Der Bauchentscheid dreier Frauen im Bundesrat hat den Atomausstieg der Schweiz eingeleitet. Auch in Deutschland hat nach den Ereignissen in Fukushima eine Frau den Ausstieg aus der Atomenergie beschlossen. Der urgewaltige Tsunami, der als einzigartige Ursache am Anfang der Atomkatastrophe stand, wurde einfach ausgeblendet. Darf man bei der so wichtigen Energiefrage dermassen übereilt und unüberlegt handeln? Grosse Zweifel sind angebracht.

Nun hat Energieministerin Doris Leuthard die Strategie für die Schweiz dargelegt. Sie gleicht einem Blindflug in die Energielücke. Zum Wunschkonzert gehört vor allem die Einsparung von 30 Prozent der Energie bis zum Jahr 2050. Strengere Vorschriften im Sinne der Energieeffizienz und Fördergelder sollen es richten. Betrachtet man aber die Energieverbrauchskurve der letzten zehn Jahre und berücksichtigt man das zu erwartende Wirtschafts- und Bevölkerungswachstum, dürften die angepeilten Einsparungen schmelzen wie Schnee an der Sonne. Und einem Plus durch erneuerbare Energien, die bei Sonne und Wind nur unregelmässig anfallen, stehen jetzt schon Einsprachen diverser Naturschutzverbände entgegen. In einem zweiten Schritt sollen es dann aber Lenkungsabgaben richten. Diese sind unbeliebt und dürften – wie das Beispiel der Benzinpreis-Erhöhung belegt – kaum grosse Verhaltensveränderungen in der Gesellschaft bewirken. Über den Atomausstieg wird man deshalb wohl eher früher als später wieder reden müssen. Man glaubt ja auch noch an Klimaziele.

Wolfgang Sidler,
Luzern

26.04.2012, 15:29 von admin | 866 Aufrufe