Der
aktuelle Freitags-Kommentar von der «Schweizerzeit»-Redaktion
vom 24. Juli 2009
Staatsfunktionäre suchen neue Aufgaben
Imam-Euphorie erfasst Classe politique
Von Ulrich Schlüer, Chefredaktor Schweizerzeit
Erst vor wenigen Jahren wurde den Stimmbürgern des Kantons Zürich eine neue Kirchenordnung zur Abstimmung unterbreitet. Sobald klar wurde, dass darin auch die Ausbildung islamischer Imame sowie Koranschulen auf Kosten der Steuerzahler vorgesehen waren, war des Stimmbürgers Verdikt klar: Die Vorlage wurde wuchtig verworfen.
Damit ist für Wissenschafter, die sich für ein selbsterfundenes Projekt zur Imam-Frage via Nationalfonds vom Staat bezahlen lassen möchten, klar: Man darf zur Idee der Imam-Ausbildung in der Schweiz zwar irgendwen befragen, auf keinen Fall aber die Stimmbürger. Das «nationale Forscherteam» kaprizierte sich für seine Studie also darauf, die Imame selbst zu befragen. Und dann auch noch jene «Muslimsprecher» in unserem Land, die zwar oft auftreten, obwohl niemand genau weiss, ob sie ausser sich selber tatsächlich auch noch andere vertreten.
Und, oh Wunder: Die gezielte Befragung lieferte genau die Antworten, die den Wünschen entsprachen: Muslimische Imame möchten ihre Ausbildung künftig in der Schweiz, an Fakultäten hiesiger Universitäten erhalten. Begeistertes Echo auf diese Erwartung liess von Seiten der Classe politique nicht lange auf sich warten. Während sich die Muslimsprecher allerdings vor allem ob der Erwartung auf reichlichen Geldsegen aus öffentlichen Kassen zugunsten der Imam-Ausbildung sowie - im sich auf den christlichen Gott in der Präambel seiner Bundesverfassung berufenden Land - ob der Gleichstellung der Imam-Ausbildung mit jener für christliche Pfarrer begeistert zeigen, bekundet die Classe politique vor allem deshalb erleichterte Zustimmung, weil sich mit staatlicher Imam-Ausbildung gleichsam von selbst auch Kontrolle über Lehrtätigkeit, Predigten und Unterricht dieser Imame ergebe…
Kontrolle - aber wie?
Welch treuherzige Naivität: Woher nur nehmen die hiesige Imam-Ausbildung warm begrüssenden Politfiguren denn die Gewissheit, dass die an Schweizer Universitäten ausgebildeten Imame haargenau nur das in Unterricht und Freitagsgebeten verbreiten, was ihnen von Schweizer - oder von von der Schweiz engagierten - Muslim-Ausbildnern vorher eingegeben worden ist? Wie, mit Verlaub, soll denn die «Kontrolle» der hier ausgebildeten Imame fortan vonstatten gehen? Denkt man allen Ernstes daran, in die Unterrichts- und Predigt-Räume der Imame vom hiesigen Staatsschutz ausgebildete Kontroll-Funktionäre Einsitz nehmen zu lassen? Glaubt man im Ernst, alle Lehrgänge, alle Lehrbücher für islamischen Unterricht einer Kontrolle unterziehen zu können? Man kann sich das Huronen-Geschrei, entfacht von Georg Kreisens Antirassismus-Trabanten und be-echot von sämtlichen Medienschaffenden zwischen Bodensee und Genfersee aufs Lebhafteste vorstellen, das anheben würde, wenn sich auch nur eine einzige Schweizer Staatsstelle ein einzigesmal dazu anschicken würde, solche Kontrolle - umgehend als «Zensur» gebrandmarkt - je ernsthaft ins Auge fassen zu wollen…
Nein, die Schweiz würde nur zur Kasse gebeten für die Imam-Ausbildung. Die hiesigen Muslime würden sich jegliche Einmischung in muslimischen Unterricht und ins - bekanntlich alles andere als politikfreie - Freitagsgebet wortreich verbitten und, laufend auf ihre «Religionsfreiheit» pochend, auch politisch genau das und allein das anreisen, was sie wollen - allenfalls bis zu Agitation gegen unser Land.
Die Sprachen-Frage
Was kann ein vom Staat bestellter Kontroll-Funktionär schon unternehmen, wenn ein Imam - obwohl hier ausgebildet - zu seinen Anhängern in jener Sprache spricht, die im Herkunftsland seiner Zuhörer gesprochen wird? Wenn er auf Albanisch, auf Türkisch, auf Kurdisch predigt und unterrichtet? Will ihm jemand solches ernsthaft verbieten? Welcher Kontroll-Funktionär brächte nur schon die Sprachkenntnisse mit, dass er Gepredigtes und Unterrichtetes auch nur annähernd verstünde? Müsste man ihm einen Dolmetscher zur Verfügung stellen? Von wem? Würde dieser Dolmetscher wirklich das vermitteln, was in der Originalsprache zum Bespiel im Freitagsgebet gesagt worden ist? Oder würde er Gesagtes in Unverfängliches umwandeln?
