Nr. 27, 17. Oktober 2003

Offener Brief: Manipulation einer Vernehmlassung?
Leistungsbilanz von Bundesrätin Ruth Metzler

Von Gregor A. Rutz, Generalsekretär SVP, Küsnacht ZH

Bereits vor Jahresfrist lief ein offizielles, von Bundesrätin Ruth Metzler veranlasstes Vernehmlassungsverfahren zu einer beabsichtigten Totalrevision des Waffengesetzes.

Die Vernehmlassung schuf Klarheit: Eine grosse Mehrheit der antwortenden repräsentativen Parteien und Verbände fordern konsequente Massnahmen gegen Waffen-Missbrauch, hingegen keine Freiheitsbeschränkung bezüglich Waffenbesitz.
Diese eindeutige Antwort passte Bundesrätin Metzler und ihren juristischen Beratern nicht. Sie veranlassten - jetzt vor allem linke, Waffenbesitz generell diffamierende Kreise ansprechend - kurzerhand eine zweite Vernehmlassung, die ihnen und ihren Absichten genehmere Antworten beschaffen sollte. Dieser Tatbestand veranlasste den Generalsekretär der SVP, Gregor Rutz, zu einem offenen Brief an die zuständige Bundesrätin. Weil dieser Brief die Ursachen fortgesetzter gravierender Fehlleistungen im Departement Metzler besonders treffend beim Namen nennt, drucken wir ihn hier im vollen Wortlaut ab.


Sehr geehrte Frau Bundesrätin

Am Freitag, 26. September, habe ich von Ihnen ein Schreiben erhalten. Betreff: "Revision des Waffengesetzes" - also das exakt gleiche Geschäft, zu welchem wir uns bereits am 10. Dezember 2002 ausführlich im Rahmen einer Vernehmlassungsantwort geäussert haben. Diese erste Vernehmlassungsrunde, schreiben Sie, habe gezeigt, dass "Inhalt und Tragweite dieser Bestimmungen ganz unterschiedlich verstanden wurden". Sie haben sich deshalb entschieden, "die Vernehmlassung (...) zu vertiefen", und dies vor allem "vor dem Hintergrund der vorhandenen Missverständnisse".

Ihr Vorgehen, sehr geehrte Frau Bundesrätin, empfinde ich als absolut unlauter, um nicht zu sagen: antidemokratisch. Wieso führen Sie eine Vernehmlassung durch, wenn Sie die Antworten auf Ihre Fragen nicht akzeptieren wollen? Können Sie mir eine einzige Vernehmlassung nennen, in welcher die Antworten der Parteien nicht "ganz unterschiedlich" ausgefallen sind? Und woher nehmen Sie das Recht, den Adressaten zu unterstellen, sie hätten Ihre Ideen "missverstanden"?
Ich kann Ihnen versichern: Die SVP hat sehr wohl verstanden, was Sie mit Ihrem gesetzgeberischen Eifer beabsichtigen. Wenn wir die vorgeschlagene Revision des Waffengesetzes ablehnen, so hat dies seinen guten Grund. Selbstverständlich halten wir an unserer Haltung fest, dass die vorgeschlagene Revision unverhältnismässig weit geht und nicht mehr mit Missbrauchsbekämpfung begründet werden kann: "Mit einem Übermass an bürokratischen Schikanen sollen jene Bürger beschränkt werden, die sich in der Vergangenheit im Umgang mit Waffen stets verantwortungsbewusst gezeigt haben, ohne dass damit jene getroffen werden, die Waffen tatsächlich für kriminelle Zwecke missbrauchen".


Politiker und Bürger für dumm verkauft


Mit Ihrem Vorgehen, sehr geehrte Frau Bundesrätin, verkaufen Sie nicht nur Politiker und Bürger für dumm, sondern unterlaufen gezielt demokratische Entscheidungsprozesse. Wofür eine Vernehmlassung, wenn man das entsprechende Resultat gar nicht akzeptieren will? Dieses Vorgehen scheint bei Ihnen System zu haben. Erinnern wir uns an die Revision des Bürgerrechtsgesetzes. In diesem Gesetz wollen Sie neu ein Beschwerderecht gegen ablehnende Einbürgerungsentscheide verankern. Sie wollen diese Neuerung aber partout nicht im Gesetz festschreiben und stellen sich statt dessen auf den Standpunkt, dieses Recht bestehe aufgrund bundesgerichtlicher Rechtsfortbildung bereits heute. So beabsichtigen Sie, ein Referendum gegen dieses Beschwerderecht und damit gegen den Kernpunkt der Gesetzesrevision faktisch zu verunmöglichen.
Ein anderes Beispiel: Vor wenigen Monaten haben wir das Bundesamt für Flüchtlinge kritisiert, welches ein Computerspiel publiziert hat, mit welchem man ein Asylverfahren "auf spielerische Weise" durchlaufen kann. Wir haben Sie darauf aufmerksam gemacht, dass es sich bei der Asylproblematik nicht um ein Spiel, sondern um eine ernste Angelegenheit handelt, und es überdies nicht Aufgabe eines Bundesamts ist, Computerspiele zu entwickeln ("SVPja" 4/03). Statt das Spiel definitiv vom Netz zu nehmen, setzten Sie eine "externe Stelle" ein, welches die Vorwürfe ans BFF (offensichtlich aber nicht das Spiel) überprüfen soll. Auf der Internetseite kann man das Spiel nach wie vor kostenlos - d. h. auf Kosten des Steuerzahlers - bestellen. Absolut unverständlich.


