Die Zeit ist gekommen
Quo vadis Goldfranken?

Von Thomas Jacob, Präsident «Verein Goldfranken», Zürich

Der Goldfranken wird kommen. Vielleicht – sollte sich das Parlament endgültig vom Projekt verabschieden – kommt er sogar noch schneller; via Volksinitiative.

Wie sagte einst Victor Hugo:

«Es gibt nichts Mächtigeres als eine Idee, deren Zeit gekommen ist».

Die Zeit für den Goldfranken, genauer gesagt für eine Goldmünzen-Währung, ist definitiv gekommen.

Der Euro gleicht einem in Not geratenen Schiff auf hoher See. Ringsherum tobt der Finanzsturm, doch auf dem Boot herrscht Zwietracht und Streit darüber, ob bzw. wann die Griechen über Bord geworfen werden sollen.

«Die Schweiz gleiche einem schönen Segelboot, das an die <Titanic> gekettet sei – also an die Euro-Zone mit ihrer tiefgreifenden Schuldenkrise», wird der deutsche Ökonom Thorsten Polleit kürzlich in der «NZZ» zitiert.

Zusätzliche Währung und Sicherheit

Der Vorschlag zur Schaffung einer Goldmünzen-Währung will eine neue, zusätzliche Währung ermöglichen; ausschliesslich aus Goldmünzen bestehend. Goldmünzen sind unabhängig von allen heutigen Währungen und ebenso unabhängig von der Politik. Sie würden sofort ein einfach verständliches, weltweit einsetzbares Tauschmittel verkörpern, denn der Nennwert der Münzen wird in Gramm Gold taxiert.

Sollte es mit dem Euro wirklich zum Äussersten kommen – was wir weder wünschen, geschweige denn hoffen –, bietet eine solche Goldmünzen-Währung seinen Besitzern zusätzliche Sicherheit. Sie wäre bildlich gesprochen ein Rettungsring, eine temporäre Überlebenshilfe.

Die Vorteile

Die Schweizer wollen Sicherheit. Die Goldmünzen-Währung liefert ihnen diese Sicherheit für den Notfall. Das alleine wäre Grund genug, die Goldmünzen-Währung zu schaffen bzw. sie zu erlauben und zu legalisieren.

Eine Goldmünzen-Währung bietet aber auch zahlreiche Vorteile in weniger dramatischen Zeiten; vom Schutz der Kaufkraft von Renten über eine Stabilisierung des Frankenkurses bis hin zu positiver Publizität im Ausland und sich eröffnenden Geschäftsmöglichkeiten für unsere Finanzindustrie.

Kommission dagegen

Am 22. Mai 2012 haben die Mitglieder der nationalrätlichen Kommission für Wirtschaft und Abgaben (WAK) entschieden, dass ihre Bürger keine solche Währung herstellen und nutzen dürfen.

Die Gesprächsprotokolle der Kommission sind vertraulich, weshalb wir über die Gründe für den Entscheid der Politiker nur spekulieren können.

Tatsache ist: Rund 68 Prozent aller Teilnehmer einer Online-Umfrage aus dem Finanz- und Wirtschaftssektor befürworteten am Stichtag die Schaffung einer Goldwährung. 25 Prozent sprachen sich dagegen aus und dem Rest war’s egal. Die Politiker kannten diese Zahlen – und stimmten trotzdem Nein.

Es drängt sich der Verdacht auf, dass die Mitglieder der WAK den grossen Ökonomen und Nobelpreisträger Friedrich A. von Hayek bestätigten, welcher vor dreissig Jahren meinte:

«Ich kann die Augen nicht verschliessen vor der Tatsache, dass jegliche Hoffnung auf einen freiwilligen Verzicht der Regierungen auf ihre gegenwärtigen Monopole auf die Herausgabe von zirkulierendem Geld utopisch ist.»

Doch wir wollen dem Nationalrat nicht vorgreifen und ihm die Chance geben, uns zu überraschen.

Voller Einsatz

Wir vom «Verein Goldfranken» haben für die Abstimmung in der WAK alles gegeben. Lukas Reimann, Nationalrat und Vereinsmitglied, präsentierte die Initiative persönlich. Er war topmotiviert und tadellos vorbereitet, hat alle denkbaren Fragen im Vorfeld bearbeitet und die Antworten sorgfältig einstudiert.

