Eine Antwort an Panikmacher

Die Medien haben bereits seit einem halben Jahr bewiesen, dass sie keinen realen Anlass brauchen, um den Klimanotstand auszurufen. Hier hilft nur Wissen – die Schweizerzeit sagt Ihnen, was Sie wissen müssen.

Kommentar vom 5. April 2019

von Hermann Lei, Kantonsrat, Frauenfeld

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Ohne CO2 gäbe es kein höheres Leben auf der Erde. Es nährt nicht nur die Pflanzen, die am Anfang aller Nahrungsketten stehen, weshalb die höheren CO2-Werte in den letzten Jahrzehnten nachweisbar zum Ergrünen der Welt und zum Anwachsen der Ernten führten.

 

Kommt der Anstieg der Temperaturen vom CO2-Ausstoss? 

Der Treibhauseffekt sodann wurde schon 1824 vom französischen Physiker Joseph Fourier entdeckt. In der Wissenschaft bestreitet ihn niemand. Deshalb anerkennen fast alle, dass das Ansteigen des CO2-Anteils in der Atmosphäre zu einer Erwärmung führt.

Die entscheidende Frage ist aber: Wie stark wirkt das von Menschen erzeugte CO2 – jährlich 36 Gigatonnen neben 550 (!) Gigatonnen aus der Natur? In der Erdatmosphäre machte das CO2 in der vorindustriellen Zeit rund 280ppm (parts per million) aus, also etwa ein Viertelpromille. Seit der Industriellen Revolution, die dem Verbrennen von Kohle und später Gas und Öl zu verdanken ist, stieg dieser Wert auf über 400ppm, das heisst um 45 Prozent.

Mit diesem Anstieg liesse sich die beobachtete Erwärmung indessen nicht erklären, sondern nur im Zusammenwirken mit anderen, teils weit stärkeren Treibhausgasen wie Methan und aufgrund von Rückkoppelung mit dem Wasserhaushalt der Erde. Vor allem die Wirkung der Wolken verstehen die Klimaforscher aber noch überhaupt nicht.

Ein höherer Anteil an CO2 führt also zu einer Erwärmung; wie stark das vom Menschen erzeugte CO2 aber dafür verantwortlich ist, weiss niemand.

 

Sind sich die Wissenschafter völlig einig beim Erklären des Klimawandels?

In der Debatte heisst es immer wieder, 97 Prozent der Wissenschafter glaubten, dass der Klimawandel grösstenteils menschengemacht sei. Die Zahl stammt aus einer Studie von 2013, die Aktivisten der Website Sceptical Science um den Kognitionswissenschafter John Cook und den Astrophysiker Dana Nuccitelli verfassten. 

Diese wollten beweisen, dass es in der Klimaforschung einen immer stärkeren Konsens gebe. Deshalb sichteten sie 12‘000 Studien – allerdings nur aufgrund der Abstracts! – und kamen darauf, dass 97 Prozent davon anerkannten, dass CO2 ein Treibhausgas und deshalb der Klimawandel mindestens zum Teil menschengemacht sei.

Die Studie wurde wegen ihrer zweifelhaften Methodik sofort zerzaust. Seriöse Befragungen kamen auf ganz andere Zahlen: So meinten in einer Umfrage der American Meteorological Society nur 52 Prozent, der Klimawandel sei mehrheitlich menschengemacht.

So oder so gilt: Spätestens seit Galileo Galileis «Und sie bewegt sich doch» wissen wir, dass es ein Denkfehler ist, wissenschaftliche Thesen mit Mehrheitsverhältnissen zu begründen.

 

Ist das Klima so warm wie noch nie in der Geschichte?

In der Vorgeschichte herrschten krasse Klimaschwankungen. So lag im letzten glazialen Maximum vor 21‘000 Jahren die Temperatur 5 bis 6 Grad niedriger und der Meeresspiegel um bis zu 130 Meter tiefer.

Das Wasser stieg danach innert fünf Jahrtausenden auf das heutige Niveau an – also mit rund 2,5 Metern pro Jahrhundert zehnmal so schnell wie gegenwärtig. Diese Schwankungen lassen sich damit erklären, auf welcher Bahn und mit welcher Neigung die Erde um die Sonne kreist.

