Haltlose US-Anklage gegen Bank Wegelin
Konrad Hummler muss büssen

Von Hans Spitz, Köniz BE

Die USA verkörpern dank ihrer Geschichte und kontinuierlicher, geschickter Werbung auch heute noch das Land der Hoffnung und der Freiheit. Die Freiheitsstatue in der Einfahrt zum Hafen von New York hat bis jetzt wenig von ihrer Anziehungskraft verloren.

Unter diesem Strahlenschirm verschwanden und verschwinden die Verbrechen an der einheimischen Bevölkerung (Indianer-Genozid), die abscheuliche Sklaverei zu Lasten der schwarzen Bevölkerung, die Verbrechen in beiden Weltkriegen, die Kriege der letzten Jahre, die global überhandnehmende Rolle der amerikanischen Geheimdienste in verschiedensten Ländern der Welt während des ganzen 20. Jahrhunderts und nicht zuletzt die immer wiederkehrenden Wirtschaftskrisen, die in vielen Staaten Not und Elend provozierten.

Obwohl heute laut einer Untersuchung 88 Prozent der Befragten davon ausgehen, dass sie USA nicht fähig sein werden, sich selbst und noch weniger die Welt aus der gegenwärtigen Krise zu führen und mit einer Krise von über drei Jahren rechnen, haben die USA im Urteil der breiten Massen unserer Gesellschaft wenig von ihrer Faszination verloren.

Konrad Hummler «versündigte sich»
Im Anlagekommentar Nr. 265 vom 24. August 2009 wagte es der Mitbesitzer der Bank Wegelin, eine ganze Reihe unrühmlicher Fakten in Erinnerung zu rufen:

«Dieses Land gehörte in den letzten sechzig Jahren unbestreitbar zu den aggressivsten Nationen weltweit. Die USA haben mit Abstand am meisten kriegerische Handlungen, einmal mit, meistens ohne Uno-Mandat vom Zaun gerissen. Kriegsvölkerrecht wurde verletzt, geheime Gefängnisse unterhalten, fragwürdige Regimes wurden gestützt, ein absurder Krieg gegen Drogen geführt mit gravierenden Auswirkungen im Ausland (Kolumbien, Afghanistan) und im Inland (nach glaubwürdigen Quellen reichen die Tentakel der Drogenmafia bis weit in politische Kreise hinein).

In geradezu atemberaubender Doppelmoral unterhalten die USA «Offshore-Oasen» riesigen Ausmasses in Florida, Delaware und anderen Teilstaaten.

In ihrem Rechtssystem kennen sie noch immer die Todesstrafe und üben diese extensiv aus. Anwälte können sich am Unheil ihrer Klienten bereichern. Haftpflichtprozesse enden oft in Urteilen mit exorbitanten Ansprüchen, was die Geschäftsausübung mittelständischer Unternehmen enorm risikoreich macht.

Seine Infrastruktur lässt es verfallen, in zum Teil fragwürdigen Verfahren Verurteilte steckt es in hoffnungslos überfüllte Gefängnisse.

Mit ihrem Weltfinanzsystem verursachen sie regelmässig weltwirtschaftliche Krisen, die vielerorts katastrophale Folgen für die Bevölkerung haben.»

Sicher sind diese – unbestreitbar zutreffenden – Ausführungen von Barack Hussein Obama und seiner Entourage zur Kenntnis genommen worden und haben wohl wenig sympathische Gedanken und Absichten provoziert!

Das Bankhaus Wegelin unterzeichnete 2001 das «Qualified Intermediary Abkommen» (QIA) mit den amerikanischen Steuerbehörden und bestand die stets zusehends schärferen Revisionen 2002 und 2007 problemlos. Wie oben dargestellt, wurde der Anlagekommentar zwei Jahre danach, 2009 publiziert – und jetzt soll alles anders sein. Dabei ist zu beachten, dass die der Bank Wegelin gemachten Vorwürfe haltlos sind. Sie versagen auch als Rauchpetarden zur Vernebelung und zur Ablenkung vom Jahresdefizit des amerikanischen Staates von über 1‘200 Milliarden Dollar.

