Nr. 27, 26. November 2004
Auszug aus dem neuen Buch «Die Kraft
der Vernunft»
Die «Politik des Bauches»
Von
Oriana Fallaci
Man riskiert den bürgerlichen Tod, wenn
man dieses Thema anschneidet. Im unterjochten Europa ist das Thema der islamischen
Fruchtbarkeit ein Tabu, an das niemand zu rühren wagt.
Wenn du es versuchst,
landest du geradewegs wegen Rassismus, Fremdenfeindlichkeit, Blasphemie vor
Gericht. Nicht zufällig gehörte zu den Anklagepunkten des Prozesses,
der mir in Paris gemacht wurde, ein Satz (brutal, das gebe ich zu, aber treffend),
mit dem ich mich ins Französische
übersetzt hatte. «Ils se multiplient comme les rats.»
Zahlen und Absichten
Doch kein für die Freiheit bedrohlicher Prozess wird je die Tatsache
negieren können, der sie sich selbst rühmen. Nämlich, dass
die Zahl der Muslime im letzten halben Jahrhundert um 235 Prozent gestiegen
ist. (Die der Christen nur um 47 Prozent.) Dass sie 1996 eine Milliarde und
483 Millionen zählten. 2001 eine Milliarde und 624 Millionen. 2002 eine
Milliarde und 657 Millionen. (Die Daten von 2003 fehlen noch, aber ich vermute,
dass sie bei einem Rhythmus von dreiunddreissig Millionen pro Jahr heute mindestens
eine Milliarde und 690 Millionen zählen.)
Kein freiheitsbedrohender Richter wird je die von der Uno gelieferten Daten
ignorieren können, die den Muslimen eine Zuwachsrate zwischen 4,6 und
6,4 Prozent pro Jahr bescheinigen. (Den Christen nur 1,4 Prozent.) Bezweifelt
man diese Angaben, braucht man sich nur daran zu erinnern, dass die am dichtesten
bevölkerten Regionen der ehemaligen Sowjetunion die muslimischen sind,
angefangen bei Tschetschenien. Dass in den sechziger Jahren die Muslime im
Kosovo 60 Prozent ausmachten. In den neunziger Jahren 90 Prozent. Und heute
hundert Prozent. Kein freiheitsmordendes Gesetz wird je widerlegen können,
dass sich in den siebziger und achtziger Jahren die Schiiten eben dank dieser
überwältigenden Fruchtbarkeit Beirut aneignen und die christlich-maronitische
Mehrheit entmachten konnten. Noch weniger wird es bestreiten können,
dass in der Europäischen Union die muslimischen Neugeborenen jedes Jahr
zehn Prozent ausmachen, dass sie in Brüssel auf dreissig Prozent kommen,
in Marseille auf sechzig Prozent und dass der Prozentsatz in verschiedenen
italienischen Städten dramatisch ansteigt. Daher werden die Enkel Allahs
im Jahr 2015 in Italien mindestens eine Million zählen.
Aber vor allem braucht man sich nur daran zu erinnern, was Boumedienne (von
dem Ben Bella drei Jahre nach der Unabhängigkeit Algeriens mit einem
Staatsstreich abgesetzt worden war) 1974 vor der Versammlung der Vereinten
Nationen sagte: «Eines Tages werden Millionen Menschen die südliche
Hemisphäre verlassen, um in der nördlichen Hemisphäre einzufallen.
Und gewiss nicht als Freunde. Denn sie werden als Eroberer kommen. Und sie
werden sie erobern, indem sie sie mit ihren Kindern bevölkern. Der Bauch
unserer Frauen wird uns den Sieg schenken.»
Ziel: «Demographische Überlegenheit»
Er sagte nichts Neues. Noch weniger etwas Geniales. Die Politik des Bauches,
das heisst die Strategie, Menschen zu exportieren und sie reichlich Kinder
gebären zu lassen, ist schon immer das einfachste und sicherste Vorgehen
gewesen, um sich ein Gebiet anzueignen, ein Land zu dominieren, ein Volk zu
verdrängen oder zu unterjochen. Und seit dem achten Jahrhundert haben
sich die islamischen Expansionsbestrebungen stets dieser Strategie bedient.
Nicht selten durch Vergewaltigung oder Konkubinat. Erinnere dich daran, was
ihre Besatzungstruppen in Andalusien, in Albanien, in Serbien, in Moldawien,
in Bulgarien, in Rumänien, in Ungarn, in Russland angerichtet haben.
Und auch in Sizilien, in Sardinien, in Apulien, in der Provence. Auch in Kaschmir
und in Indien. Von Afrika ganz zu schweigen. Angefangen bei Ägypten und
dem gesamten Maghreb.
Mit dem Niedergang des Osmanischen Reiches hatte die Politik des Bauches jedoch
an Schwung verloren, und Boumediennes Rede klang wie ein Trompetenstoss, der
die Pflichtvergessenen aufrütteln sollte. In der Tat beendete die Organisation
der Islamischen Konferenz ihre Tagung in Lahore im selben Jahr mit einem Beschluss,
der auch das Vorhaben umfasste, den Immigrantenstrom in Richtung des europäischen
Kontinents (zu der Zeit noch bescheiden) in «demographische Überlegenheit»
zu verwandeln.
