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Der aktuelle Frontseitenkommentar von Chefredaktor Ulrich Schlüer vom 24. November 2006

Von Politikern, Grundsätzen und Zahlungen
Lieber verschleudern sie Milliarden

Die Gewalt rund um Schulhäuser nimmt immer bedrohlichere Formen an. Nicht nur in "Problemquartieren" der grossen Städte mit sehr hohem Ausländeranteil - etwa in Oerlikon. Auch Dörfer wie Rhäzüns, wie Felsberg sind davon betroffen.

Doch eine breite Mitte-links-Parlamentsmehrheit glaubt, mittels Milliarden-Verteilung übertünchen zu können, dass in unserem Land das Fundament der Bildung, die Volksschule, wegbricht. Während das Parlament - ohne konkrete Projekte im Hintergrund - darüber streitet, ob für Bildung künftig eine, zwei oder drei Milliarden mehr aufgewendet werden sollen, vernimmt man aus den Problemschulhäusern Zürichs, das Lehrziel mit Real-Abschlussklassen sei heute bereits dann faktisch erreicht, wenn keine der vierzehnjährigen Schülerinnen schwanger, keiner der vierzehnjährigen Schüler kriminell und niemand in der Klasse drogensüchtig geworden sei. Von Bildungszielen ist schon gar nicht mehr die Rede.

Die Parlamentsmehrheit schwemmt Milliarden in Familienzulagen. Und glaubt, sich damit selber darüber hinweg täuschen zu können, dass die von Funktionären ihrer Autorität und ihrer Verantwortung zunehmend beraubten Familien immer weniger Hort sein können für das Heranwachsen von Jugendlichen in geborgener, an Wertvorstellungen orientierter solider Erziehung.

Die Parlamentsmehrheit will derzeit ziellos Milliarden in den Osten schütten, appelliert dabei an "Solidarität", obwohl die Zahlung einer Erpressung entspringt. Schwadroniert gleichzeitig von "Investitionen" - und glaubt offenbar, sich selbst, ihre ganze Umwelt und vor allem auch alle die Schulden von heute dereinst erbenden Nachkommen darüber hinwegtäuschen zu können, dass wertschöpfende Leistung nur gedeiht, wo für eine Investition auch Gegenleistungen gefordert werden.

Sie lobpreisen das Frühenglisch und das Frühfranzösisch grosssprecherisch als "Bildungs-Quantensprung" unserer Zeit - und blenden aus, dass es zunehmend Schulklassen gibt, die vor lauter Multikulti Monate benötigen, bis sich Schüler und Lehrer in einer Art Pseudo-Deutsch wenigstens einmal verständigen können.

Der Glaube, all diese Probleme mit Geld, mit Millionen und Milliarden zuschütten zu können, scheint ungebrochen. Ob das aufrüttelnde Geschehen von Oerlikon, von Steffisburg, von Rhäzüns, von Felsberg eine Wende einzuleiten vermag?

Ulrich Schlüer

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