Brisant

Der aktuelle Freitags-Kommentar von der
«Schweizerzeit»-Redaktion vom 19. Februar 2010


Nacktscanner empört Islamisten

Verkommt Terrorabwehr zur Groteske?

Neue Anschläge – zum Ziel gelangte wie mit knapper Not abgewendete – alarmieren die Verantwortlichen für Terrorabwehr in allen Ländern.

Die Terrorabwehr-Spezialisten warnen weltweit: Die Methoden der Terroristen würden von Jahr zu Jahr raffinierter. Auch für die Terrorabwehr sei dringend aufzurüsten. Klar dabei sei: Die Hauptgefahr gehe weiterhin aus von islamistischen Terrorgruppen, allen voran der Al-Qaida. Jene Terroristen, welche sich im «Heiligen Krieg», im Jihad gegen die westliche Zivilisation, gegen alles und alle, das sie den «Ungläubigen» zuordnen, wähnen, von diesen Terroristen gehe weiterhin die grösste Gefahr aus.

Hauptziel: Zivilluftfahrt

Hauptziel der Terroristen sei nach wie vor die zivile Luftfahrt. Darin sind sich alle Spezialisten der Terrorabwehr einig. Deshalb müssten zugunsten der Sicherheit des zivilen Luftverkehrs vor allem auf den internationalen Flughäfen verfeinerte Vorkehrungen zur rechtzeitigen Erkennung modernst bewaffneter Terroristen getroffen werden. Im Vordergrund steht der sog. «Nacktscanner»: Jenes Gerät, das jeden Passagier in der Sicherheitskontrolle bis auf seine Haut durchleuchtet. Solche Total-Durchleuchtung lasse selbst modernsten, meist direkt auf dem Körper getragenen Sprengstoff von Selbstmord-Attentätern erkennen.

Die Diskussionen über das Für und Wider solcher Nacktscanner beherrschen, seit die Terrorabwehr-Spezialisten den Einsatz dieses Geräts nachdrücklich fordern, die Medien weltweit.

Muslimische Verbände verlangen Ausnahmen

Insbesondere in den USA mischen sich die grössten islamischen Verbände inzwischen hörbar in diese Diskussion ein. Unmissverständlich stellen sie die Forderung: Muslime seien generell und weltweit von Nacktscanner-Kontrollen auszunehmen. Der Nacktscanner sei für jeden gläubigen Muslim, insbesondere für jede zur Verhüllung ihres Körpers gezwungene muslimische Frau eine Beleidigung. Wer von einem Muslim oder einer Muslima eine Nacktscanner- Kontrolle verlange, der beleidige die gesamte muslimische Welt.

Lautstark erhoben wurde dieser Vorwurf zunächst vor allem von den Muslim-Verbänden in den USA. Dort befassen sich inzwischen bereits höchste Regierungsstellen mit diesen Forderungen. Präsident Obama habe dies kürzlich höchstpersönlich bestätigt.

Dabei geht es nicht bloss um die Forderung nach Ausnahmen für Muslime. Eher mehr Raum nimmt die Frage ein, ob die Einführung von Nacktscannern überhaupt weltweit durchsetzbar sei. Oder ob internationale Flughäfen in muslimischen Ländern – welche den Einsatz von Nacktscannern verbieten könnten – künftig zu weit offenstehenden Einfallstoren für Terroristen aus allen Ländern werden könnten – schliesslich starten von Flughäfen in muslimischen Ländern Maschinen von Fluggesellschaften aus aller Welt, längst nicht bloss solche von muslimischen Gesellschaften.

Freibrief für Hauptverdächtigte?

Grotesk an der Forderung der Muslimverbände ist, dass, wenn ihr nachgegeben würde, von den verschärften Terrorabwehr-Kontrollen ausgerechnet jene Bevölkerungsgruppe ausgenommen würde, aus der weltweit mit Abstand am meisten Terroristen rekrutiert werden. Würde der muslimischen Forderung entsprochen, würden die Nacktscanner-Kontrollen zur Farce.

Als Echo auf die in den USA geäusserten Muslim-Forderungen nehmen neuerdings auch in Westeuropa gleiche Forderungen gleicher Absender mit gleicher Zielsetzung zu. Sie sind ernstzunehmen. Zumindest von deutschen Sicherheitsexperten wird die dazu entbrannte Diskussion bereits mit hoher Aufmerksamkeiit verfolgt. Prophylaktisch vorgenommene Umfragen bei den grossen Muslimverbänden in verschiedenen europäischen Ländern führten nämlich zum Ergebnis, dass sich kein einziger der befragten Verbandsverantwortlichen in Westeuropa in irgend einer Weise von den von den amerikanischen Muslim-Verbänden aufgestellten Forderungen nach Befreiung aller Muslime von Nacktscanner-Kontrollen distanziert hat.

Religionsfreiheit wird vorgeschoben

Die Argumentation der Muslimverbände ist raffiniert. Sie werten die Nacktscanner-Kontrollen als Angriff auf ihre Religionsfreiheit. Eine bewährte Argumentationslinie, mit der einzelne Muslime und Muslimverbände bekanntlich auch das Resultat der Minarettverbots-Abstimmung in der Schweiz bei internationalen Gerichten anfechten.

Raffiniert ist das Vorgehen, weil die Muslimverbände, wenn sie die Religionsfreiheit als angegriffen behaupten, in der Regel auf breite Unterstützung stossen bei Juristen, die jederzeit bereit scheinen, mit Hilfe internationaler, allerdings nirgendwo demokratisch legitimierter Normen nationales, je in demokratischer Ausmarchung geschaffenes Recht auszuhebeln. So wurde in der Schweiz das früher auf demokratischer Entscheidfindung beruhende Einbürgerungsverfahren gerichtlich annulliert und in ein Masseneinbürgerungs-Verfahren, vorgenommen durch Funktionäre, verwandelt. Auf gleichem Hintergrund wird versucht, das Minarettverbot rückgängig zu machen.

Es wird interessant sein zu verfolgen, ob sich international ausgerichtete, demokratisch geschaffenes nationales Recht notorisch torpedierende Paragraphen-Funktionäre finden lassen, welche Handlanger-Dienste dafür leisten werden, dass ausgerechnet jene Bevölkerungsgruppe, aus welcher seit Jahren die meisten Terroristen rekrutiert werden, von verschärfter Terrorabwehr-Kontrolle ausgenommen werden.

Ulrich Schlüer

Quelle: Whistleblower-Newsletter Nr. 98, 15. Februar 2010.
Informationen zu den Bezugsbedingungen erhalten Sie unter www.ulfkotte.de


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