Tief sitzendes Problem

Umstrittene Schul-Lehrmittel, die Sachverhalte verkürzt und einseitig darstellen, werden erneut zum Politikum. Während das Bildungs-Establishment abwiegelt und die Kritiker schroff zurückweist, werden nun endlich wirksame Konsequenzen gefordert. Der Weg hin zu politisch neutraler Staatsbildung dürfte aber lange und steinig werden – die linken Ideologen sitzen fest im Sattel. Wie lange noch?

Freitags-Kommentar vom 21. September 2018,
von Anian Liebrand, Redaktion «Schweizerzeit»

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Seit die SVP des Kantons Zürich kürzlich in einer viel beachteten Medienkonferenz forderte, «linke Indoktrination an der Volksschule sofort zu stoppen», ist die Frage, ob und wie Schüler von Lehrern und Lehrmitteln politisch beeinflusst werden, wieder in den Fokus getreten. Die SVP steht aber nicht alleine da. Gemeinsam mit CVP und FDP reichte sie im Zürcher Kantonsrat Vorstösse ein, die unter anderem verlangen, dass Lehrmittel inhaltlich eine politisch und konfessionell neutrale Gewichtung aufweisen. Zudem seien sämtliche Lehrmittel mit geschichtlichem oder politischem Inhalt speziell auf ihre politisch neutrale Ausrichtung zu überprüfen.

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«Gesellschaften im Wandel»

Was eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein sollte, ist in einer von 68ern und ihren Zöglingen über Jahrzehnte hinweg vollkommen aus den Angeln gehobenen Bildungslandschaft leider bloss noch eine Wunschvorstellung. Die SVP stört sich besonders am Lehrmittel «Gesellschaften im Wandel», das im Fach Geschichte auf der Sekundarstufe I in verschiedenen Kantonen eingesetzt wird. Darin finden sich Loblieder auf die EU-Führung und globalisierungskritische Bewegungen. Indirekt wird zum Klassenkampf aufgerufen, indem freie Märkte einseitig «zum alleinigen Nutzen der Reichen hochstilisiert» werde, kritisiert die SVP.

Dagegen wird in diesem Lehrmittel die umstrittene Gewerkschaft UNIA als «Kämpferin für das arbeitende Volk» dargestellt. Es enthält gar die zumindest stark umstrittene, wenn nicht falsche Behauptung, dass Frauen 20 Prozent weniger verdienen würden als Männer. Nebst dem Mantra der diskriminierten Frau wird erneut das Zerrbild einer angeblich rassistischen Schweiz gezeichnet. So heisst es im Themenbuch 2 auf Seite 141: «Vor Wahlen und Abstimmungen wird mit rassistischen Plakaten Stimmung gegen Ausländerinnen und Ausländer gemacht.» Eine ungeheuerliche, tendenziöse und manipulative Irreführung von jungen Menschen, die ganz klar gegen die SVP als wählerstärkste Partei gerichtet ist. Der Name des Lehrmittels, «Gesellschaften im Wandel», bedeutet offenbar vor allem eines: Es ist das Verständnis von Anstand und Wahrhaftigkeit, das sich bei Bildungsfunktionären brutal gewandelt hat.

J-Stempel-Legende

«Gesellschaften im Wandel» ist aber nicht der einzige Tiefschlag, mit dem Kinder und Jugendliche manipuliert werden. Das neue, an Primarschulen zum Einsatz kommende Lehrmittel «Verfolgt und vertrieben» verbreitet die längst widerlegte Falschaussage, wonach die Nazis den Judenstempel auf Druck der Schweiz hin eingeführt hätten. Dabei handelt es sich um einen Mythos, den Peter Rippenmann 1954 in der Zeitschrift «Beobachter» in die Welt setzte. Rippmann musste seine Aussagen 1998 sogar ausdrücklich widerrufen. Es wurde längst zutage gefördert, dass die Faktenlage komplett anders aussieht, sodass sich der «Beobachter» in der Pflicht sah, Rippenmanns Aussagen als wahrheitswidrig zu bezeichnen und sich in aller Form zu entschuldigen.

