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Der aktuelle Frontseitenkommentar von Chefredaktor Ulrich Schlüer vom 06. November 2002

Untauglich
Initiative «gegen Asylmissbrauch»

Die Volksinitiative «gegen Asylmissbrauch» sei untauglich. Sagt neuerdings auch unser Verteidigungs-minister. Nachdem er bis vor kurzem «die Stossrichtung» dieser Initiative noch als «durchaus richtig» gelobt hatte. Was führt den VBS-Chef zu seinem Schwenker, zu seiner opportunistischen Einordnung ins Berner Machtkartell? Er liefert die Erklärung selber: Der Bundesrat habe eben «seither etwas unter-nommen». Argumentiert Bundesrat Samuel Schmid.

In der Tat: Auch Bundesrat Samuel Schmid, verantwortlich für die Schweizer Armee, hatte ausreichend Gelegenheit, entschlossenes Handeln gegen hiesiges Recht buchstäblich mit Füssen tretende Aus-länder ­ auch Asylanten ­ zu beweisen. Wurden doch an verschiedenen Orten ­ am massivsten in Aarau, zusätzlich auch in Winterthur, in Wetzikon, in Payerne, in Neuenburg und anderswo ­ schwere Tätlichkeiten von jungen, ausnahmslos ausländischen Schlägern gegen uniformierte Schweizer Wehr-männer Tatsache. Tätlichkeiten, die teilweise erheblich Verletzte forderten. Die Armeeführung, auch Bundesrat Samuel Schmid, wurden zu energischem Durchgreifen aufgefordert. Es geschah allerdings nichts. Die Schläger, deren unverzügliche Ausweisung aus der Schweiz vergeblich verlangt wurde, stellten sich vielmehr in aller Dreistigkeit für Presse-Interviews zur Verfügung. Dabei stiessen sie weitere, massive Drohungen gegen Uniformierte aus. Völlig ungestraft!

Der auch im Parlament erhobenen Forderung, tätliche Angriffe auf uniformierte Soldaten wenigstens zu Offizialdelikten zu erklären, womit sie von Staates wegen (nicht bloss auf Anklage von Geschädigten) verfolgt und geahndet werden müssten, wich das Departement Schmid kläglich aus. Das Departement werde, legte Bundesrat Samuel Schmid fest, von sich aus bloss tätig, wenn Soldaten «in Ausübung ihrer Dienstpflicht» tätlich angegriffen würden. Also etwa bei kommandierten Marschübungen auf dem Kasernenhof. Oder während eines Gefechtsschiessens. Aber nicht, wenn sich die Soldaten ­ obwohl uniformiert ­ im Ausgang befänden. Sie könnten sich ja gruppenweise im Ausgang bewegen. Oder notfalls davonrennen...

Tatsächlich: Die Landesregierung hat ihre Visitenkarte bezüglich Kompetenz und Entschlossenheit gegenüber Asylmissbrauch und Ausländerkriminalität hinreichend bewiesen. Und allzu vieles erwies sich als jämmerlich und untauglich.

Die SVP-Initiative «gegen Asylmissbrauch» gehört allerdings nicht in diese Kategorie.

Ulrich Schlüer

 

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