Euro-Katastrophe: Deutschlands ZwiespaltDer aktuelle Freitags-Kommentar der «Schweizerzeit» vom 17. Februar 2012 Europas Süden zur Verarmung verdammt Von Ulrich Schlüer, Chefredaktor «Schweizerzeit» Die Wirtschaft von Export-Weltmeister Deutschland stürmt von Rekord zu Rekord. 2012 überstieg der jährliche Gesamtexport Deutschlands erstmals die magische Grenze von 1 Billion Euro. Wer häufig nach Deutschland reist, wundert sich freilich: Im deutschen Alltag ist nichts von Wirtschaftsblüte zu verspüren. Eher das Gegenteil: Deutschlands Autobahnen, einst europaweit als die solidesten Verkehrsverbindungen gepriesen, scheinen insgesamt einem zwar langsamen, doch stetigen Zerfall ausgesetzt zu sein. Der Unterhalt kann nur noch lückenhaft geleistet werden. Deutschlands Bahnlinien sind – von wenigen Hochleistungsstrecken für Expresszüge abgesehen – in zusehens maroder Verfassung. Auch in den Städten scheinen die Strassen zunehmend ungenügend unterhalten. Keine Erfolgserlebnisse Zunächst: Der Exporterfolg Deutschlands ist zumindest in Europa ein zwiespältiger Erfolg. Die Volkswirtschaften einer laufend wachsenden Zahl von EU-Ländern können in Deutschland nur noch einkaufen, wenn ihnen Deutschland – via Brüssel – auch die Milliarden liefert, mit denen sie ihre Einkäufe überhaupt erst bezahlen können. Die Fehlkonstruktion Euro zwingt mehr und mehr Länder an den fast nur noch von Deutschland gespiesenen Tropf Brüssels. Deutschland bezahlt seine Exporte selbst Ein Teufelskreis wird Tatsache: Das infolge der sich zunehmend erhöhenden Löcherstopf-Zahlungen an marode Euro-Länder seinerseits überforderte Deutschland muss – wenigstens für die Zuschauer-Galerie – die im Schuldensumpf offensichtlich ertrinkenden Euro-Südstaaten von Woche zu Woche herrischer zu «Finanzdisziplin» anhalten. Gleichzeitig ist Deutschland, um mit seinen Exporten den notwendigen Ertrag für die hektische Stopfung aller Schuldenlöcher in Europa erwirtschaften zu können, immer stärker auf den Ausgaben-Schlendrian der Überschuldeten angewiesen. Die Leidtragenden Man heuchelt zu Brüssel «Griechenland-Rettung» vor. Dabei geht es bei den geforderten – faktisch allein Deutschland aufgehalsten – Rettungspaketen in dreistelliger Milliarden-Höhe doch nicht um Griechenland. Es geht um die Rettung jener Banken, die – meist auf Geheiss ihrer Regierungen – für Abermilliarden marode Staatspapiere der faktischen Bankrotteure halten müssen. Würde Griechenland aus dem Euro ausscheiden und zwecks wirtschaftlicher Gesundung zu einer – stark abzuwertenden – Drachme zurückkehren, könnten Dutzende vor allem französischer, deutscher und englischer Banken wohl nur durch Verstaatlichung (damit auch Verstaatlichung ihrer Überschuldung) vor dem Ruin gerettet werden. Tatsächlich wird Griechenland an eine Währung gefesselt, der seine Wirtschaft nie und nimmer gewachsen ist. Griechenlands Wirtschaft vermag jährlich nur gerade rund 800 Patente für neuentwickelte Produkte oder Fertigungsprozesse anzumelden. Die Schweiz – im Vergleich dazu – meldet jährlich durchschnittlich 25‘000 Patente an. Mit dem für Griechenland zu teuren Euro wird auch Griechenlands Tourismus ins Abseits gedrängt. Solange Griechenland – das gilt auch für Portugal, für Spanien, für Italien, für Frankreich – an den Euro gefesselt bleibt, ist es zur Verarmung verdammt. Ein bitteres, für Millionen unerträgliches Schicksal. Der Friedens-Traum endet in Trümmern Auch Deutschland ist überlastet Deutschlands Bürger müssen die daraus resultierende Zerrüttung ihrer Währung – unausweichliche Folge der uferlosen Geldproduktion per Notenpresse – einfach hinnehmen. Wer sein ehrlich Erspartes dieser unausweichlichen, von verantwortungslosen Regierungen verfügten Geldentwertung entziehen will, wird als Steuerflüchtling öffentlich kriminalisiert, an den Pranger gestellt, wirtschaftlich gnadenlos vernichtet. Katastrophe Die Schweiz kann sich dieser absehbaren Katastrophe dann entziehen, wenn sie ihre Währung, den Franken, weiterhin an echte Werte bindet – nicht an zerfallende Fremdwährungen, vielmehr an wertbeständiges Gold. Bindet sie sich an den Euro, wird auch die Schweiz in die Katastrophe gerissen. Ulrich Schlüer
17.02.2012, 14:06 von admin |
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