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Der
aktuelle Frontseitenkommentar von Chefredaktor Ulrich Schlüer vom 23.
Dezember 2005
Pläne für Armee-Auslandeinsätze
Jetzt also Afghanistan
In der Schweizer
Armee zirkulieren als "vertraulich" etikettierte Fragebogen. Gerichtet
an Fallschirmjäger. Absender: Die Luftwaffe. Ein Begleitbrief, datiert
vom 8. November 2005, erklärt die Bedeutung der Umfrage: Korpskommandant
Christophe Keckeis, Chef der Schweizer Armee, habe den Auslandeinsatz nunmehr
auf den zweiten Platz der Armeeaufgaben befördert. Deshalb brauche es
"Aufklärungs- und Grenadier-Formationen" für "Operationen
im Ausland". Nicht bloss einzelne Freiwillige. Nein, "Formationen"
sind gefragt. Der Fragebogen will die "Einsatzbereitschaft" der
Fallschirmjäger-Kompanie 17 für den Auslandeinsatz erkunden.
Gefragt wird auch nach der Risikobereitschaft der Ausland-Abenteurer. Ob sie sich auch "in Gebieten potentieller Gewaltanwendung" einsetzen liessen. Wörtlich: Ob Einsätze im Irak und in Afghanistan in Frage kämen. Oder ob bloss tiefes Risiko wie in Kosovo in Kauf genommen werde.
Die Umfrage bewegt sich keineswegs im luftleeren Raum. Armee-Chef Keckeis stellt bereits ein Rekognoszier-Detachement zwecks Erkundung von Operationseinsätzen in Afghanistan zusammen. Leiter: Ein NZZ-Redaktor. Ziel: Kunduz - ein Gebiet, das als Taliban-freundlich gilt. Idealer Standort offenbar für Schweizer Truppen.
Die Armee-Führung will noch mehr wissen: Ob Gattin oder Freundin mit einem Afghanistan-Einsatz des Partners einverstanden seien? Eine Frage, die zeigt, in welch bedenklichem Ausmass Christophe Keckeis das Miliz-Prinzip für die Schweizer Armee bereits zu zerstören vermochte. Oder wurden, wenn die Armee je zur Behauptung der Unabhängigkeit der Heimat aufgeboten werden musste, zuvor jeweils die Ehepartnerinnen um ihr Einverständnis angefragt? Für Berufsoffiziere hat das VBS Auslandeinsätze übrigens bereits als obligatorisch deklariert. Wer sich weigere, habe mit Entlassung zu rechnen. Das in der Volksabstimmung abgegebene Versprechen, wonach Auslandeinsätze freiwillig seien, hat Keckeis in Makulatur verwandelt.
So soll Armee-Chef Keckeis den Tarif erfahren, den ihm der Souverän entgegenhält: Wenn er von seinem Verrat an Neutralität und Miliz nicht schleunigst abrückt, werden neue Kampfflugzeuge für die Armee nie und nimmer bewilligt.
Die Frage ist bald zu
beantworten. Armee-Chef Christophe Keckeis (und VBS-Chef Samuel Schmid) sind
gefordert.
Ulrich Schlüer