Unschuldige erfassen und Kriminelle verhätscheln?

Haben Sie nicht das Gefühl, sehr geehrte Frau Bundesrätin, dass Sie vor den wirklichen Problemen schlicht und einfach die Augen verschliessen? Was sagen Sie zum "Bericht für innere Sicherheit" des Bundesamtes für Polizei, das Ihnen ja unterstellt ist? Dieser Bericht spricht Klartext und zeigt ganz klar, wo die Probleme liegen: nicht bei den Schweizern, welche als Armeeangehörige, Jäger oder Schützen eine Waffe besitzen, sondern vielmehr bei kriminellen Ausländerbanden.
Dort steht etwa: "Beim Drogenhandel in der Schweiz liegt der Ausländeranteil der wegen Handelns verzeigten Personen bei rund 80 Prozent. Die wichtigsten Gruppen sind dabei ethnische Albaner, die den Handel mit Heroin in der Schweiz dominieren, und westafrikanische Gruppierungen, die den Strassenhandel von Kokain beherrschen und praktisch in der ganzen Schweiz tätig sind. Insbesondere bei den westafrikanischen Gruppierungen wurde eine erhöhte Gewaltbereitschaft festgestellt. Es liegen Hinweise vor, wonach sich die Gruppen krimineller ethnischer Albaner langsam aus dem Strassenhandel zurückziehen, verdeckter operieren und ihre Aktivitäten zum Teil auf Menschenhandel und Prostitution verlagern. Nach wie vor dominant sind kriminelle ethnische Albaner im Grosshandel mit Heroin".


Menschenhandel und Schmuggelgeschäfte


Dem zitierten Bericht entnimmt man weiter, dass "Netzwerke ethnischer Albaner" zu den "wichtigsten kriminellen Gruppen" gehören: "Angehörige krimineller albanischer Gruppen prägen das Bild der Kriminalitätsentwicklung in der Schweiz. (...) Das Schwergewicht der Aktivitäten liegt im Drogenhandel; die hier bestehenden Netzwerke dienen aber auch für Menschenhandel und Schmuggelgeschäfte. (...) Ebenfalls bildet der Waffenhandel weiterhin eine Schwerpunkttätigkeit (...)".
Sehr geehrte Frau Bundesrätin: Haben Sie denn ernsthaft das Gefühl, die Albanermafia besorge sich alte Schweizer Armeegewehre in einem Laden in der Berner Innenstadt? Oder haben wir Sie vielleicht missverstanden: Wollen Sie auch den osteuropäischen Waffenschwarzmarkt in Ihrer Datenbank erfassen? Es ist doch völlig klar, dass diese Mafiazirkel sich immer irgendeine Waffe besorgen werden. Wir müssen doch ganz woanders ansetzen: Wir dürfen es gar nicht so weit kommen lassen, dass diese Kreise unser Asylverfahren unterlaufen können und sich in der Schweiz tummeln! Hier müssen wir ansetzen - und hier müssen Sie durchgreifen!


Hauptproblem: Asyl- und Ausländerpolitik

Das Bundesamt für Polizei ortet auch wirtschaftspolitische Gefährdung: "Netzwerke krimineller Gruppen ethnischer Albaner gefährden verstärkt den Wirtschaftsstandort und Finanzplatz Schweiz, indem sie in Firmen der ethnisch-albanischen Bevölkerung in der Schweiz einzudringen versuchen, um diese für Geldwäscherei und Schmuggelaktivitäten zu benützen". Wir haben es also mit professionell organisierten Mafiaverbindungen zu tun. Weiter hinten erfährt man, dass in der Schweiz im Jahr 2002 26 125 Personen, d.h. 26,6 Prozent mehr als 2001, um Asyl nachgesucht haben. Dem Asylbereich können davon allerdings nur 378 Personen effektiv zugerechnet werden. 25 Prozent der Asylsuchenden kommen neu aus verschiedenen Ländern Afrikas. "Die Bezüge zwischen illegaler Migration, organisierter Kriminalität, dem so genannten Kriminaltourismus sowie Extremismus und Terrorismus stellen sicherheitsbeeinträchtigende Faktoren dar". Und so weiter, und so fort.


Leere Versprechungen führen nicht weiter

Mit solchen Gesetzesvorlagen wie der vorliegenden, sehr geehrte Frau Bundesrätin, kommen wir keinen Schritt weiter. Nehmen Sie die Antworten der ersten Vernehmlassungsrunde ernst. Und nehmen Sie auch das Abstimmungsresultat zur SVP-Asylinitiative vom November 2002 ernst: Hier besteht dringender Handlungsbedarf! Im Rahmen der Parlamentsdebatte vom 24. September wurde es klar gesagt: "Ihre Aufgabe ist es, die Rechte des Souveräns zu schützen, zu respektieren und zu mehren, nicht aber, die Voraussetzung dafür zu schaffen, dass die Rolle des Souveräns unterlaufen wird."

Mit freundlichen Grüssen
SCHWEIZERISCHE VOLKSPARTEI
Der Generalsekretär:
Gregor A. Rutz