Der «Sheriff der Wall Street» – Staatsanwalt Preet Bharara ein gebürtiger Inder, der in den Fussstapfen des verhinderten Marc Rich-Kidnappers Rudy Giuliani seines Amtes waltet – ist offenbar schlecht beraten worden. Der geistreich und verdienstvoll kämpfende Geschäftsführer der symbolstarken ältesten Schweizer Privatbank, Konrad Hummler, der sich für viele verratene amerikanische UBS-Kunden als Samariter zur Verfügung gestellt hat, ist dabei – vorderhand – mitsamt seiner Wegelin Bank unter die Räder gekommen.

Die treibende Kraft hinter diesem kriegsähnlichen Schadenfall ist aber weder die derzeitige US-Regierung noch dessen Justizdepartement; es sind vielmehr die erfolgstrunkenen, ausser Kontrolle geratenen Karrieristen des US-Steueramtes IRS. Bei entsprechend intelligenter und entschlossener Reaktion unserer Politiker, Bänkler und Unterhändler könnte der Schaden noch begrenzt und die Beziehungen schnell wieder zum gegenseitigen Nutzen normalisiert werden. Der gegenwärtige Wirtschaftskrieg gegen einen «naiven» Kleinstaat bringt der Grossmacht USA einen billigen, selbstschädigenden Sieg!

Die Anklage ist haltlos!
Was der Bank Wegelin vorgeworfen wird sind nicht nur Peanuts, sondern Aktionen, die wesentlich im Rahmen auch des US-Rechts – insbesondere des Qualified Intermediary Abkommens mit der IRS – durchgeführt wurden. Der New Yorker Staatsanwalt wurde aber dazu von seinen Washingtoner IRS-Einflüstereren getäuscht. Er geriet dabei auf dünnes Eis mit zum Teil lächerlichen Vorwürfen, wie z.B. jenem, ein Vermögensverwalter der Bank habe für einen Kunden eine Rechnung für eine Safari in Botswana bezahlt. Oder ein Kundenberater habe einen Kunden angewiesen, nicht mehr zu telefonieren sondern SMS zu senden, da die Telefon-Gespräche von den Amerikanern abgehört würden. Von dieser und ähnlicher Qualität sollen die «Verbrechen» der Wegelin-Mitarbeiter gewesen sein.

Der Bank drohe eine Busse von 500‘000 Dollar, den drei Angeklagten Geldbussen von je maximal 250‘000 Dollar und Haftstrafen bis zu fünf Jahren.

Und das alles von einer entfesselten Bürokratie, welche weltweit Jagd auf ihre Bürger macht um ihre rund tausendfach bedeutungsvolleren Schutzgeldeinnahmen wirkungsvoller zu verstecken und – ohne demokratische Kontrolle – weiterhin zur Finanzierung imperialistischer Verbrechen verfügbar zu haben. Zudem, mit ihrem aus dem Boden gestampften «fiat-money» betrügt sie die ganze Welt und nimmt sie aus wie eine Weihnachtsgans.

Die Bank selbst ist wegen des Vertrauensverlustes der Kundschaft zum Notverkauf gezwungen worden – also bereits untergegangen oder zumindest nahezu irreparabel geschädigt worden.

Andere Gross-Investoren warnen
Warren Buffet sagte schon im August 2009:

«Die Wirtschaft der Vereinigten Staaten scheint zwar aus der Notfallstation entlassen und auf dem Weg der Besserung zu sein. Aber die enormen Dosen von monetärer Medizin müssen weiterhin bewältigt werden, und wir werden für sehr lange Zeit an den Nebeneffekten leiden. Ich befürchte hohe Inflationsraten und rate vom Kauf langfristiger Schatzanleihen ab.»

