Parallelwährung als Chance

Schweizer Goldfranken: Ein epochales Projekt
Von Thomas Jacob, Zürich

Die am 8. März dieses Jahres von Nationalrat Ulrich Schlüer eingereichte parlamentarische Initiative «Schaffung eines Goldfrankens» könnte weitreichende Folgen haben.

Eine einfache, politisch zunächst harmlos erscheinende Idee könnte Folgen auslösen, deren Gewicht heute noch niemand wirklich abzuschätzen sich anschickt. Als Beispiel wählen wir den in der Initiative angesprochenen neuen Goldfranken mit einem Gehalt von 0,1 Gramm Gold pro Münze.

Die Umsetzung dieses Vorhabens ist problemlos denkbar. Produzieren und verkaufen dürften diese von der Schweiz offiziell garantierten Goldmünzen private Schweizer Banken und Institutionen, welche vom Bund dafür eine Lizenz bekommen. Einzige Bedingung für den Erhalt einer Lizenz ist ein guter Ruf.

Eine Goldmünze mit 0,1 Gramm Gold ist eine sogenannte Bimetallmünze, d.h. eine normale Münze mit einer entsprechenden Menge Gold im Zentrum. Eine solche Münze ist technisch problemlos machbar, die 0,1 Gramm Gold im Zentrum bleiben gut erkennbar. Eine Münze mit z.B. einem halben Gramm Gold würde ähnlich aussehen wie heute die Euros, einfach mit Gold im Zentrum. Eine Münze mit zehn Gramm Gold würde ganz aus Gold bestehen.

Das Aussehen, also die Prägung der Goldmünze, wird ebenfalls vom Bund definiert. Auf der einen Seite soll sich die Goldfranken-Münze an den heutigen Schweizer Franken anlehnen. Sie muss zeigen, welches Gewicht an Gold die Münze enthält. Auf der Hinterseite der Münze darf der lizenzierte Herausgeber der Goldmünze sein Firmenlogo zeigen. Dies sichert den lizenzierten Schweizer Banken eine einmalige Plattform für weltweite Bekanntheit.

Besondere Merkmale
Die von der Schweiz garantierte Goldmünze bringt drei wichtige Neuerungen auf den heutigen Goldmarkt.

Der Preis der Goldmünze ist gleich dem Goldpreis. Die Münze mit 0,1 Gramm Gold – z.B. als «Gold-Einfränkler» zu bezeichnen – wäre heute für rund vier Franken fünfzig zu haben. Die günstigsten heutigen Goldmünzen kosten dagegen rund hundert Franken, denn selbst die kleinste Münze enthält gut zwei Gramm Gold. Die Goldmünzen wären künftig wie Fremdwährungen bei allen Wechselstuben und selbst durch Wechselautomaten erhältlich und überall gleich teuer. Heutige Münzen dagegen sind je nach Prägung bei gleichem Gewicht verschieden teuer, der Goldkauf ist so zu einer Frage von Vertrauen und Fachwissen geworden.

«Gramm» und «Franken» sind vertraut und brauchen keine Erklärung. Der heutige Goldhandel dagegen misst in Unzen und besteht aus Sammlermünzen, Goldbarren und Zertifikaten. Diese Handelsformen erfordern Fachwissen. Das «Handelsgeld» eignet sich kaum als Tauschmittel.

Auch ist der Goldhandel heute unbehindert und steuerfrei. Das kann sich jederzeit ändern. Selbst die jüngste Geschichte gibt dazu drastische Beispiele: Als die amerikanische Regierung 1933 glaubte, dass das Volk mit privatem Goldhandel ihre Geldpolitik behindern könnte, verbot sie jeglichen Besitz von Gold durch Privatpersonen praktisch über Nacht. Die drastischen Strafen auf Goldbesitz blieben in den USA Gesetz bis 1973!

Vielseitigkeit
Die Goldmünze gibt dem Gebrauch von Gold darum völlig neue Perspektiven. Im Alltag können von der Schweiz offiziell garantierte Goldmünzen als kleines Geschenk oder auch als «Notgroschen» sowohl in der Schweiz als auch auf der ganzen Welt neue Märkte erobern. Eine Fangemeinde, aber auch Krisenregionen werden die Goldmünzen als Tauschmittel verwenden; und selbst als Fluchtwährung kann der Goldfranken den «normalen» Franken entlasten.

Der Schweizer Goldfranken wäre als Goldmünze rechtlich geschützt und von Steuern befreit. Er wird damit zur attraktivsten Form für langfristige Wertanlagen. Es wäre denkbar, einen Teil der Pensionskassen- und Altersrenten in Goldmünzen zu halten, ebenso Lebensversicherungen. Man darf spekulieren über das sich weltweit eröffnende Geschäftspotential!

Die Pionierfunktion auf diesem Gebiet wird den Schweizer Finanzinstitutionen einen Vorsprung einräumen für Innovationen wie Zahlungsverkehr, Checks und Kreditkarten in Goldmünzen. Für später ist die Schaffung selbst von Banknoten und Goldrappen-Münzen denkbar – wobei diese Noten und Münzen zu hundert Prozent durch in der Schweiz gelagerte Goldmünzen gedeckt sein müssen. Kreditschöpfung in Goldmünzen bleibt strikte verboten.

Zusammenfassend bringt die von der Schweiz garantierte Goldmünze ganz einfach die Normierung und dadurch die Vereinfachung des Goldhandels plus dessen Schutz vor Beschränkung und Besteuerung. Der Erfolg der Parlamentarischen Initiative hängt nun ab von der politischen, also publizistischen und finanziellen Unterstützung.

