Der
aktuelle Freitags-Kommentar von der «Schweizerzeit»-Redaktion
vom 26. Juni 2009
Dollar-Vorherrschaft neigt sich dem Ende zu
China orientiert sich neu
Noch bemüht sich die US-Regierung, ihrer Steuergesetzgebung - unter Verletzung der Souveränität aller anderen Staaten - weltweite Durchschlagskraft zu verleihen. Die Tage dieser Politik dürften indessen gezählt sein. Die globale Vorherrschaft des Dollars neigt sich ihrem Ende zu.
Auslöser des Umschwungs im weltweiten Währungsgefüge ist China, das Land, das weltweit über die grössten Währungsreserven verfügt.
China kauft Gold
China ist das weltweit einzige Land, das seine milliardenschweren Konjunktur-Ankurbelungsmassnahmen zwecks Eindämmung der sich auch dort verbreitenden Arbeitslosigkeit aus eigenen Reserven, aus gehaltenem Vermögen finanzieren kann und das sich für Rettungsmassnahmen zugunsten der eigenen Wirtschaft nicht uferlos verschulden muss. China forciert im Rahmen seiner Konjunkturankurbelung insbesondere den Infrastrukturausbau. China ist weiterhin der wichtigste Gläubiger der USA. Ein Gläubiger, von dem die USA auf Gedeih und Verderb abhängig sind. Denn China hat seine Exportfähigkeit in den vergangenen Jahrzehnten dadurch gesichert, dass es massiv in Schuldscheine der US-Notenbank (Federal Reserve) investiert hat. Dies bedeutet allerdings, dass der Dollar, sobald sein Kurs sinkt, auch Chinas Währungsreserven beeinträchtigt. Jedem Investor vermittelt dieser Zusammenhang eine gewisse Sicherheit dafür, dass China den Dollar nicht ins Bodenlose sinken lassen wird.
Doch spricht neuerdings einiges dafür, dass sich China währungspolitisch sachte neu orientiert. Einerseits fällt den Beobachtern des Goldmarktes auf: China tritt derzeit als wohl bedeutendster Goldkäufer auf. China erhöht zweifellos den Anteil des Goldes an seinen Währungsreserven. China setzt für die Zukunft stärker auf Gold als auf den Dollar.
China erwirbt Sachwerte
Weitere Tatsachen weisen darauf hin, dass sich China währungspolitisch neu orientiert. China nutzt die sich verschärfende Weltwirtschaftskrise offensichtlich für günstige Einkäufe weltweit. Dass China massive Summen in die Rohstoffausbeutung im an Rohstoffen reichen schwarzen Kontinent investiert, kann seit einigen Jahren festgestellt werden. Der Kampf um die Vorherrschaft im Indischen Ozean - teilweise als Piratenjagd getarnt - illustriert die verstärkte machtpolitische Konkurrenzierung der USA durch China. Als Käufer von Rohstoffen, als Investor in Anlagen der Rohstoffgewinnung, zunehmend aber auch mit Investitionen in Rohstoff verarbeitende Grosskonzerne gibt China zu verstehen, dass es seine allzugrossen Dollarbestände nach und nach zugunsten von Sachwerten, die damit erworben werden, abbaut.
Die Folgen
Chinas Politik der schrittweisen Distanznahme vom Dollar wird gravierende Auswirkungen auf die ohnehin von Turbulenzen erschütterte Währungs-«Ordnung» der ganzen Welt haben. China gibt zu erkennen, dass es sich aus seiner bisherigen Rolle, den Dollar zu stützen, herauszulösen sucht. Das zeigt an, dass die USA mit ihrem imperialen Versuchen, den eigenen Steuergesetzen weltweite Durchschlagskraft zu sichern, in absehbarer Zeit an Grenzen stossen werden. Die solideren Konkurrenten der USA, insbesondere China, zweifellos auch Indien, werden sich den imperialen Ansprüchen Washingtons nicht länger beugen. Für Kleinstaaten wie die Schweiz, die bekanntlich derzeit unter der imperialen, souveränitätsverachtenden Ansprüchen der USA zu leiden hat, bedeutet dies: Widerstand leisten! Die Zeit arbeitet gegen die USA. Vorschnelles Preisgeben von Souveränität ist nicht angebracht.
Klug und weitblickend verhalten sich in solcher Situation jene Staaten, die ihre Goldreserven sachte aber kontinuierlich vergrössern. Das Gold bietet weit mehr Sicherheit als der Dollar. Ein Ratschlag, den auch private Anleger, welche danach trachten, ihr Vermögen zu sichern, derzeit beherzigen sollten.
Ulrich Schlüer