Erst nachdem die «Schweizerzeit» im April 2018 aufgedeckt hatte, dass hiermit die «J-Stempel-Legende» in neuen Schläuchen in die Klassenzimmer getragen wird und sich Verlagsleiter Dr. Ulrich Schlüer mit einem Brief an alle Bildungsdirektoren der Deutschschweiz wandte, wurde das Lehrmittel korrigiert. Die Antwort auf die Frage, weshalb die einem Lehrmittel zugrunde liegenden Quellen nicht genauer geprüft wurden, bleiben die Verantwortlichen bis heute schuldig. Steckte etwa sogar Absicht dahinter? Auch 16 Jahre nach Herausgabe des Bergier-Berichts scheinen die Lehrmittel-Produzenten besessen davon zu sein, die Rolle der Schweiz im Weltkrieg systematisch schwarz zu malen.

Unreflektierte Propaganda

Nicht zu vergessen ist das Geschichts- und Geografie-Lehrmittel «Durchblick» (Sekundarstufe I), das durch allerlei unreflektierte Lobhudelei auf internationalistische Gremien wie die UNO auffällt. Die Selbstbestimmung der Schweiz und demokratisch gefällte Volksentscheide wie die Minarettverbots-Initiative werden suggestiv in Frage gestellt. Oder das sich dem Multikulti-Wahnsinn hingebende «Schweizer Zahlenbuch 4», konzipiert für Primarschüler. Die Rechenbeispiele sind konsequent mit ausländischen Namen gespickt – man kriegt das Gefühl vermittelt, dass Schweizer Kinder bloss noch eine Minderheit seien.

Problem: «Linke Lehrer»

Politische Beeinflussung an Primar-, Mittel- und Hochschulen ist seit Jahren eine nicht zu leugnende Realität. Nicht nur die zum Einsatz kommenden Lehrmittel sind das Problem, sondern leider auch viele Lehrer (wobei selbstverständlich festzuhalten ist, dass ein Grossteil der Lehrkräfte eine tadellose Arbeit macht). Aus meiner Zeit als Präsident der Jungen SVP weiss ich von unzähligen, immer wiederkehrenden Beschwerden, die aus der Schülerschaft an mich herangetreten wurden. Diese waren ein Hauptgrund, weshalb die Junge SVP Schweiz im September 2014 die vielbeachtete Aktion «Freie Schulen» lanciert hatte. Die Jungpartei sagte damit der «einseitigen politischen Beeinflussung an Schweizer Schulen» den Kampf an und bot Schülerinnen und Schülern «Hilfestellungen, sich gegen politisch gefärbte Indoktrination zu wehren.»

Meldestelle gegen Indoktrination

Die JSVP richtete eine Meldestelle ein, auf der Schüler in anonymisierter Form selbst erlebte Missstände mitteilen konnten – wobei jede eingegangene Meldung verifiziert wurde. Es folgten hunderte von Erfahrungsberichten, die ein teilweise erschreckendes Bild der Schweizer Volksschule lieferten. Die Meldungen reichten von alt bekanntem, hölzernem SVP-Bashing über unverhohlene Werbung für sozialistische Ideale bis zu Verharmlosungen kommunistischer Gräueltaten.

Um ein Stimmungsbild zu erhalten, sei hier eine kleine Auswahl verifizierter Meldungen aufgeführt, welche die JSVP damals veröffentlichte (mit jeder meldestellenden Person wurde vorgängig persönlich gesprochen):

«Unser Lehrer sprach bei uns in der Kantonsschule bei der gemeinsamen Klassenlektüre (George Orwells ‹Farm der Tiere›) an, dass in der heutigen Schweiz die bösen Rechtspopulisten wie Blocher gegen Minderheiten sind. Er stellte die SVP mit den Nazis gleich.»

«In der Berufsschule bekamen wir im Allgemein bildenden Unterricht (ABU) den Auftrag, über verschiedene Parteien eine Arbeit zu schreiben. Der Lehrer stellte die verschiedenen Parteien vor. Als die Reihe bei der SVP war, beschrieb er sie als ‹ausländerfeindliche› Partei. Mich störte das sehr, denn ich wollte das Portrait über die SVP machen und sagte das dem Lehrer auch.»

