Spalte rechts

Der aktuelle Frontseitenkommentar von Chefredaktor Ulrich Schlüer vom 23. November 2007

Zum Selbstbelobigungs-Buch von Christophe Keckeis
Abgang mit Abgesang


Vor Christophe Keckeis hatte die Schweizer Armee - ausser in Kriegszeiten - nie einen alleinigen Chef, nie einen allein verantwortlichen Friedensgeneral. Wenn Keckeis heute, kurz vor seinem Abgang, die Armee als untauglich erklärt, das Land zu schützen, so ist das nichts anderes als das Eingeständnis eigener Untauglichkeit.

Das Problem unserer Armee heisst Keckeis. Zumindest das dürfte mit dem peinlichen Selbstbelobigungs-Buch von Christophe Keckeis, für das die Bundeskasse einfach so um hunderttausend Franken erleichtert werden soll, deutlich geworden sein. Als oberster Chef der Armee hat Keckeis versagt. Es war Keckeis, der immer nur vom Ausland träumte, mit Transportflugzeugen, mit Einsatzdetachementen, mit (verheimlichten) Materiallieferungen an die Nato. Sprache, Signaturen, Truppenaufbau: Alles nach Nato-Vorgabe. Was in der Schweiz hätte angepackt werden müssen, hat er vernachlässigt. Sträflich vernachlässigt. Vor allem die Logistik, die früher so vorbildlich funktionierende Versorgung der Armee mit allem, was die Einheiten zur Erfüllung ihrer Aufträge benötigen. Heute erhalten WK-Verbände bestellte Rad-Schützenpanzer mit abgefahrenen Pneus. Selbst im Winter! Sie erhalten nicht gewartetes Material. Ein Drittel funktioniert nicht, wurde nicht repariert. Zustände, wie bei der Bourbaki-Armee nach deren Zusammenbruch. Weil die Armeespitze die Logistik sträflich vernachlässigt. Wer früher untaugliches Material an die Truppe abgab, landete in der Kiste. Heute werden diejenigen gemassregelt, die den jämmerlichen Zustand des gescheiterten zentralisierten Logistik-Konzepts kritisieren.

Wo liegt denn der Kern des Versagens von Christophe Keckeis? Man beachte bloss seinen Wortschatz: Lieber beisst er sich die Zunge ab, als dass er je das Wort "Unabhängigkeit" in den Mund nähme. Er sah sich als "Sicherheits-Produzent". Aber niemand wusste, wofür er "Sicherheit produzieren" wollte. Weil Keckeis mit der Schweiz, mit den Schweizern offenbar nichts anzufangen weiss, weil er sich blind stellt vor der Tatsache, dass die Schweizer eine unabhängige, eigenständige, neutrale, ihr Schicksal selber bestimmende Schweiz wollen. Keine EU-Schweiz. Und schon gar keine Nato-Schweiz.

Keckeis wollte unsere Armee dagegen zu einer "Teilstreitkraft" im EU-Verbund oder im Nato-Verbund umgestalten. Wäre es ihm gelungen, hätte er die Armee zerstört. Weil eine Armee, die nicht der Unabhängigkeit des Landes dient, eine Armee ohne Fundament, eine vom Volk nicht mehr verstandene Armee ist.

Ulrich Schlüer

**Weitere Kommentare**