Goldinitiative in Zeiten des Währungszerfalls

Gold kontra Geld

Thorsten Polleit wiederlegt häufige Vorbehalte

Mit Gold unterlegte Währungen erwiesen sich im Lauf der Weltgeschichte immer als weit solider als reine Papierwährungen.

Trotzdem wird der Forderung nach soliderer Golddeckung der Währung immer wieder mit Vorbehalten begegnet. Thorsten Polleit, Honorarprofessor für Finanzökonomie an der Frankfurter School of Finance & Management hat diese Vorbehalte untersucht und wie folgt beantwortet:

Vorbehalt: Der Goldstandard ist ein Relikt aus längst vergangenen Tagen.

Antwort Polleit: Der Goldstandard steht im Kern für Sachgeld: Geld, das von den Bürgern frei gewählt und das durch die Gesetze des freien Marktes produziert wird. Goldgeld kann nicht aufgrund politischer Motive durch eine Zentralbank beliebig vermehrt werden. Die Aversion gegenüber Goldgeld ist nicht ökonomischer, sondern politisch-ideologischer Natur. Sie speist sich aus der Auffassung, der Staat müsse die Hoheit über die Geldmenge innehaben und in der Lage sein, die Konjunktur zu steuern, indem er den Geldwert manipuliert.

Vorbehalt: Der Goldstandard wurde abgeschafft, weil er sich nicht bewährt hat.

Antwort Polleit: Am 15. August 1971 kündigte der amerikanische Präsident Richard Nixon die Verpflichtung, US-Dollars in Gold zu tauschen (Bretton Woods). Die Amerikaner hatten immer mehr Dollars produziert, die nicht durch Gold gedeckt waren. Als die Halter von Dollars von dem Schwindel erfuhren, tauschten sie zusehends ihre US-Dollars in Gold – wobei die Amerikaner schlicht nicht über genügend Goldreserven verfügten. Die letzten Überreste des Goldstandards wurden also abgeschafft, weil sie der Politik – insbesondere der amerikanischen – im Wege standen. Goldgeld ist eben unvereinbar mit Nationalismus, Protektionismus und einer national ausgerichteten Konjunkturpolitik.

Vorbehalt: Geld wird zunehmend elektronisch, um der Komplexität der Schuld- und Kreditbeziehungen gerecht zu werden. Physisches Gold aber ist schwer und taugt nicht für die Praxis.

Antwort Polleit: Mit Goldgeld wären alle heutigen modernen Zahlungsmitteltechniken verwendbar: Internet-Banking, Schecks, Kreditkarten, Lastschriften, etc. Auch im Sachgeldsystem kann es natürlich komplexe Kredit- und Finanzprodukte geben. Der entscheidende Unterschied gegenüber dem Staatsgeld ist ein anderer – dass die Geldmenge nicht mehr durch Kredit «aus dem Nichts» ausgeweitet werden kann. Die Geldproduktion achtet Eigentumsrechte der Marktakteure. Dieses Prinzip wird im Staatsgeldsystem verletzt, weil es durch Staatsmonopol produziert und durch Inflation laufend entwertet wird.

Vorbehalt: Auch im Goldstandard könnt die Regierung oder ihre Zentralbank das Umtauschverhältnis von Geldeinheit zu physischem Gold verändern und so weiterhin für Inflation sorgen. Der Goldstandard sichert nicht gegen Wertverluste des Geldes.

Antwort Polleit: In einem Sachgeldsystem ist Geld Eigentum des Geldhalters. Im Goldstandardsystem repräsentiert eine Banknote (im Betrag von z.B. zehntausend Franken) den Anspruch, diese jederzeit in eine entsprechende Menge Feingold eintauschen zu können (z.B. in eine Feinunze Gold). Verändert der Staat dieses Umtauschverhältnis (auf z.B. 1:20‘000), so enteignet er den Banknotenhalter zu Gunsten des Emittenten der Banknote. Ein Sachgeldsystem, das von der breiten Bevölkerung getragen und verstanden wird, schützt weitaus besser gegen staatliche Enteignungsakte als ein Staatsgeldsystem.

Thorsten Polleit

(aus. Schweizer Monatshefte, Nr. 982)

23.10.2012 | 4000 Aufrufe