Abstimmungspropaganda…

«Als ich die Mittelschule besuchte, fand im Juni die Abstimmung über die Fusion von Luzern mit Littau statt. In unserer Schule wurden sog. Infowände aufgestellt, ausschliesslich mit befürwortenden Argumenten, voll die Propaganda für eine Fusion, und das an einer öffentlichen Schule. Es ist aus meiner Sicht nicht die Aufgabe einer Schule, einseitiger Abstimmungspropaganda ein Forum zu bieten.»

«Der Geschichtslehrer an unserer Schule hatte schon immer eine negative Tendenz gegenüber der SVP und drückte dies offen aus. Letztens jedoch behandelten wir den Zweiten Weltkrieg und suggestiv vermittelte er, dass der Wahlkampf der SVP dem der NSDAP von damals stark ähneln würde, witzeln tut er ebenfalls über eine Ähnlichkeit von Blocher zu Hitler, was mich stark entrüstet.»

… und Sozialisten-Werbung

«Als ich in der Sekundarschule war, verteilte unser Lehrer bei der Abstimmung über die Ausschaffungsinitiative nur einen Flyer der Linken. Die Ja-Argumente der SVP wurden einfach ausgelassen, das Ganze mit den vielen Problemen mit kriminellen Ausländern wurde einfach auf der Seite gelassen. Meine Eltern haben sich danach beschwert beim Lehrer, er musste sich entschuldigen.»

«Unser Klassenlehrer trug im Lager ein Che-Guevara-T-Shirt und erklärte uns, dass der Sozialismus 90 % der Menschen glücklich mache. Die Minarett-Initiative war für ihn ‹der grösste Seich›. Als eine Schülerin einen Vortrag über Abtreibung hielt, unterbrach er sie und kanzelte sie vor der ganzen Klasse und später noch einzeln ab.»

Verbindliche Forderungen nötig

Angesichts des virulenten Problems ist es wichtig und richtig, dass nun auf parlamentarischem Weg verbindliche Forderungen gegen politische Beeinflussung an Schulen überwiesen werden. Leider haben die anderen bürgerlichen Parteien, die sich auf einmal auch an linker Manipulation stören, viel zu lange geschlafen. Als an Schulen «bloss» gegen die «braune SVP» gehetzt und die Rolle der Schweiz im Zweiten Weltkrieg «verdreckelt» wurde, war von CVP und FDP kein Sterbenswörtchen zu hören. Erst seitdem linke Beeinflussung immer dreister zu Tage tritt und sich sogar gegen das Selbstverständnis der sogenannten Mitte richtet, dämmert es ein wenig.

Dabei ist der Umstand, dass linke Ideologen ihre Netzwerke über Jahre aufbauen und so in die entscheidenden Schaltstellen des Bildungswesens gelangen konnten, massgeblich auf die Passivität der lange dominierenden Kartellparteien CVP und FDP zurückzuführen. Ihre Freipass-Politik der vorauseilenden Kompromissbereitschaft ermöglichte erst den Aufstieg und später die erfolgreiche Übernahme der Staatsverwaltungen durch die Linken. Trotzdem: Gut, dass die SVP jetzt nicht mehr alleine da steht!

Immerhin ein positiver Nebeneffekt ist dem Missionierungsdrang so vieler linker Lehrer zuzumessen. Ihre Manipulations-Versuche waren bei zahllosen jungen Menschen mit ein entscheidender Antrieb, sich politisch für die «Gegenseite» zu engagieren. Linke Umerziehung bewirkt nicht selten das Gegenteil: Sie weckt bei kritischen Geistern den Widerstandswillen, der den bürgerlichen Parteien schon so manches Juwel beschert hat.

Anian Liebrand

Bild: Wikipedia

 

Aktuelle Sendung «Schweizerzeit Magazin» vom 31. August 2018 zum Thema «Sterben die Schweizer aus?»:

21.09.2018 | 2265 Aufrufe