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Der aktuelle Frontseitenkommentar von Chefredaktor Ulrich Schlüer vom 17. Oktober 2008

Endlich einmal berühmt sein…

Der Moment scheint günstig wie nie. Die Medienleute wetzen die Messer, nach langen Jahren ohnmächtigen Harrens endlich die Chance in greifbarer Nähe glaubend, Christoph Blocher den – endgültigen – Garaus als Politiker zu bereiten. Gibt sich da einer, vorab aus dessen eigenen Reihen, als «Kronzeuge» für süffig präsentierbare «brisante Einzelheiten» her, nimmt Frank A. Meyers Truppe den Wasserträger gerne vorübergehend auf zu den «Grossen der Zeit». Also drängen sie sich vor Kameras und Mikrofone. Anfänglich allerdings darauf bedacht, den eigenen Namen noch zu schützen, sich also in der Allerweltskategorie der medial behaupteten «vielen Stimmen» zu verstecken, mit denen die professionellen Häme-Ausschütter aus Ringiers und Tamedias Küchen den «Wandel in der Politlandschaft» glauben herbeireden zu können.

Die ins Rampenlicht drängenden Zuträger meiden nur eines – wohl wissend, dass solches bei Kampagnen-Profis nicht populär ist: Kein Wort vom Programm, das «nach Blocher» gelten soll. Kein Wort, ob sie dessen so erfolgreichen Kampf für die Unabhängigkeit der Schweiz weiterführen werden, weiterführen wollen, weiterführen können. Als Ersatzstoff für fehlende politische Strategie wird öffentliches Turteln mit neuer Freundin exklusiv dem «Blick» vorgeführt. So anpassungsfähig, so biegbar lieben Boulevard-Journalisten formatlose Informanten. Bereitwillig verschont er dafür den Exhibitionisten von der nicht ganz unwesentlichen Frage, ob er, der er ja erst vor Jahresfrist einen «Vertrag mit dem Volk» als Bekenntnis zu unveräusserbaren politischen Zielen unterzeichnet habe, neuerdings Komplotteuren vom Format eines Christophe Darbellay und einer Ursula Wyss das Privileg zubillige, die Liste diktieren zu dürfen, wer als «anpassungsfähig genug» eingestuft wird, dass ihm selbst mit dem Etikett «SVP» das Tor in die Landesregierung geöffnet werden könnte. Frank A. Meyer kalkuliert im Hintergrund präzis: Die Anpasser sind die effizientesten Totengräber eines politischen Programms, dem Hunderttausende einst Vertrauen geschenkt haben. Denn um die Zerstörung dieses Programms geht es – auf dass die Schweiz in absehbarer Zeit doch noch Brüssel zugeführt werden kann.

Ein Glück, dass die Zuträger dem «Blick» gerade auch noch die Portrait-Liste der behaupteten Säger an Blochers Stuhl übermittelt haben. Mag in dieser Galerie auch Konkurrenz-Gerangel im Strampeln nach Bundesrats-Ehre gewisse Verfälschungen bewirkt haben. Der denkende Teil der Öffentlichkeit erkennt daraus, wer – weil für Ringier-Applaus selbst «stählerne Überzeugungen» verhökernd – für die Landesregierung gewiss alles andere als tauglich ist.

Ulrich Schlüer

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