Und Bill Gross von der «Pacific Investment Management Co.» hält die Anleger dazu an, Dollar-Anlagen zu verkaufen, bevor Notenbanken und Staatsfonds dasselbe tun. Und als Amerikas grösster Gläubiger tauscht die chinesische Regierung so viele Schatzpapiere so schnell sie kann gegen Realwerte überall auf der Welt.

Auf diesem Hintergrund hat unsere Regierung Tausende von Bankdokumenten der Credit Suisse (mit codierten Namen – lächerlich!) den Amerikanern übergeben, die damit ein neues gewaltiges Druckpotential aufbauen können. Bezeichnend, dass unsere Spezialisten des VBS weder für eine Lagebeurteilung noch für die Codierung beigezogen wurden. Die Mehrheit des Bundesrates hat offenbar noch nicht begriffen, dass wir im Fokus der amerikanischen Wirtschaftskrieger stehen. Wann – ist zu fragen – wird unsere Regierung die Selbstachtung und den Schneid aufbringen, um unseren amerikanischen Freunden die richtigen Fragen mit Nachdruck zu stellen und dabei auch nicht auf unmissverständliche Weckrufe an die richtige Adresse verzichten? Zu denken ist dabei an einen ostentativen Ausbau unserer Finanz- und Handels-Beziehungen zu andern Partnerstaaten wegen der nicht weiter tolerierbaren QI- und FACTA-Zumutungen – zulasten der US Wirtschaft.

Herausfordernd aber nicht aussichtslos
Konrad Hummler, der tapfere Mahner und beispielhafte Samariter erhielt weder von seinen Berufskollegen noch von unseren Politikern die unabdingbare Unterstützung und Solidarität. Nicht gerade als Winkelried, aber immerhin persönlich zu hundert Prozent haftend, stellte er sich vor die gefährdeten Kunden und zeigte so, was alle andern von Anfang an hätten tun müssen – und wozu sie via die Trutzburg Wegelin vielleicht – hoffentlich – in naher Zukunft zurückfinden mögen.

Die amerikanische Verschuldung wird durch die allfälligen weiteren Ablasszahlungen von Schweizer Banken kaum gemindert werden – ganz im Gegenteil. Denn damit einher ginge auch ein entsprechender politischer und finanzieller Goodwill-Abbau unsererseits. Auch wenn dies nicht zu überschätzen ist, ginge es dabei immerhin auch um mögliche Schweizer Beiträge zur Vermeidung einer global-katastrophalen Crash-Landung.

Gegenwärtig dürfte die Totalverschuldung der Vereinigten Staaten bei ungefähr 15 Billionen Dollar liegen, damit also über 400 Prozent des Bruttoinlandprodukts der USA betragen.

Schon fast prophetisch schreibt Hummler im mehrfach erwähnten Anlagekommentar:

«Wir leben in einer Epoche, in der sich die Gewichte auf der Welt am Verschieben sind. Asien steigt auf, Brasilien vermutlich ebenfalls. Australien wird der lachende Dritte sein, Europa kann sich möglicherweise noch einmal im Wiederaufschwung dieser Länder positionieren.

Den USA bleiben die unbestreitbar vorhandene Militärmacht und die Schulden- und Problemberge. Redimensionierungsprozesse bergen in sich aggressives Potential, weil sie schmerzhaft sind und die Schuld dafür lieber auf Dritte überwälzt wird. Die Schweiz bekommt dies derzeit zu spüren.

<Aggressives Potential> und wirtschaftliche Entwicklung aber schliessen sich gegenseitig aus.

Deshalb ist man wohl gut beraten, ganz generell Abschied von Amerika zu nehmen. Bis auf weiteres muss es heissen: <It’s time to say Goodbye>.»

Es wäre gut, wenn dies das Fähnlein der sieben Aufrechten zu Bern auch einsehen würde.

Hans Spitz

04.03.2012, 00:00 von admin | 809 Aufrufe