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Nr. 26, 2. Dezember
1999
Vorantreiben der Haschischfreigabe trotz
schlechter Erfahrungen im Ausland
Dreifuss stur
Die Bundesrätin
treibt die Haschischfreigabe mit allen Mitteln voran. Wer bei Radio
DRS die Wahrheit zur Schweizer Drogenpolitik hören wollte, der musste
am 4. Novem-
ber 1999 früh aufstehen: In den Nachrichten von 6.30 Uhr auf DRS
2 wurden die Hörer
darüber informiert, dass Dänemark auf eine Heroinabgabe verzichten
wolle. Diesen
Entschluss begründete die dänische Regierung mit der Tatsache,
dass die Schweizer
Experimente den zweifelsfreien wissenschaftlichen Beweis nicht hätten
erbringen
können, dass eine Heroinabgabe positiv wirksam sei.
In den folgenden Nachrichtensendungen
auf allen DRS-Kanälen wurde diese Meldung dann
glatt unterschlagen. Natürlich brachte - nach unseren Beobachtungen
- auch keine der gros-
sen Tageszeitungen hierzulande die Meldung aus Dänemark. Mit denselben
Methoden - tot-
schweigen und Unangenehmes ausblenden - wird man in den nächsten
Monaten versuchen,
die Schweizer Öffentlichkeit über die wahren Fakten rund um
eine Legalisierung von Cannabis
irrezuführen.
Schlechte Erfahrungen
im Ausland
Tatsache ist zum Beispiel,
dass die large Haschischpolitik in Holland zu einem erschrecken-
den Anstieg des Konsums bei Kindern und Jugendlichen geführt hat.
Wenn man den Apolo-
geten der Cannabis-freigabe folgt, so wäre das nicht weiter schlimm,
weil Haschisch erstens
nicht abhängig mache und zweitens keine Einstiegsdroge sei. Haschisch
sei bloss «fun». Gar
nicht lustig finden die holländischen Drogenspezialisten diese Entwicklung,
denn nun stellt sich
immer mehr heraus, dass viele Konsumenten negative Auswirkungen an sich
beobachten und
sich als Süchtige oder Drogengefährdete einstufen: In den Therapiezentren
gibt es - und dies
ist ein neues Phänomen - massenhaft Zulauf von Jugendlichen und Kindern,
die sich wegen
ihrer Haschischsucht beraten lassen wollen. Auch in Deutschland, so ist
dem neuen Ebis-Be-
richt («Einrichtungsbezogenes Informationssystem») zu entnehmen,
existiert dieser Trend.
Auf den ersten Blick
scheint dieses Phänomen begrüssenswert zu sein, weil es Rückschlüs-
se auf einen positiven Antrieb bei den Betroffenen zulässt. Genaugenommen
ist es aber eine
schlimme Sache. Denn jahrzehntelang wurde der Cannabiskonsum als Bagatelle
verharmlost
und die Möglichkeit von nachhaltigen Beeinträchtigungen und
allfälligen Langzeitschäden in
Abrede gestellt. Das hatte natürlich auch mit dem sogenannten THC-Gehalt
von Hanfpflanzen
zu tun, die tatsächlich vor zwanzig Jahren auf einem vergleichsweise
harmloseren Konzentra-
tionsniveau gezüchtet wurden. Inzwischen wurde der THC-Gehalt beim
Hanfanbau gezielt und
massiv gesteigert, wodurch auch Beeinträchtigungen und Suchtpotential
zunahmen.
Vollständige
Freigabe als Ziel
Trotz diesen Fakten,
die bei Drogenexperten eigentlich bekannt sein müssten, bereitet
sich
das Departement Dreifuss darauf vor, die vollständige Freigabe von
Haschischkonsum - oder
zumindest eine gewisse Grosszügigkeit gegenüber «Kiffern»
- mit der Revision des Betäu-bungsmittelgesetzes rechtlich zu verankern.
Dabei fährt das Bundesamt für Gesundheit (BAG)
eine Reihe von Expertenberichten und Studien als wissenschaftliche Geschütze
auf, mit denen
die Gegner einer Cannabislegalisierung mundtot gemacht werden sollen.
An vorderster Front
wird dabei mit dem Bericht der Expertenkommission Schild (vom Februar
1996) und dem Can-
nabisbericht der Eidg. Kommission für Drogenfragen (April 1999) gekämpft.
Auffällig ist dabei,
dass der Cannabisbericht den aktuellen Stand der wissenschaftlichen Forschung
zum Canna-
biskonsum praktisch ausblendet. «Was nicht sein darf», existiert
in den Köpfen von BAG-Chef
Zeltner und seiner wissenschaftlichen Komparserie ganz einfach nicht.
Mit insgesamt 8 Stu-
dien (wenn man den peinlichen Rechtfertigungsversuch über den Vergleich
von methadon- und
heroingestützter Behandlung des Uchtenhagen-Instituts für Suchtforschung,
1998/99, mit hin-
zuzählt) sollte das Terrain für eine weitere Liberalisierung
der Schweizer Drogenpolitik vorberei-
tet werden. Nicht mitgespielt in diesem üblen Spiel haben zwei Wissenschafter.
Der Zürcher
Jurist Dr. Gustav Hug-Beeli kommt in seiner Studie zum Schluss:
Wenn man Konsumverbot
und Freigabe des Konsums gegeneinander abwägt, dann spricht al-
les «eindeutig für eine Beibehaltung des Drogenkonsumverbot)»
(S.100). Und an anderer Stel-
le hebt Hug-Beeli hervor, dass eine Drogenkonsumfreigabe der Tatsache
nicht Rechnung trage,
dass ein Drogenkonsument immer auch Dritte in den Konsum einbeziehe: «Dadurch
trägt er
wesentlich zur Verbreitung des Betäubungsmittelmissbrauchs bei. Eine
allfällige Freigabe ....
liefe nicht nur auf eine indirekte Erleichterung des Drogeneinstiegs hinaus,
sondern würde der
gesamten Drogenpräventionsarbeit zuwiderlaufen.»
Zunahme des Konsums
Noch weniger Freude
dürfte das auftraggebende BAG an der Studie von Prof. Dr. Martin
Kil-
lias haben. Und dies nicht nur, weil dieser ein vehementer Verfechter
der Heroinabgabe ist (er
hat zu den Versuchen die Auswertung der Kriminalitätsstatistik beigesteuert).
In seinen For-
schungsresultaten kommt er zum Schluss, dass bei einer Freigabe «mit
einer generellen Zu-
nahme des Konsums heute illegaler Drogen zu rechnen ist .... Dabei ist
weniger das Wegfal-
len von Polizeikontrollen und Strafverfolgungsrisiken als die symbolische
Signalwirkung der
"Freigabe" von Bedeutung (S. 19). Auch wird die Praxis der holländischen
«Coffeeshops» (frei-
er Verkauf von Cannabis an Erwachsene in speziell registrierten Hanfläden)
von Professor Kil-
lias unter Jugendschutzaspekten äusserst negativ beurteilt. Damit
schliesst sich der Kreis,
weil nach Auffassung von immer mehr holländischen Experten die über
zwanzigjährige liberale
Drogenpolitik gescheitert ist.
Man muss sich wirklich
fragen, ob die Dreifussche Sturheit, auf die sich die Bundespräsidentin
noch etwas einbildet, wirklich dazu führen muss, dass wir die holländischen
Fehler - wider bes-
seres Wissen - wiederholen müssen.
Hippokrates
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