Der brillante Artikel von Prof. Dr. Bernholz in der «NZZ» vom 16. Mai 2012 lieferte uns dabei unschätzbare Hilfestellung und Garantie für Qualität.

Drei Fragen – drei Antworten

Wir haben die erste Runde verloren, gehen aber – gestärkt durch wertvolle Erfahrungen – zuversichtlich in die kommenden Runden. Drei neue Fragen können wir inzwischen einfach beantworten:

Erstens: Wir werden immer wieder gefragt, ob eine solche Goldmünze nicht schon heute realisiert werden kann.

Die Antwort lautet Nein, denn dies widerspricht verschiedenen Gesetzen und Verordnungen. Wir unterstützen uneingeschränkt alle Bemühungen, diese Gesetze und Verordnungen so anzupassen, dass eine Goldmünzen-Währung schon heute möglich wird. Gleichzeitig wird das nicht reichen, denn so einfach wie eine solche Goldmünzen-Währung erlaubt werden könnte, so einfach könnte sie auch wieder verboten werden. Der Schutz eines so wichtigen Anliegens gehört in die Verfassung.

Zweitens: Wir behaupten nie, eine Goldmünzen-Währung sei die alleinseligmachende Lösung. Wir behaupten und wissen aber, dass sie einen positiven Lösungsbeitrag leisten wird. Wissenschaftlich gibt es an der Korrektheit der Idee nichts zu rütteln. Wir sind schon seit zwei Jahren mit den absolut besten Wissenschaftern der Schweiz in Diskussion, auch aus dem Umkreis der Schweizerischen Nationalbank.

Drittens: Der Bund muss die Goldmünzen nicht herstellen, sie lediglich erlauben und schützen. Nachdem das Gesetz in der Verfassung steht und der Bund die Münzen definiert hat, entstehen dem Bund keine weiteren Kosten. Technisch geht es um die Normierung und den gesetzlichen Schutz des freien Goldhandels, so wie wir ihn heute haben. Gibt es wirklich irgend welche ehrenhafte Gründe gegen dieses Anliegen?

Unabhängiges Warengeld

Betrachten wir die Essenz nochmals aus der Vogelperspektive: Das heutige Geldsystem ist hochkompliziert und hochproblematisch. Die Goldmünzen-Währung dagegen bietet eine einfach verständliche und praktische Alternative dazu. Sie gibt den Menschen die Wahl, neben dem Papiergeld ein von der Politik unabhängiges Warengeld zu nutzen.

Goldmünzen haben sich über Jahrtausende, quasi auf natürlichem Weg, zum besten Tauschmittel und Geld entwickelt und zahllose Kulturen, Religionen und Herrscher überdauert.

Wir wollen die Analogie nicht zu weit strapazieren, jedoch darauf hinweisen, dass das heutige Währungssystem in vielem der Situation vor der Reformation im 16. Jahrhundert ähnelt. Damals herrschte der Katholizismus mit Machtmonopolen, Masslosigkeit und Korruption. Heute herrschen staatlich geschützte Monopole über den Finanz- und Währungsbereich, und prompt finden sich dort Masslosigkeit und die grössten politischen und wirtschaftlichen Probleme. Wie immer muss am Schluss die gesamte Gesellschaft bezahlen.

Reform von unten

Die Reformation wies den Weg «ad fontes», zurück zu den Quellen, zurück zum Ursprung des Glaubens. Die Goldmünzen-Währung wäre in Analogie der Schritt in Richtung Ursprung des Geldes.

Luther versuchte eine Reformation zuerst innerhalb des Systems, in Zusammenarbeit mit den Machthabern in Rom. Auch wir versuchten dies; in Bern. Doch wenn Politiker nichts von neuen Ideen wissen wollen, ist es am Volk, diese zu verwirklichen.

Wir haben in der Schweiz das geniale Instrument der Volksinitiative. Sie erlaubt die friedliche Reform von unten. Wir unterstützen weiterhin uneingeschränkt den parlamentarischen Weg. Doch wenn dieser nicht fruchtet, werden wir den Weg der Volksinitiative beschreiten. Weitsichtige Politiker sind herzlich willkommen.

Thomas Jacob

Mehr Informationen und Links, auch zu ausführlichen in der «Schweizerzeit» bereits publizierten Artikeln finden Sie unter www.goldfranc.ch.

 

01.07.2012 | 3465 Aufrufe