Nr. 27, 30. Oktober 2002
Ein Mann mit Erfahrung
gibt Auskunft
Wie Missbrauch stattfindet
In einem in der «Südostschweiz» abgedruckten Interview schildert Heinz Brand, Chef des Amtes für Polizeiwesen im Justiz- und Sanitätsdepartement des Kantons Graubünden, wie der Asylmissbrauch in der Schweiz Tag für Tag stattfindet.
Zur Tatsache der zunehmenden Zahl von Asylbewerbern aus Afrika, deren Infiltration in den Drogenhandel die Öffentlichkeit schwer beunruhigt, führt Heinz Brand aus:
Vertuschung der Identität
«Wir hatten in den letzten Jahren gesamtschweizerisch eigentlich eine
konstante Zahl von 2500 bis 6000 jährlichen Asylgesuchen aus dem afrikanischen
Kontinent. Zunehmende Probleme bereitet uns aber der Vollzug. Afrikaner mit
abgelehntem Asylgesuch können kaum mehr zurückgeschafft werden.
Es gibt zwei Grundprobleme. Das eine ist die Feststellung der Identität. Viele Asylbewerber verheimlichen oder vertuschen diese, damit sie nicht in ihr Heimatland zurückgebracht werden können. Das zweite Problem ist die mangelnde Bereitschaft der Heimatstaaten, ihre Leute zurückzunehmen. Ein Beispiel: Anfang Woche brachten wir drei abgewiesene Asylbewerber aus Sierra Leone mit einem Sonderflug nach Freetown. Auf dem dortigen Flughafen erklärten zwei der drei plötzlich, sie stammten nicht aus Sierra Leone. Nur dank dem beherzten Eingreifen des schweizerischen Honorarkonsuls konnte diese Rückführung vor dem Scheitern bewahrt werden.»
Keine Flüchtlinge
Auf die Frage, aus welchen Gründen Afrikaner zunehmend in die Schweiz
drängen, antwortet Heinz Brand: «Vorab aus wirtschaftlichen Gründen.
Die Leute haben in ihrer Heimat keine Zukunftsperspektive. Mir ist kein Fall
einer Person aus Westafrika in Graubünden bekannt, wo ein echter Asylgrund,
also eine politische Verfolgung oder eine Bedrohung von Leib und Leben, festgestellt
werden konnte.» Auf die Frage nach persönlich erfahrenen Missbrauchs-Tatbeständen
erzählt Heinz Brand folgende Begebenheit: «Wir fühlen uns
zusehends ohnmächtig und verschaukelt. Uns sind Postsendungen von Asylbewerbern
in die Hände gefallen, in denen sich eine Aufenthaltsbewilligung für
Frankreich, ein englischer Pass, ein Reisedokument für Deutschland und
Bankauszüge für Österreich befanden. Die betreffenden Leute
spielen bei uns aber die Verfolgten und führen uns mit ihren Angaben
über Name, Identität und Fluchtursachen in verwerflicher Weise in
die Irre. Wir sind heute mit unseren filigranen rechtsstaatlichen Mitteln
einem Problem gegenübergestellt, welches sich leider nur mit einer etwas
forscheren Gangart lösen lässt.»
Auszug aus einem (ebenso ausführlichen wie aufschlussreichen) Interview, geführt mit Heinz Brand von Andrea Masüger, abgedruckt in «Südostschweiz», 11. Oktober 2002.