Nr. 28, 06. November 2002
Mal glaubwürdig,
mal unglaubwürdig?
Der gleiche Experte
Als die SVP ihre Volksinitiative «gegen Asylmissbrauch» vorbereitete,
zog sie nebst anderen den an der Universität Konstanz lehrenden Professor
Kay Hailbronner als international an-erkannten Experten in asylpolitischen
Fragen als Berater bei.
Neuerdings stellt sich
heraus: Der gleiche Berater (der insbesondere auch die deutsche Bundes-regierung
zu Fragen der Asylpolitik berät) ist auch für das Departement von
Bundesrätin Ruth Metzler tätig. Und seltsam: Im Departement Metzler
werden die Fachkenntnisse von Professor Kay Hailbronner äusserst unterschiedlich
bewertet. Arbeitet er für den Bund, sind seine Schlussfolgerungen und
Er-kenntnisse «wertvoll». Stellt er die genau gleichen Schlussfolgerungen
und Erkenntnisse aber der SVP zur Verfügung, dann werden diese vom Departement
Metzler pauschal und völlig undifferenziert als «untauglich, unpraktikabel,
realitätsfremd und nicht durchdacht» vom Tisch gewischt.
Dabei ist offensichtlich: Professor Hailbronner hat beide Seiten, die SVP
und das Departement Metzler, auf der Grundlage der genau gleichen Fakten und
Überlegungen in genau gleichem Sinn beraten. Beiden Seiten hat er die
Einführung einer verbesserten «Drittstaatenregelung» empfohlen
als wirksames Mittel, die Attraktivität der Schweiz für illegale
Einwanderer spürbar zu senken. Allerdings: Die SVP präsentiert eine
Drittstaatenregelung «mit Zähnen», das Departement Metzler
dagegen eine zahnlose, von der Zustimmung von Nachbarländern abhängig
gemachte.
Was muss man aus dieser unterschiedlichen offiziellen Sehweise schliessen?
Wohl vor allem, dass das Departement Metzler sehr tendenziös, sehr pauschal
urteilt. Was der Meinung der Departements-vorsteherin entspricht, ist generell
gut. Was von einer Bewegung genutzt wird, die von Frau Metzler als Gegnerin
eingestuft wird, ist generell schlecht selbst wenn es sich beide Male
um identische Äusser-ungen handelt.
S