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Der
aktuelle Frontseitenkommentar von Chefredaktor Ulrich Schlüer vom 9.
Dezember 2005
Bundesrätliche Swisscom-Intervention
Notbremse
Die Swisscom
ist eine von ihrer Substanz her kerngesunde Firma. Im Moment noch. Genau wie
seinerzeit die Swissair, bevor deren Management auf seine verhängnisvolle
"Hunter-Strategie" verfiel und im Ausland gleich reihenweise marode
Gesellschaften aufkaufte. Bis die Kasse nur noch Milliardenlöcher auswies.
Beunruhigt ob des rasanten technischen Wandels - Telefonieren via Internet macht Festnetze bald überflüssig - erscheint die operative Führung der Swisscom bezüglich einzuschlagender Strategie unschlüssig. In deutlichem Gegensatz zu früher geäusserten Absichten steht plötzlich eine milliardenschwere Expansion ins Ausland ganz oben auf der Traktandenliste. In der Vergangenheit hat das Swisscom-Management mit Auslandabenteuern gewaltige Verluste eingefahren. Insgesamt fast 5 Milliarden, allein mit der deutschen Debitel 3,5 Milliarden. Den Schaden tragen die Steuerzahler, denn die Swisscom gehört zu zwei Dritteln dem Bund. Soweit die Tatsachen.
Ins Visier für die Auslandexpansion fasste die Swisscom Telekom-Gesellschaften in Irland, Dänemark und Holland. Deren Ruf ist zweifelhaft. Teilweise sind sie stark verschuldet. Sie sind keine "Perlen". Swisscom wollte für diese Gesellschaften rund 22 Milliarden Franken hinblättern. Ohne massive Verschuldung ginge das nicht.
Damit stand der Hauptaktionär Bund vor einer schwierigen Frage: Wenn diese Swisscom-Expansion als viel zu riskant, als viel zu abenteuerlich, als der verhängnisvollen "Hunter-Strategie" der Swissair viel zu ähnlich eingeschätzt wird - zu welchem Zeitpunkt muss der Hauptaktionär dann die Notbremse ziehen? Dann, wenn der Konzern noch gesund, die verderbliche Ausland-Expansion also noch nicht vollzogen ist? Oder erst dann, wenn alle Käufe erfolgt sind, wenn nichts mehr korrigiert werden kann? Dann, wenn der Zug vor dem Abgrund noch aufgehalten werden kann? Oder erst dann, wenn er schon im Abgrund liegt?
Die Swissair lieferte
das Beispiel, was herauskommt, wenn auf verhängnisvolle Fehler viel zu
spät reagiert wird: Sie war nicht mehr zu retten. Sie ging unter. Alle,
die jetzt wie aufgescheuchte Hühner herumgackern, da habe Blocher dem
neuerlichen Swisscom-Auslandabenteuer viel zu früh und viel zu abrupt
Halt geboten, scheinen völlig blind dafür zu sein, dass damit der
Bundeskasse und dem Schweizervolk wohl ein Milliarden-Desaster erspart worden
ist.
Ulrich Schlüer