Christenverfolgung heute

Laut dem jüngst veröffentlichten «Weltverfolgungsindex 2018» der Organisation Open Doors sind weltweit 200 Millionen Christen von Verfolgung bedroht. Der Hass auf Christen ist besonders auch in jenen Ländern verbreitet, die üppige Entwicklungshilfe-Gelder von der Schweiz und anderen christlich-abendländischen Staaten geniessen.

Freitags-Kommentar vom 12. Januar 2018,
von Anian Liebrand, Redaktion «Schweizerzeit»

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Open Doors ist in rund 60 Ländern mit stark eingeschränkter Glaubensfreiheit tätig und unterstützt verfolgte Christen über die Konfessionsgrenzen hinaus. In jährlich erscheinenden Indizes, die auf breit abgestützten Methoden basieren, schätzt sie die Lage in diesen Ländern ein – ohne dabei den Anspruch auf Vollständigkeit zu erheben. Der «Weltverfolgungsindex 2018» bezieht sich auf den Zeitraum vom 1. November 2016 bis zum 31. Oktober 2017 und zeichnet für Millionen von Christen erneut ein trauriges Bild.

3‘000 getötete Christen

Nach neusten Einschätzungen sind heute mehr als 200 Millionen Menschen mitunter gröbster Verfolgung und Unterdrückung ausgesetzt, weil sie sich zum Christentum bekennen. Am schlimmsten ist die Unterdrückung im kommunistisch-atheistischen Nordkorea, gefolgt von einer Reihe muslimischer Staaten: Afghanistan, Somalia, Sudan und Pakistan. Auf Platz fünf folgt Eritrea, das rund zur Hälfte aus Muslimen besteht und wo das Regime vor allem kleine christliche Minderheiten brutal unterdrückt.

Zwei zentrale Indikatoren der Gewalt gegen Christen sind dabei die Zahl getöteter Christen und die Angriffe auf Kirchen. Die Zahl der wegen ihres Glaubens ermordeten Christen ist in der erwähnten Zeitperiode fast doppelt so hoch ausgefallen wie noch in der Vorperiode. Sie hat von 1‘200 auf über 3‘000 Todesfälle zugenommen – am höchsten sind die Zahlen in Afrika. Attackierte Kirchen wurden 793 gezählt. Die Verwüstungen reichen von Vandalismus bis hin zur völligen Zerstörung der Gebäude.

Lesen Sie auch – passend zum Thema: «Christenverfolgung heute: Die bewegende Geschichte eines Zeitzeugen», erschienen in der «Schweizerzeit», Nr. 24 vom 22. Dezember 2017 (hier klicken).

 

Christenverfolgung-schlimmste-10-Staaten

Quelle: Open Doors

Unabhängig davon, ob im untersuchten Land Krieg herrscht oder nicht, wurden wiederum etliche gegen Christen gerichtete Gewalttaten registriert. Im Berichtszeitraum wurden 1‘252 Entführungen, 1‘020 Fälle von sexuellem Missbrauch und 1‘240 Zwangsheiraten aus religiösen Gründen verzeichnet. Die Opfer: Hauptsächlich christliche Frauen und Mädchen.

Die Lage hat sich so stark zugespitzt, dass – hauptsächlich in muslimischen Ländern – von versuchten Säuberungswellen gesprochen werden muss, die besonders krass von der islamistischen Terror-Miliz Boko Haram in Nigeria forciert wird. Aber auch in hinduistisch und buddhistisch geprägten Ländern nimmt die Unterdrückung von Christen zu. Dort würden Formeln wie «ein Inder ist Hindu» oder «wer zu Sri Lanka gehört, ist Buddhist» allgemein stärker übernommen.

Entwicklungshilfe überdenken

Und wie reagieren wir in der Schweiz auf die global anhaltend hohe Christenverfolgung? Bloss mündlich geäusserte Solidarität nützt den Verfolgten herzlich wenig. Will die Schweiz die inakzeptablen Menschenrechtsverletzungen effektiv sanktionieren, hat sie die Entwicklungshilfe umgehend einzuschränken, sprich an die Gewährung der Glaubens- und Gewissensfreiheit zu knüpfen. Pikant ist nämlich: Alleine an die zehn laut Verfolgungsindex 2018 christenfeindlichsten Staaten leistete die Schweiz zwischen 1960 und 2016 öffentliche Entwicklungshilfe in der Höhe von über 2,4 Milliarden Franken. Allein im Jahr 2016 betrug die Entwicklungshilfe an diese Staaten rund 116 Millionen Franken.

Welchen rationalen Grund gibt es, Geld in undemokratische Regimes zu stecken, welche die christliche Glaubensgemeinschaft um deren Rechte betrügen oder diese nicht vor Unterdrückung schützen? Viel wird im Schweizer Parlament über moralische Geldflüsse geredet. Jetzt wäre die passende Gelegenheit für Politiker aller Spektren gekommen, um Farbe zu bekennen.

Anian Liebrand

 

Aktueller BRISANT-Videokommentar vom 5. Januar 2018

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12.01.2018 | 1495 Aufrufe