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Der aktuelle Frontseitenkommentar von Chefredaktor Ulrich Schlüer vom 12. Dezember 2008

Angst vor dem Bruch

Zum ersten: Die Schweiz bekommt mit Ueli Maurer eine herausragende Persönlichkeit als Bundesrat: Persönlich betont bescheiden auftretend, eng verbunden mit der Bevölkerung, bestens im Bild über alle sich der Schweiz stellenden Probleme, überzeugend in seinen Standpunkten, konziliant in der Umsetzung getroffener Beschlüsse.

Zum zweiten: Empörend war es, bis zu dieser Wahl mitzuverfolgen, mit welcher Arroganz und Überheblichkeit die Schweizer Polit-Elite die sich anbietende Kompetenz eines Christoph Blocher beiseite schieben zu können glaubt. Da feiert Mittelmass einen beklemmend schnöden «Sieg» über politische und unternehmerische Fähigkeiten, welche in unserem Land ihresgleichen suchen.

Zum dritten: Es war schliesslich – nicht zuletzt im Blick auf die Weltlage – die Angst vor dem endgültigen Bruch der Konkordanz, welche die knappe Wende zugunsten Ueli Maurers bewirkt hat. Mögen sich viele ob der im Vorfeld dieser Wahl bis zum Überdruss inszenierten Windbeutelspiele eines Christophe Darbellay, einer Ursula Wyss, einer Therese Frösch – allesamt Geliebte der Medien – amüsiert haben, im entscheidenden Moment kamen einige Schwankende doch noch zur Besinnung: Wem will man in schwieriger Zeit die Geschicke des Landes anvertrauen, dem soliden, gradlinigen Eidgenossen oder grossmäuligen Ränkeschmieden?

Gewonnen hat in der zustande gekommenen Wahl zweifellos die Schweiz.

Zum vierten: Was für ein Ziel verfolgt denn eigentlich Mitte-Links? Mitte-Links – bekanntlich die Architekten des Erpressungs-Doppelpakets zwecks Verunmöglichung echter Demokratie im Blick auf die Personenfreizügigkeits-Abstimmung – will vor allem dem Volk beibringen, dass man auf seine Meinung bezüglich Regierungszusammensetzung pfeift. Eine Partei wird ja nicht als Geschenk des Himmels zur stärksten Kraft im Land. Ihre Stärke beruht auf den erhaltenen Stimmen, auf dem Vertrauensbeweis des Volkes, geäussert an der Urne. Mitte-Links demonstriert, dass sie jenen Volkswillen, der ihnen nicht passt, als Abfallprodukt behandeln. Beschwören sie einerseits höchst einseitig auf ihre Ideologie getrimmtes Völkerrecht als sakrosankt, treten sie gleichzeitig den in der direkten Demokratie zum Ausdruck gekommenen Wählerwillen mit Füssen.

Gut, dass solch demokratiefeindliche Allüre am 10. Dezember doch Schiffbruch erlitten hat.

Ulrich Schlüer

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