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Der aktuelle Frontseitenkommentar von Chefredaktor Ulrich Schlüer vom 17. Oktober 2003

Bürger: "Maul halten!"
Dreimal Nein zu den Zürcher Kirchenvorlagen am 30. November 2003

Kaum ist der Nationalrats-Wahlkampf vorbei, steht im Kanton Zürich eine Abstimmung an, die Signalcharakter für die ganze Schweiz hat. Es geht um die neue Kirchenordnung, über die der Zürcher Souverän am 30. November 2003 entscheiden muss. Mit dieser neuen Kirchenordnung soll zusätzlichen Religionsgemeinschaften die staatliche Anerkennung ermöglicht werden - womit das Recht auf Staatsbeiträge aus Steuergeldern zwingend verbunden ist. Das Besondere dabei: Stimmbürger und Kantonsrat werden von jeglicher Mitsprache in Anerkennungsentscheiden radikal ausgeschlossen. Der Regierungsrat entscheidet völlig allein - und zwar abschliessend. Nicht einmal ein Referendumsrecht wird dem Volk zugestanden.
Welche Absichten stehen hinter solch radikaler Entmachtung der Stimmbürgerinnen und Stimmbürger in der neuen Kirchenordnung? Steht die staatliche Anerkennung muslimischer Gemeinschaften bevor, womit diese dann den christlichen Landeskirchen gleichgestellt wären? Erachten vermeintlich "Weiterblickende" den Souverän als "zu unreif" für eine solche Entscheidung - weshalb ihm vorsorglich das Stimmrecht dazu entzogen werden muss? Soll unserem Zusammenleben im Staat das christliche Fundament entzogen werden, wozu - damit "der Schritt schliesslich glückt" - dem Bürger jegliche demokratische Mitsprache entzogen werden muss?
Die formelle Anerkennung neuer, auch nicht-christlicher Religionsgemeinschaften hätte weitere Folgen von grosser Tragweite: Diese Religionsgemeinschaften müssten für ihre innere Organisation das allgemeine Stimm- und Wahlrecht garantieren - nach den Regeln des Gemeindegesetzes. Das gilt dann auch für Gemeinschaften, die zu mehr als neunzig Prozent aus Ausländern zusammengesetzt sind. Soll da - altes linkes Anliegen - auf dem Umweg über neue Religionsgemeinschaften dem Stimm- und Wahlrecht für Ausländer ganz allgemein der Boden geebnet werden?
Bemühungen zur Integration von Ausländern in Ehren. Wer allerdings der Integration zu dienen glaubt, indem er zwecks Gleichstellung neuer Religionsgemeinschaften mit unseren christlichen Landeskirchen dem Stimmbürger jede Mitsprache wegnimmt, der trägt gewiss nicht zum religiösen Frieden bei. Wer den Stimmbürger entmachten und damit die Demokratie aushöhlen will, der provoziert Verbitterung und Streit.

Ulrich Schlüer


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