Fragen, denen hiesige, vom Staat bezahlte Wissenschafter, die so ganz naiv auch wieder nicht sind, gezielt auszuweichen wissen. Angesprochen werden sie in der Nationalfonds-Studie jedenfalls nicht. Und die Classe politique ist allzu naiv, als dass sie die Auslassungen in dieser «Studie» nur schon erkennen, geschweige denn die Motive für Auslassungen durchschauen könnte.
Beispiel Österreich
Dass die hier aufgeworfenen Fragen mitten in die Realität zielen, weiss, wer nur schon ausländische Zeitungen liest. In unseren Nachbarländern, wo es Imam-Ausbildung auf Kosten der Staatskassen bereits gibt, sind deren Konsequenzen deutlich sichtbar geworden. Zu erwähnen ist das Beispiel Österreich, wo man in der naiven Erwartung, damit «eine Kontrolle zu haben», die Imam-Ausbildung bereits vor Jahren zur Staatsaufgabe auf Kosten der Steuerzahler erklärt hat. Nachdem man der Entwicklung lange gutgläubig ihren Lauf liess, liessen Regierungsstellen in Österreich jüngst immerhin einmal untersuchen, was denn die vom österreichischen Staat ausgebildeten Imame insbesondere im Jugendunterricht so alles an Lehren verbreiten.
Das Resultat verursachte erhebliches Erschrecken: Ein Viertel der vom österreichischen Staat ausgebildeten Imame nutzt die Unterrichtserteilung gezielt für politische Agitation gegen den hiesigen Rechtsstaat, gegen die abendländische Staats- und Rechtsordnung, gegen die Demokratie. Vehement wird dafür für islamisches Scharia-Recht geworben - auch wenn die Scharia mit abendländischen Rechtsordnungen regelrecht auf Kriegsfuss steht. Einzuschreiten gegen diese alarmierende Entwicklung wagte in Österreich bisher noch niemand. Nur der naive Glaube, wonach hiesige Ausbildung auch hiesige Kontrolle bedeute, geriet gründlichst ins Wanken.
England und Frankreich
Auch Frankreich und England können auf eher beklemmende Erfahrung mit der staatlichen Imam-Ausbildung zurückblicken. Man stellt in beiden Ländern seit einiger Zeit fest, dass die dritte Generation, also die Enkel der muslimischen Einwanderer die schärfsten Aktivisten, die meisten gewaltbereiten Radikalen, die verbissensten Fanatiker des Islamismus stellen. Genau jene, die von den in Europa ausgebildeten Imamen unterrichtet werden, entpuppen sich als die fanatischsten Vorkämpfer der Islamisierung. Sie beherrschen bereits ganze Vorstädte insbesondere in Paris, in London, in Manchester, so dass diese Vorstädte selbst für Polizeikräfte zu «No-go-Areas» werden. Sie haben in der Banlieue von Paris Dutzende Autos «abgefackelt», als die Classe politique längs den Champs Elysées die glänzende Parade zum Quatorze Juillet abnahm. Das ist die Realität im Land, wo staatlich ausgebildete Imame die muslimische Jugend in die Finger genommen haben.
Die Imame spielen dort gewiss nicht die Rolle der Besänftiger, sie spielen die Rolle der Scharfmacher. Und sollte es welche geben, die sich der Scharfmacherei zu entziehen suchen, werden sie von denen, die in diesen Vorstädten die Macht ausüben, nur allzu rasch «auf den rechten Weg» gebracht. Eine äusserst bedrohliche Entwicklung, auf die in Europa bisher keine überzeugende Antwort gefunden worden ist.
Wissenschaft mit Lücken
Die «wissenschaftliche» Nationalfonds-Studie stellt zu dieser Entwicklung nicht einmal Fragen. Teilrealitäten und Halbwahrheiten prägen also ihren Inhalt. Sorgen von Stimmbürgern, in Volksabstimmungen bereits zum Ausdruck gekommen, wurden bei der Erarbeitung dieser Studie «übersehen». Als Bezahler der Studie werden die bewusst nicht Gefragten um so skrupelloser ausgenutzt.
Die Classe politique kümmert sich erst recht nicht um Hintergründe. Eifrigst und obrigkeitskonform nach Argumenten suchend, die Oberflächliche gegen die bald zur Abstimmung gelangende Minarettverbots-Initiative wohlfeil und im Chor zum Ausdruck bringen können, müssen sie zwangsläufig die Augen vor der Realität der fortschreitenden Islamisierung verschliessen. Die Steuerzahler werden bald erkennen, dass sie angesichts solch politischer Blindheit für die ihnen zugemutete Islamisierung auch noch gewichtige andere als bloss finanzielle Opfer werden leisten müssen.
Ulrich Schlüer