Und heute ist aus diesem Vorhaben längst eine Vorschrift geworden. In
allen Moscheen Europas wird das Freitagsgebet von einer Ermahnung begleitet,
die die muslimischen Frauen anstachelt, «jede mindestens fünf Kinder
zu gebären». Nun, fünf Kinder sind nicht wenig. Im Fall des
Immigranten mit zwei Ehefrauen werden es zehn. Oder mindestens zehn. Im Fall
des Immigranten mit drei Ehefrauen werden es fünfzehn. Oder mindestens
fünfzehn. Und komm mir nicht damit, dass Polygamie bei uns verboten ist,
sonst wächst meine Empörung, und ich erinnere dich daran, dass du
als italienischer oder
französischer oder englischer etc. Bigamist geradewegs im Gefängnis
landest. Einem algerischen oder marokkanischen oder pakistanischen oder sudanesischen
oder senegalesischen Bigamisten wird jedoch kein Haar gekrümmt.
Zweierlei Gesetz
1993 wurde in Frankreich ein Gesetz erlassen, das die Einwanderung von Polygamisten
verbot und die Ausweisung derer autorisierte, die bereits eingewandert waren
und folglich mit mehreren Ehefrauen lebten. Aber die Makkabäer der Political
Correctness und die Dritte-Welt-Aktivisten, die immer nur die armen Opfer
sehen, begannen im Namen der Menschenrechte und der ethnisch-religiösen
Pluralität zu protestieren. Sie warfen dem Gesetzgeber Intoleranz, Rassismus,
Fremdenfeindlichkeit, Neokolonialismus vor, und heute findest du polygame
Immigranten in Frankreich überall. Im übrigen Europa genauso. Einschliesslich
Italien, wo der Artikel 556 des Strafgesetzbuches für dieses Vergehen
bis zu fünf Jahre vorsieht und wo man noch nie einen Prozess oder eine
Ausweisung wegen Polygamie erlebt hat. Ich weiss von einem Maghrebiner, der
in der Toskana mit zwei oder drei Ehefrauen und einem Dutzend Kinder lebt.
(Die Zahl der Kinder ist ungewiss, weil immer mal wieder eins geboren wird.
Die Zahl der Frauen, weil sie nie zusammen ausgehen und ausser dem Tschador
auch den Nikab tragen, die Maske, die das Gesicht ab der Nasenwurzel bedeckt,
so dass sie alle gleich aussehen.) Eines Tages fragte ich einen Beamten des
Polizeipräsidiums, aus welchem Grund es dem Maghrebiner erlaubt sei,
gegen den Artikel 556 zu verstossen. Und die Antwort lautete: «Aus Gründen
der öffentlichen Ordnung.» Eine Umschreibung, die - in einfache
Worte übersetzt - bedeutet: «Um ihn
nicht gegen uns aufzubringen, um seine Landsleute und deren Freunde nicht
zu reizen.»
Und in ehrliche Worte übersetzt, bedeutet sie: «Aus Angst.»
Angst
Jawohl. Im brennenden Europa grassiert wieder die Krankheit, die im letzten
Jahrhundert auch die nicht faschistischen Italiener zu Faschisten, die nicht
nationalsozialistischen Deutschen zu Nazis, die nicht bolschewistischen Russen
zu Bolschewiken werden liess. Und die jetzt auch die zu Verrätern macht,
die keine sein möchten: die Angst.
Sie ist eine tödliche Krankheit, die Angst. Eine Krankheit, die, genährt
von Opportunismus, Konformismus, Wendehals-Mentalität, Karrieredenken
und natürlich Feigheit, mehr Opfer fordert als der Krebs. Eine Krankheit,
die im Gegensatz zum Krebs ansteckend ist und alle befällt, die sie auf
ihrem Weg trifft. Gute und Böse, Dumme und Intelligente, Gauner und Gentlemen.
Ich habe in diesen zwei Jahren schreckliche Dinge gesehen aufgrund von Angst.
Viel schrecklichere Dinge als die, die ich im Krieg gesehen habe, wo man in
Angst lebt und stirbt. Ich habe Politiker gesehen, die sich prahlerisch in
Pose warfen und die aus Angst die weisse Fahne gehisst haben. Ich habe Liberale
gesehen, die sich als Paladine des Laizismus bezeichneten und dann aus Angst
begannen, das Loblied des Korans zu singen. Ich habe Freunde oder angebliche
Freunde gesehen, die, wenn auch vorsichtig, auf meiner Seite
standen und die aus Angst eine Kehrtwendung vollzogen, sich selbst zensierten.
Aber das Schrecklichste, was ich gesehen habe, war die Angst derjenigen, die
die Freiheit des Denkens und des Wortes schützen müssten. Ich meine
die Angst der sogenannten Institutionen und der Presse.
Oriana Fallaci