Zusammenhänge
Geld hat sich über Jahrtausende evolutionär entwickelt als ein Teil des freien Marktes. Autonome staatliche Geldmonopole, ohne jeden Bezug zu einem Marktgut, bestehen seit 1973. Da drängt sich die Frage auf: Ist dieser «Geldsozialismus» der Weisheit letzter Schluss – oder eine Sackgasse wie der Sozialismus in anderen Bereichen?

Geld entstand aus dem Bedürfnis der Menschen, den Tauschhandel durch indirekten Tausch zu vereinfachen. Der Markt hat schliesslich Metallmünzen gewählt als das beste bekannte Tauschgut: Haltbar, teilbar, transportfähig, wertvoll und leicht erkennbar.

Banknoten entstanden erst vor wenigen Jahrhunderten aus dem Bedürfnis, den Transport grosser Mengen von Metallgeld zu vereinfachen. Depotbanken waren zuerst ganz einfach Lagerhäuser für Geld, die ersten Banknoten waren Billette zum Bezug des deponierten Goldes («Pound Sterling»).

Eine unheilige Allianz zwischen diesen Banken und der Justiz führte im 19. Jahrhundert zur Legalisierung des sogenannten Teilreservesystems. Dieses System erlaubt den Depotbanken, mehr Lagerquittungen zu drucken, als dass sie Metallgeld gelagert haben (eine Praxis, welche überall sonst in der Wirtschaft als Betrug verfolgt wird). Dieses «aus der Luft» geschaffene Papiergeld darf die Bank gegen Zins verleihen und einen Teil der Zinsen an die Einleger verteilen. Die Profiteure kennen ihren Profit; wer die Opfer sind, ist weniger klar. Bezahlt werden die Privilegien indirekt und verzögert einerseits durch Geldentwertung und andererseits womöglich durch Fehlinvestitionen und Wirtschaftszyklen.

Verschuldungs-Irrsinn
Gleichzeitig ist das Teilreservesystem instabil. Jedesmal wenn viele Notenbesitzer gleichzeitig Metallgeld auslösen wollen, kann die davon betroffene Bank pleite gehen. Meist löst sie dabei gleich noch einen «Run» auf andere Banken aus. Angeblich zur Verhinderung solcher Krisen wurden zuerst Kartelle und Notenbanken geschaffen, und zuletzt ein weltweites System namens «Bretton Woods». Doch selbst Bretton Woods krachte 1973 zusammen, weil die ausstehenden «Eurodollars» die Goldreserven der USA bei weitem überstiegen.

Seither gibt es auf der Welt erstmals in der Geschichte der Menschheit ausschliesslich kreditbasierte Tauschmittel ohne irgendeine direkte Bindung zu Marktgütern. Notenbanken schaffen seither, wie die Finanzkrise eindrücklich illustriert, beliebig viel Geld «aus dem Nichts»: Sie decken diese Geldschöpfung durch Schuldverschreibungen von Geschäftsbanken, kaufen fremde Währungen und öffentliche Schuldscheine (euphemistisch «Währungsreserven» genannt). Geschäftsbanken wiederum schaffen Kreditgeld ebenfalls «aus dem Nichts» und decken diese Kredite durch Schulden und Hypotheken aus der Privatwirtschaft. Die einzige Limite dieser Geldschöpfung besteht in Reservevorschriften, und diese Reserven bestehen aus Nationalbankgeld und -krediten. Das Resultat ist wenig überraschend: Eine historisch einmalige Tendenz zu weltweiter Verschuldung, Geldschöpfung und Geldentwertung, gespickt mit periodischen Hyperinflationen: Das sind die «Errungenschaften» des derzeit vorherrschenden Systems.

Parallelwährung
Die neue «Goldfranken»-Münze ist im Grunde ein Warengeld aus Gold. Sie entspricht aus historischer Perspektive einer Art «Reformation» im Geldwesen. Hierin liegt gleichzeitig die grösste Herausforderung für ihre Realisierung: Das Weltbild vieler heutiger Ökonomen ist beschränkt auf das Kreditgeldsystem, und seine Hinterfragung grenzt für viele an Ketzerei.

Das Originelle am Projekt der Schweizer Goldmünze aber ist ihre Einführung als Parallelwährung, denn in dieser Form geht von ihr keinerlei Gefährdung des bestehenden Geldsystems aus, solange und soweit die Menschen dem heutigen Geld vertrauen. Sollte dies plötzlich nicht mehr der Fall sein (was wir nicht hoffen), so ist die Goldmünze die bestmögliche, sofort verfügbare, vertraute und real existierende Alternative zum Chaos, das entsteht nach einem Währungskollaps.

«Nur in Freiheit, nur durch einen Parallelstandard kann es je eine gerechte Währungsreform geben», meinte 1984 der renommierte Ökonom Hans Sennholz in einer Rede. Nationale und internationale Ökonomen sind überzeugt, dass die Schweiz einzigartige Voraussetzungen und damit geradezu eine Art moralische Verpflichtung zur Verwirklichung alltagstauglicher Goldmünzen besitzt. Gesucht sind nun visionäre Unternehmer, Stiftungen und Gönner, die sich dieses historischen Projekts annehmen, zum Wohle der Schweiz und der Menschen überhaupt, weltweit.

Thomas Jacob

 

21.04.2011 | 3872 Aufrufe