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Der
aktuelle Frontseitenkommentar von Chefredaktor Ulrich Schlüer vom 17.
Dezember 2004
Armee-Auslandeinsätze nicht mehr strikt freiwillig
Gezwungen ins Ausland
Das Schweizervolk
hat - es ist noch nicht so lange her - Auslandeinsätze von Schweizer
Soldaten mitsamt Bewaffnung «zum Selbstschutz» knapp gutgeheissen.
Mit ausschlaggebend für das knappe Ja war damals eine ganz bestimmte
bundesrätliche Zusicherung: Auslandeinsätze seien immer freiwillig.
Niemand werde je zu einem Auslandeinsatz mit der Armee gezwungen. So wurde
es schwarz auf weiss versprochen.
Das gilt jetzt nicht mehr. Räumt doch die Armee-Spitze unter ihrem Chef,
Christophe Keckeis, den Auslandeinsätzen absolute Priorität ein.
Er will sie mindestens verdoppeln. In der Schweiz und für die Schweiz
wird die Armee gleichzeitig abgebaut. Laufend und massiv abgebaut. Ohne viel
Rücksicht auf
die Sicherheit des Landes. Dazu ein Beispiel: Die Zahl der Flugplätze
für die Schweizer Flugwaffe soll auf drei reduziert werden. Dies im Zeitalter
der Terroranschläge, die feste Einrichtungen - zum Beispiel Flugplätze
- besonders gefährden. Mit drei Flugplätzen, argumentiert Christophe
Keckeis, erreiche die Schweiz eine höhere Flugplatz-Dichte als selbst
die USA. Was für ein Unsinn! Entscheidend ist doch, dass mit drei gezielten
Überraschungsschlägen alle drei Flugplätze - und damit unsere
gesamte Flugwaffe - ausgeschaltet werden können. Werden dagegen zwanzig
oder mehr US-Flugplätze getroffen, ist die US-Luftwaffe noch immer nahezu
vollumfänglich einsatzfähig.
Kluge Dezentralisierung der Armee-Infrastruktur vermindert ihre Verletzlichkeit
durch Terrorangriffe. Solche Dezentralisierung müsste Teil überlegter
Verteidigungs-Strategie sein, abgestimmt auf erkannte
Gefährdungen. Aber an solchen Fragen hat der heutige Chef Armee kein
Interesse. Er will mit der Armee ins Ausland. Die Mittel beschafft er sich
mittels Armee-Reduktion im Inland. Punkt.
Und weil sich nicht genug Freiwillige für die hochzufahrenden Auslandeinsätze
melden, wird das Versprechen bezüglich Freiwilligkeit ausgehöhlt.
Zunächst für Instruktoren. Diese müssen sich heute vertraglich
bereit erklären, Auslandeinsätze zu leisten. Sonst gefährden
sie ihre Anstellung. Solche, die
vor allem dem eigenen Land dienen wollen, Ausland-Engagements aber nicht wünschen,
sind für die Keckeis-Armee unbrauchbar. Der Departementschef, Bundesrat
Samuel Schmid, lässt den auslandversessenen Keckeis gewähren. Nicht
erkennend, dass eine Armee, deren Aufgabe nicht mehr
der Schutz des eigenen Landes ist, in der Schweiz ihr Fundament verliert.
Ulrich Schlüer