Aber es gab auch in den letzten zwei Jahrtausenden, bei vergleichbaren astronomischen Verhältnissen mehrmals Zeiten mit mindestens so hohen Temperaturen: Im römischen Optimum (!) zog Hannibal mit Elefanten über die Alpen. Und im Hochmittelalter fanden die Wikinger Grönland und nannten es «Grünes Land». Diese Warmzeiten ohne höheres CO2 widersprechen der Theorie. Deshalb wollen die Klimaforscher die störenden Fakten wegerklären.

 

Führt die Klimaerwärmung zu mehr Naturkatastrophen?

Die Schweiz hat sich seit dem 19. Jahrhundert offiziell schon um 1,7 Grad erwärmt; eine Zunahme an Katastrophen, zu der die Klimaerwärmung angeblich führt, lässt sich aber nicht feststellen. Die Forscher von MeteoSchweiz erkennen in ihren Daten keinerlei Tendenz, weder bei Unwettern noch bei Dürren. Der Bericht des Bundesrates zur «Anpassung an den Klimawandel in der Schweiz» sieht denn auch «aktuell kein Problem von erheblichem Ausmass».

Das ETH-Institut WSL führt eine Datenbank zu den Katastrophenschäden. 2018 stellten die Forscher fest: «Die Ergebnisse zeigen keinen statistisch signifikanten Anstieg der nominellen Schadensummen pro Jahr. Potenzielle Auswirkungen des Klimawandels auf die Schadensummen liessen sich deshalb nicht erkennen.» Die grosse Mehrheit der neueren Studien deutet darauf hin, dass der Anstieg des CO2-Anteils nicht zu katastrophalen Folgen führt.

 

Verschwinden die Gletscher unwiederbringlich?

Nach dem Ende der bisher letzten Eiszeit vor 12‘000 Jahren stieg die Temperatur stark an; im Optimum (!) des Mittelholozäns vor 8000 bis 4000 Jahren lag sie um bis zu 4 Grad über den heutigen Werten. Die Gletscher zogen sich deshalb schnell zurück.

Davon zeugen archäologische Funde, vor allem der berühmteste der letzten Jahrzehnte: 1991 fanden Wanderer auf dem Tisenjoch im Südtirol im Gletschereis eine Mumie – die Welt kennt sie jetzt als Ötzi. Der Mann wollte vor rund 5250 Jahren über den Pass steigen, wurde aber ermordet. Seine Leiche verschwand danach, weil sich das Klima abkühlte, für Jahrtausende im Eis.

Die Gletscher gingen auch in der Römerzeit und im Hochmittelalter stark zurück, was es Hannibal erlaubte, mit Elefanten über die Alpen zu ziehen. Sie stiessen aber auch immer wieder weit vor, besonders vom 16. bis ins 18. Jahrhundert. Die Fiescher beteten deshalb – mit dem Segen des Papstes – seit 1678 gegen das bedrohliche Vorrücken des Aletschgletschers, ab 1862 gar mit Prozessionen. Zum Ende der kleinen Eiszeit in der Mitte des 19. Jahrhunderts erreichten die Gletscher in den Schweizer Alpen wohl die weiteste Ausdehnung seit Tausenden von Jahren. Dass sie seither zurückgehen, mag viele schmerzen, lässt sich aber mit den natürlichen Schwankungen leicht erklären.

 

Fazit

Es gibt keinen Klimanotstand. Die Alarmisten in der Schweiz wären um Antworten verlegen, welche negativen Auswirkungen des Klimawandels sie gegenwärtig verspüren oder in den kommenden Jahrzehnten erwarten. Die Panik bricht nur aus, weil unseriöse Klimaforscher jedes Wetterphänomen, bis hin zur Rekordkälte, als Folge des Klimawandels erklären. 

Selbst wer den Publikationen des IPCC glaubt, muss sich nicht vor der Apokalypse fürchten: Katastrophale Folgen drohen gemäss den differenzierten Berichten – im Gegensatz zur agitatorischen Propaganda für das Publikum – erst gegen Ende dieses Jahrhunderts, und dies nur im wenig wahrscheinlichen Fall. Es bliebe also genug Zeit für vernünftige Lösungen dank unserer Erfindungskraft.

 

Hermann Lei

 

(Der Text beruht auf einem Argumentarium des Journalisten Dr. Markus Schär, Weinfelden. Das ganze Argumentarium mit Grafiken und Literaturangaben lässt sich unter markusschaer@bluewin.ch beziehen)

05.04.2019 | 1582 Aufrufe