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Der aktuelle Frontseitenkommentar von Chefredaktor Ulrich Schlüer vom 19. November 2004

Brüssel verbietet alle Grenzkontrollen

Schluss mit Schleierfahndung!

Die Aufhebung von Personenkontrollen an der Landesgrenze, wie dies das Schengen-Abkommen verlangt, sei völlig unbedenklich. Behauptet der Bundesrat. Weil man künftig statt Personenkontrollen an der Grenze einfach mobile Schleierfahndung im Gebiet hinter der Grenze vornehmen werde. Bayern
mit seinen guten Fahndungserfolgen dank Schleierfahndung sei das Vorbild. Dass Bayern, um ebenbürtige Fahndungserfolge zur Personenkontrolle an der Grenze zu erreichen, den rund vierfachen Aufwand entfalten muss, wird hiesigen Steuerzahlern freilich vorenthalten.

Neuerdings stösst die Schleierfahndung als Ersatz für Personenkontrollen an der Grenze auf ein noch gewichtigeres Hindernis: Brüssel duldet keine Schleierfahndung mehr! Fahndungserfolge hin oder her. Die EU-Kommission, also die Regierung der EU, hat soeben eine Initiative zwecks kategorischem
Verbot von Schleierfahndung lanciert. Die ARD-Sendung «Report München» hat darüber am 8. November detailliert berichtet - während sich Schweizer Medien, allesamt Brüssel-geil, dazu in betretenes Schweigen hüllen. Schleierfahndung, argumentiert die EU-Kommission, sei «unzulässige Grenzkontrolle durch die Hintertür». Sie verstosse diametral gegen das «EU-Abkommen über die Reisefreiheit» (Teil des Schengen-Vertrags), wo es in Artikel 19 rechtsverbindlich heisst: «Ein Mitgliedsstaat (gemeint: des Schengen-Abkommens) darf keine Rechtsvorschriften erlassen, die ausschliesslich in Binnengrenznähe gelten und vorsehen, dass Stichproben oder Sichtkontrollen zur Identitätsüberprüfung vorgenommen werden können.»

Der deutsche Innenminister Otto Schily bezeichnet das damit angedrohte EU-Verbot von Schleierfahndung als Katastrophe. Frau Calmy-Rey, eben noch von der Wirksamkeit der Schleierfahndung schwärmend, hüllt sich erschreckt in Schweigen - um schleunigst gen Kairo zu Arafats Trauerfeier zu entschweben. Schleierfahndung als Ersatz für die von Schengen verbotenen Personenkontrollen an der Grenze: Damit versprach der Bundesrat, ebenbürtige Sicherheit vor illegaler Einwanderung und vor Kriminellen zu gewährleisten.

Die selbstherrliche EU erklärt - ohne die Schweiz auch nur um ihre Meinung zu befragen - dieses Konzept pauschal zur Makulatur, noch bevor das Schweizer Parlament darüber zu beraten begonnen hat. Die EU-Ideologie diktiert uns mit Schengen offene, völlig ungesicherte Grenzen. Auch für Kriminelle, auch für Dealer, auch für Islamisten, auch für Terroristen. Weil die EU-Bürokratie Staaten mit eigenverantwortlichen Sicherheitsorganen nicht duldet. Der Bundesrat erfährt dies jetzt auf schroff-beleidigende Weise - und schwindelt dem Volk weiter vor, mit Schengen «ändert sich überhaupt
nichts an unseren Grenzen» ...


Ulrich Schlüer


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