und menschenrechtswidrige Weltanschauung» empfohlen (http://www.schweizerzeit.ch/shop/index.php?action=info&id=2192&).

Aus dem Kontext gerissen?

Die IS-Kämpfer tun also genau das, was der objektive Islam fordert. Von einem «Missbrauch» der Religion, wie dies Keller-Messahli anprangert, kann keine Rede sein. Vielmehr sind die IS-Muslime die konsequenten Vollstrecker von Allahs Willen, wie er im Koran niedergeschrieben ist.

Der Verweis auf Gewalt legitimierende Suren im Koran wird oft von Muslimen heruntergespielt. Sie behaupten, die Koran-Zitate seien aus dem konkret-historischen Kontext gerissen worden und dürften somit nicht wortwörtlich genommen werden. Dabei wird aber in völliger Verfälschung der Tatsachen unterstellt, dass der orthodoxe Islam ein Verfechter der historisch-kritischen Methode der Koraninterpretation sei. Die Koransuren sind überall und für alle Ewigkeit geltendes Gotteswort. Kritisches Hinterfragen und situativ relativierendes Interpretieren gilt im orthodoxen Islam als Blasphemie. In einem Hadithen hat der Prophet gesagt: «Den Koran zu lesen und nicht über ihn zu disputieren, ist Wissen.»

Die angeblich endlos dehnbare Interpretation des Korans und der Sunna, wie sie von «moderaten Muslimen» wie Keller-Messhali behauptet wird, dient also nichts weiterem als der Ablenkung und Verwirrung der nicht-muslimischen Öffentlichkeit – auch wenn die Intention von Keller-Messahli und ihren Mitstreitern ehrbar ist. Die Menschen in Europa werden im falschen Glauben gelassen, der Islam sei grundsätzlich eine friedensstiftende und tolerante Weltanschauung und die aktuellen djihadistischen und menschenverachtenden Vorkommnisse weltweit würden nur von ein paar Durchgeknallten verübt, die nichts mehr mit dem echten Islam zu tun hätten.

Warum demonstrieren Muslime nicht gegen IS?

In ihrem Beitrag in der Sonntagszeitung schreibt Keller-Messahli weiter: «Von den Muslimen in Europa wird erwartet, dass sie gegen diesen (IS-)Terror demonstrieren, doch grosse Demonstrationen blieben bisher aus. Könnte es daran liegen, dass die grosse Mehrheit der Muslime in Europa genauso apolitisch ist wie alle Nichtmuslime?»

Mit dieser Aussage disqualifiziert sich Keller-Messahli. Noch frisch sind die Erinnerungen an die Hunderttausenden Muslime, die in Europa auf die Strasse gingen, um unter anderem mit «Sieg Heil»-Rufen und Hakenkreuz-Plakaten gegen Israel zu demonstrieren. Apolitisches Desinteresse sieht anders aus.

Daneben wurden etliche Meinungsumfragen unter Muslimen in Europa durchgeführt, die das genaue Gegenteil von Keller-Messahli‘s Vermutung belegen. Mehr als jeder dritte britische Muslim zwischen 16 und 24 Jahren ist gemäss einer repräsentativen Umfrage der Meinung, dass Muslime, die sich einem anderen Glauben zuwenden, getötet werden müssen. 37 Prozent halten nichts von den bestehenden Gesetzen und möchten lieber die Scharia einführen. Gemäss der Studie «Integration in Österreich» ist die Befolgung der Gebote der Religion für 72 Prozent der türkischen Muslime in Österreich wichtiger als Demokratie. 90 Prozent sind gemäss derselben Studie sogar der Meinung, der Staat müsse die Medien kontrollieren, um Moral und Ordnung sicherzustellen.

Die Studie «Muslime in Deutschland» vom Bundesministerium des Innern stellte fest, dass nur etwa ein Fünftel der muslimischen Zuwanderer gering religiös sind und die überwältigende Mehrheit  strengreligiös, orthodox und fundamentalistisch und deshalb pro-islamistisch eingestellt sei. Die islamische und rechtsextremistische Organisation «Graue Wölfe» hat in Deutschland etwa ähnlich viele Mitglieder wie die NPD und unterwandert fortlaufend einheimische politische Parteien. Von apolitischen Muslimen kann also keine Rede sein.

Darf der Islam Religionsfreiheit für sich beanspruchen?

Es stellt sich die Frage, ob Keller-Messahli eine Wölfin im Schafspelz oder zumindest für orthodoxe und fundamentalistische Muslime eine «nützliche Idiotin» ist, da sie mit ihrer Mär des angeblich modern zu interpretierenden Islams und der angeblich apolitischen Muslimen in Europa für die nötige Toleranz sorgt, die der Islam braucht, um den Westen unbehelligt weiterhin in diesem Eilzugstempo zu unterwandern, um zunehmend Parallelgesellschaften und eine Paralleljustiz zu etablieren und um weiterhin erfolgreich an der von Allah auferlegten Pflicht zur muslimischen Eroberung der ganzen Welt zu arbeiten.

Der objektive Islam ist eine politisch-totalitäre Ideologie und keineswegs als Privatreligion zu betrachten, wie das die meisten Analysten tun. Es stellt sich die wichtige Frage, ob ein System, das zur Unterdrückung und Abschlachtung Andersdenkender verpflichtet, weiterhin noch den Schutz der Religionsfreiheit für sich in Anspruch nehmen darf?

Olivier Kessler

 

Symbolbild shutterstock

 

 

29.08.2014, 16:34 von admin | 6683 Aufrufe