Nr. 32, 19. Dezember 2003

Brisante Informationen zu undurchsichtigen Vorgängen
Die Gold-Verschwörung

von Ferdinand Lips, Privatbankier, Zollikon ZH

Ganze Heerscharen von Professoren, Studenten und Politikern glauben seit bald 100 Jahren an die sich als tragisch erweisenden Theorien und Meinungen von John M. Keynes, der verkündete, dass der Goldstandard ein «barbarisches Relikt» sei. Es gibt wahrscheinlich heute keine einzige Universität auf der Welt, die einen Lehrstuhl für Währungsgeschichte hat. Wie soll also irgendeiner etwas davon verstehen?

Heute sind die entscheidenden Politiker nominell für unser Geld verantwortlich. Nach einem Jahrhundert der Hyper-Inflationen gibt es nur eine einzige Schlussfolgerung: Diese verantwortlichen Leute haben eindeutig schlechte Arbeit geleistet. Sie haben kläglich versagt. Leider ist keine Lösung in Sicht, dass wir Geld bekommen, dessen Kaufkraft stabil ist und über lange Zeit auch stabil bleibt. Flickwerk

Das einzige, was wir von der heute herrschenden politischen Klasse erwarten können, ist Flickwerk. Deshalb möchte ich die jungen Menschen auffordern, «Archäologie» des Geldes zu betreiben und seine Geschichte zu studieren. Die gegenwärtige Situation von einem «Ende der Geschichte» soll zu einem «Beginn der Geschichte» werden. Wir alle wissen: Ohne Kenntnis der Geschichte kann man auch die Zukunft nicht gut meistern. Die einzige Hoffnung, die uns jetzt noch bleibt, ist die junge Generation. Leider bestehen kaum Chancen, dass jemand aus der älteren Generation ihr aus dem gegenwärtigen Geldmorast heraushilft und die Welt vom Abgrund wegführt. Ich möchte die Führungskräfte der Goldminengesellschaften auf der ganzen Welt auffordern, dasselbe zu tun. Machen Sie sich vertraut mit der Geschichte des wertvollsten Rohstoffs, welchen Sie tagtäglich ­ unter vielen Schmerzen, hohen Kosten und Risiken ­ aus der Erde fördern. Dieses Produkt hat einen historischen Verwendungszweck, der viel wichtiger ist als die Verarbeitung zu Schmuck. Es ist die Verwendung des Goldes als Basis unseres Geldes. Warum wird diese Dimension nicht erkannt? Warum überlegte sich Südafrika, der weltgrösste Goldproduzent, nicht eine Vorwärtsstrategie? Warum dachten die Führer der goldproduzierenden afrikanischen Länder nicht an die Ausgabe von goldgedeckten Anleihen, wie die USA dies früher (als sie noch ein Pionierland waren) auch taten? Wenn die Wichtigkeit des Goldes
richtig begriffen wird, wird es keine Terminverkäufe mehr geben und keine Verkäufe mehr zu Schleuderpreisen. Die Minen werden aufhören zu verkaufen und ihr unterbewertetes Gold behalten.

Vielleicht sollten sie eine OGMEC (Organization of Gold Mining and Exporting Countries ­ Organisation
der goldfördernden und exportierenden Länder) gründen. Werterhaltung ­ kein Ziel? Ich würde gern von westlichen Bankiers und Vermögensverwaltern wissen, welche verworrene Logik sie dazu treibt, in ihren Portfolios keinen Platz für Gold zu lassen. Sie sollten aus der Geschichte gelernt haben, dass die
Zukunft des ungedeckten Papiergeldes keine gute Voraussetzung für die Werterhaltung ihrer Kundenportfolios ist. Ich spreche hier in erster Linie die westlichen Bankiers an, denn die Menschen im Osten verfügen über ein besseres Verständnis in bezug auf die Bedeutung des Goldes. Glauben die
Portfolio-Manager tatsächlich, dass Aktien von Unternehmen, welche keine Gewinne erzielen, und Anleihen in schlechten Währungen vernünftige langfristige Anlagen darstellen? Sollten sie nicht viel eher Interesse an gesunden Währungsverhältnissen haben? Es würde ihre Arbeit wesentlich vereinfachen.

Ich frage die Zentralbankiers dieser Welt: Kümmern Sie sich wirklich um das, was Ihre Hauptaufgabe sein sollte: Nämlich die Kaufkraft und Integrität der Währung Ihres Landes zu schützen? Sind Sie wirklich aufrichtig und geben Sie wirklich Ihr Bestes, wenn Sie die Goldreserven Ihres Landes reduzieren, nur um den Erlös in Papiergeldforderungen anzulegen, die dauernd an Schwindsucht
leiden und eines Tages vielleicht nicht einmal zurückbezahlt werden können? Erinnern Sie sich: Kein ernsthafter Bauer würde sein Saatgut verkaufen. Wenn Sie die eben gestellten Fragen nicht mit einem »Ja« beantworten können, dann sind Sie eindeutig fehl am Platz und gehören nicht auf diese Posten.
Von den Politikern werde ich nichts verlangen, denn sie werden sich nie ändern. Alles, was sie mit ihrer Politik erreicht haben, ist, die Kaufkraft des Geldes zu zerstören. Sie sollten lernen, Menschen besser zu verstehen und sich bewusst darüber zu sein, dass sich das Verhalten der menschlichen
Natur seit 6000 Jahren nie geändert hat. Freie Menschen werden immer an Gold glauben, und wenn die wirtschaftliche und finanzielle Situation nichts als Verzweiflung zu bieten hat, werden die Menschen die Gelddruck-Maschinen loswerden wollen ­ mitsamt den Politikern! Dies würde nicht zum ersten Mal
geschehen, und es könnte wieder passieren. Der monetäre Standard ist wichtig, doch der moralische Standard ebenso.

Die Schweiz hat in der Geschichte eine besondere Rolle gespielt: das Geld der Menschen in unsicheren Zeiten zu schützen. Diese unsicheren Zeiten scheinen jetzt permanent zu sein. Indem die Schweiz den Menschen Schutz gewährte, sicherte sie deren finanzielle Sicherheit und persönliche
Freiheit. Heutzutage schenken die schweizerische Regierung, die Schweizerische
Nationalbank (SNB) und die Grossbanken der Geschichte keine Beachtung. Sie haben sich ihren Weg aus der Verantwortung erkauft, aber nicht mit ihrem eigenen Geld, sondern mit dem Geld der Aktionäre und dem Geld, das den Bürgern gehört. Glauben sie wirklich, dass man in der Schweiz im Falle eines
Krieges oder eines Zusammenbruchs des weltweiten Finanzgebäudes noch von «überschüssigem Gold» sprechen wird? Der Grundgedanke für die Schweiz war immer, dass Gold und Freiheit untrennbar miteinander verbunden und deshalb notwendig sind. Warum sollte sich das ändern?


Ferdinand Lips