Brisant

Der aktuelle Freitags-Kommentar von der «Schweizerzeit»-Redaktion vom 16. Mai 2008

St. Galler Integrationsbeauftragter applaudiert bosnischem Imam
Auf dem Weg zum Kalifat?


Grosse Feier am Pfingstsamstag in St. Fiden, einem Aussenquartier St. Gallens. Ein bosnisches Gebetshaus wurde eingeweiht. Ein illustrer Gast aus Sarajewo war dazu angereist. Das St. Galler Tagblatt berichtete von einer Idylle der Integration.

Die bosnische Moslem-Gemeinschaft zu St. Fiden, einem Aussenquartier von St. Gallen, erwarb eine Liegenschaft im Gewerbegebiet. Darin wurde ein Gebetshaus eingerichtet - bestehend aus Gebets-, Schulungs- und Jugendräumen. Am Pfingstsamstag wurde das Gebäude eingeweiht. Mit einem Fest, das man sich - so berichtete das St. Galler Tagblatt - schweizerischer eigentlich gar nicht vorstellen könne. Nur die Kopftuch-Trägerinnen und die Imame im Sonntagsstaat hätten daran erinnert, dass ein muslimisches Fest gefeiert wurde.

Lob der Integration

Der St. Galler Integrationsbeauftragte, Beda Meier, nutzte die Gelegenheit, seine von Steuerzahlen ungefragt zu finanzierende Funktion gehörig ins rechte Licht zu stellen. Dass Moslems Liegenschaften für Gebetshäuser neuerdings nicht mehr bloss anmieten, vielmehr käuflich erwerben würden, sei erfreuliches Zeichen positiver, fortschreitender Integration. Eine Demonstration des Integrationswillens. Das St. Galler Tagblatt sah im Fest überdies auch eine Antwort auf die Minarett-Initiative und die «Kultur des Misstrauens», aus der diese Initiative entstanden sei. Die Demonstration des am Fest manifestierten Integrationswillens wische den Generalverdacht, unter dem Muslime hier stünden, wirkungsvoll vom Tisch. Meinte das Blatt.

Imam Mustafa Ceric

Als Attraktion des Tages richtete der eigens aus Sarajewo hergereiste höchste Imam Bosniens, Mustafa Ceric, das Wort an die Gemeinde. Er habe, berichtet das St. Galler Tagblatt, sowohl eindrücklich aktuelle Fragen aufgeworfen, zusätzlich aber auch witzig gesprochen. Als die zwei grössten Probleme der Menschheit habe er die Klima-Erwärmung und den interkulturellen Dialog ins Zentrum seiner Rede gesetzt. Diese Probleme zu lösen sei höchste Zeit; Voraussetzung dazu wäre allerdings, «die Herzen zu ändern». Der kantonale Integrationsbeauftragte überbrachte die Grüsse der sanktgallischen Regierungspräsidentin Kathrin Hilber (SP) und stellte, die Bedeutung seiner Funktion gebührend hervorstreichend, fest, dass es «zur Integration keine Alternative» gebe.

In seiner Begeisterung scheint es dieser staatlich besoldete Amtsträger freilich unterlassen zu haben, sich über Person und Funktion des geladenen Gastes aus Sarajewo etwas näher ins Bild zu setzen. Hätte er wenigstens das Internet konsultiert, wäre er auf aufschlussreiche Positionsbezüge des Imam Mustafa Ceric gestossen. Im vergangenen Dezember veröffentlichte dieser Exponent des europäischen Islam nämlich einen Aufsatz in der Zeitschrift «European View», Organ einer Brüsseler Denkfabrik (Center for European Studies, CES), worin er seine Position zur Integration ganz ungeschminkt präsentierte: Grossmufti Mustafa Ceric formulierte eine klare Absage an die Demokratie. Alle Anhänger des Islam in Europa verpflichtete er wörtlich auf folgenden Standpunkt: «Demzufolge ist die islamische Verpflichtung auf die Scharia immerwährend, nicht verhandelbar und unbefristet.» Die Scharia, so Ceric, sei die Basis, von der aus «alle Muslime in allen Generationen das Recht und die Pflicht haben, über gut und böse, richtig und falsch zu urteilen, in Kontext von Zeit und Raum und in Übereinstimmung mit den eigenen Erfahrungen».

Lautes Lob

Ungeschminkte Aussagen, welche die Idylle der Integration, der sich die Medien und der Integrationsbeauftragte zu St. Gallen so lustvoll hingaben, wohl etwas hätten stören können. Weshalb man sich mit ihnen lieber schon gar nicht befasst. Dafür wird der Präsident des islamischen Dachverbandes Ostschweiz, Hisham Maizar gelobt, der das Ereignis von St. Fiden feiert als «ein Ja zum Respekt gegenüber der Verfassung und den Werten der Schweiz, ein Ja zur Integration, … ein Nein zu Extremismus, Terrorismus, Polarisierung und der Schaffung von Parallelgesellschaften.»

Der Grossmufti aus Sarajewo sieht das freilich ziemlich anders. Die Extremismus-Expertin der deutschen CDU, Kristina Köhler, kommentiert Mustafa Cerics in «European View» zum Ausdruck gebrachte Ansprüche wie folgt: Seine Forderungen liefen darauf hinaus, «dass alle Muslime in Europa unter einem gemeinsamen politischen und geistigen Führer und unter der Herrschaft der Scharia leben - und der Staat soll diese Parallelwelt auch noch per Vertrag garantieren». In der Konsequenz führe das zu einem «europäischen Kalifat». So äusserte sich Kristina Köhler gegenüber «Welt Online».

In St. Gallen glaubt man derweil, dass die so idyllisch dargestellte Gebetshaus-Einweihung von St. Fiden der Integration dienen werde. Angesichts des Positionsbezugs des ausländischen Gastes, Mustafa Ceric, fragt sich nur, wer sich langfristig eigentlich wem zu unterwerfen habe. . .

Peinlicher Schlusspunkt

Den Hinweis auf das Fest in St. Gallen und die Position des Stargastes zu diesem Anlass, Mustafa Ceric, verdanken wir dem deutschen Moslem-Experten Udo Ulfkotte, Autor des Buches «Heiliger Krieg in Europa» (Eichborn, Frankfurt a. M. 2007) und Herausgeber des Info-Dienstes «Whistleblower» (siehe im Internet unter www.akte-islam.de bzw. www.ulfkotte.de). Bei der Konsultation des auf der Website des St. Galler Tagblatts aufgeführten Artikels zur Einweihung des Muslim-Gebetshauses in St. Fiden machte Ulfkotte zusätzlich folgende, für das St. Galler Tagblatt doch recht peinliche Entdeckung: Just hinter dem Artikel fand sich eine Bannerwerbung mit dem Titel «Muslimische Frau heiraten - attraktive muslimische Frauen zum Heiraten finden». Per Mausklick können Leser also gleich einen aktiven Beitrag dazu leisten, dass unser Land noch schneller islamisiert wird. Und das St. Galler Tagblatt verdient daran. . .

Ulrich Schlüer

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