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Der aktuelle Frontseitenkommentar von Chefredaktor Ulrich Schlüer vom 24. Oktober 2003

Die Kernfrage
Christoph Blocher als Bundesrat?

Die Weichenstellung geschah 1978. Bereits im Folgejahr der Wahl Christoph
Blochers zum Präsidenten der Zürcher SVP wurde ­ vorerst im Kanton Zürich ­
ein eigentlicher Aufbruch der SVP sichtbar. Seither legt der damals eingeschlagene
Kurs zu ­ kontinuierlich, markant. Ausgehend vom Kanton Zürich übertrug er sich auf
die Ostschweiz, auf die Zentralschweiz, auf die Nordwestschweiz. Schritt für
Schritt setzte er sich selbst im Bernbiet durch. Jetzt, im Jahr 2003,
erzielt er ­ was ihm vor vier Jahren niemand zugetraut hätte ­ selbst im
Welschland einen spektakulären Durchbruch.
Tausendfach ist er geschmäht, ausgegrenzt, verunglimpft, mitunter regelrecht
diabolisiert worden. Aber das Volk, der Souverän, hat ihn im
Vierjahresabstand nicht bloss bestätigt; der Souverän trug Christoph Blocher
mit der von ihm bestimmten Politik vielmehr buchstäblich von Wahlsieg zu
Wahlsieg. Blocher war nicht allein auf seinem Kurs. Aber er war Architekt
und Motor dieses Kurses: für eine unabhängige Schweiz, für eine sichere
Schweiz, wo Recht auch gegen Asylmissbrauch durchgesetzt wird, wo die von
der Linken und ihren Funktionären hemmungslos betriebene Umverteilung
mittels Ausplünderung von Volk und Wirtschaft durch immer mehr Steuern,
Abgaben und Gebühren endlich unterbunden wird.
Eine Mehrheit von Linken und orientierungslosen Linksbürgerlichen hat die
Schweiz in eine Sackgasse geraten lassen. Sie aus dieser Sackgasse
herauszuführen, sie als freies, wirtschaftskräftiges Land wieder aufleben zu
lassen, bedarf konzentrierter Anstrengung ihrer besten Köpfe.
Weil in der Schweiz keine Partei allein regieren kann, fanden sich die
grossen Parteien in der Konkordanz. Mit der Idee: Jede Partei stellt ihre
fähigsten Macher für die Regierung zur Verfügung ­ dem Wohl des Landes
verpflichtet. Die SVP ­ seit 1979 siebenmal hintereinander Wahlsiegerin ­
schlägt jetzt ihren fähigsten Exponenten, der seine Führungskraft in Politik
und Wirtschaft längst aufs eindrücklichste bewiesen hat, für die
Landesregierung vor.
Die Frage, die alle andern beantworten müssen, lautet einzig: Besteht
angesichts der Krise, in welche die Schweiz nicht zuletzt aufgrund ihrer
schwachen Regierungen geraten ist, die Bereitschaft, wirklich einen der
Besten für die Landesregierung zu akzeptieren. Oder will eine ­ auf dem
Papier machbare ­ linksbürgerliche Mehrheit dem Land einmal mehr
Mittelmässigkeit aufzwingen, damit man sich an der Spitze weiterhin dem
Pöstchenschacher widmen kann?
Mit andern Worten: Wollen die Freisinnigen anstelle von Blocher lieber einen
dritten Sozialisten im Bundesrat?

Ulrich Schlüer


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