Nr. 26, 19. November 2004
Behauptungen und Tatsachen
Retten Einwanderer die AHV?
Von Nationalrat
Ulrich Schlüer, Flaach ZH
Selbst die schweizerischen Arbeitgeber-Verbände
klammern sich krampfhaft an die Mär, wonach Einwanderer unsere Sozialversicherungen
zu sichern und zu retten in der Lage seien.
Während Funktionäre
sowohl von Arbeitgeber-Organisationen als auch von Gewerkschaften in einträchtiger
Sturheit solche «Rettungsthesen» verbreiten, liess Holland die
Zusammenhänge zwischen Einwanderung, Steuerleistung und Bezügen
aus den Sozialeinrichtungen einmal gründlich untersuchen und berechnen.
Das Resultat ist ausgesprochen ernüchternd. Es sorgt weit über Holland
hinaus für Zündstoff - lediglich bei den Schweizer Wirtschaftsverbänden
scheinen die Resultate nicht angekommen zu sein. Die umfangreiche Expertise,
welche Einwanderer unter dem Gesichtspunkt von Sozialkosten und Steuerbeiträgen
systematisch beleuchtet, kommt bezüglich Sozialbilanz zu einem klar negativen
Resultat. Der massenhafte Zuzug gering qualifizierter Arbeitskräfte beeinträchtige
die Steuer- und Sozialsysteme massiv. In Ländern mit hohem Wohlfahrtsniveau
(dazu gehört zweifellos auch die Schweiz) würden Einwanderer Zeit
ihres Lebens weit mehr an Sozialleistungen aus öffentlichen Kassen beanspruchen,
als sie in Form von Steuern und Abgaben dorthin einzahlen.
Überdurchschnittlich viele dieser Einwanderer seien zudem in der Kategorie
der am geringsten bezahlten Tätigkeiten berufstätig. Dabei verdrängten
sie einheimische (oder früher eingewanderte) Arbeitskräfte aus solchen
Tätigkeiten. Das verursache zusätzliche Sozialkosten in Form von
Arbeitslosenhilfe, weil die aus den Billigberufen Verdrängten kaum andere
Arbeit fänden.
Die holländische Studie vergleicht akribisch die Steuerzahlungen der
Einwanderer mit ihren Bezügen aus der staatlichen Wohlfahrt (Wohnungsverbilligung,
Bildungszuwendungen, Altersrenten, Beiträge an die Gesundheitskosten,
Arbeitslosengelder usw.). Ausgehend von einer Familie mit zwei Kindern (viele
Ausländer haben allerdings mehr als zwei Kinder) errechnet die Studie
für die Lebenszeit einer Einwandererfamilie einen Mehrbezug an staatlichen
Leistungen von durchschnittlich 230 000 Euro (rund
Fr. 350 000) gegenüber den Zahlungen an Steuern und Abgaben. Die Behauptung,
wonach Einwanderer die Sozialeinrichtungen stützen würden, erwies
sich als eine Mär ohne jede Grundlage.
Nationalrat Ulrich Schlüer